Stell dir vor, du kaufst einen Kühlschrank für 2.000 Euro. Er steht in deiner Küche. Aber wenn du das Gefrierfach öffnen willst, musst du erst 5 Euro monatlich an Samsung überweisen. Klingt irre? Willkommen in der schönen neuen Welt der Autoindustrie.
Es gab eine Zeit, da war die Sache einfach: Du hast ein Auto gekauft. Du hast dem Händler einen (viel zu hohen) Batzen Geld gegeben, und dafür gehörten dir das Lenkrad, die Reifen und jedes einzelne Kabel in der Karosserie.
Diese Zeiten sind vorbei. Die Hersteller haben ein neues Zauberwort entdeckt: „Functions on Demand“. Klingt nach Service und Flexibilität. Ist aber in Wahrheit der Versuch, dich zu einer wandelnden Dauerüberweisung zu machen.
Das „Sitzheizungs-Gate“ von BMW
Erinnern wir uns kurz an den Aufschrei, als BMW vor einiger Zeit versuchte, die Sitzheizung im Abo anzubieten. Die Heizspiralen waren bereits im Sitz verbaut. Das Steuergerät war da. Der Knopf war da. Du hattest das alles beim Autokauf bezahlt (das Material schenkt dir BMW ja nicht). Aber um es einzuschalten, solltest du monatlich zahlen. Oder für 400 Euro „freischalten“.
Das ist, als würde dein Vermieter dir eine Wohnung mit Fenster vermieten, aber die Griffe abschrauben und sagen: „Lüften kostet extra.“
Zwar ist BMW nach einem massiven Shitstorm teilweise zurückgerudert, aber die Idee ist in der Welt. Und sie ist gekommen, um zu bleiben.
Mercedes und die „PS-Miete“
Mercedes treibt es noch bunter. In den USA konnten Besitzer der EQ-Modelle ein Abo abschließen, um schneller zu beschleunigen. Das Auto hatte die Leistung. Der Motor konnte es. Aber die Software drosselte den Wagen künstlich, bis der Kunde die Kreditkarte zückte. „Acceleration Increase“ nannten sie das. Ich nenne das: Wegelagerei.
Warum tun die das?
Es geht um „Recurring Revenue“ (wiederkehrende Einnahmen). Autobauer schauen neidisch auf Netflix, Spotify und Adobe. Sie wollen nicht mehr nur einmal alle fünf Jahre an dir verdienen, wenn du das Auto kaufst. Sie wollen jeden Monat an dir verdienen. Der feuchte Traum der Vorstände: Ein Auto, das zwar physisch in deiner Garage steht, aber digital immer noch dem Hersteller gehört.
Das Argument mit der „Flexibilität“ (Haha!)
Die PR-Abteilungen verkaufen uns das so: „Hey, du brauchst die Sitzheizung doch nur im Winter! Warum das ganze Jahr zahlen? Buch sie doch einfach flexibel für drei Monate!“
Klingt nett. Ist aber eine Milchmädchenrechnung. Denn glaubst du ernsthaft, dass der Basispreis des Autos sinkt, nur weil die Software-Funktionen gesperrt sind? Nein. Du zahlst den vollen Preis für die Hardware und dann noch die Miete für die Nutzung. Es ist die „DLC-Seuche“ (Downloadable Content) aus der Videospiel-Welt, die jetzt auf die Straße kommt.
Die Dystopie: Was kommt als Nächstes?
Wenn wir diesen Trend nicht stoppen (indem wir den Quatsch einfach nicht buchen), sieht die Zukunft düster aus.
- Das Bremsen-Abo: „Sie nähern sich einem Stauende. Möchten Sie für 0,99 € die volle Bremskraft freischalten? [JA] [NEIN]“
- Das Airbag-Paket: „Premium-Schutz für Beifahrer nur im Abo.“
- Das Fernlicht-Abo: „Ohne Abo leider nur Teelicht-Stärke.“
Unser Fazit
Wehrt euch!
Ein Auto ist Freiheit. Ein Abo ist Fesselung. Wenn wir anfangen zu akzeptieren, dass wir für Funktionen zahlen, die physisch bereits in unserem Eigentum verbaut sind, haben wir verloren.
Also: Wenn der Händler dir das nächste Mal stolz erzählt, dass du das Navi „ganz flexibel“ später dazubuchen kannst – sag ihm, dass du das Auto auch gerne „ganz flexibel“ nur an den Tagen bezahlst, an denen er nicht nervt.
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