837.013 verkaufte Exemplare pro Ausgabe: Ende der 1990er-Jahre war AUTO BILD ein Massenmedium. Heute sind davon noch gut 108.000 übrig. Das Internet sollte die Rettung sein. Millionen Leser kamen fortan kostenlos über Google. Doch jetzt bricht auch dieses Modell weg. KI-Suchen liefern die Antwort immer öfter selbst – und schicken den Leser gar nicht mehr zur Quelle. Mit autozeitung.de verschwindet 2026 bereits die Website eines der traditionsreichsten deutschen Automagazine.
Erst starb die Auflage.
Jetzt stirbt der Klick.
Deutschlands Auto-Medien haben bereits einen gewaltigen Umbruch hinter sich. Doch ausgerechnet das Internet, das Print retten sollte, gerät nun selbst unter Druck.
Der Kiosk ist fast leergefegt
AUTO BILD
verkaufte Exemplare je Ausgabeauto motor und sport
verkaufte Exemplare je AusgabeAUTO ZEITUNG
verkaufte Exemplare je AusgabeDas Internet sollte Print retten
weniger Besuche über unbezahlte Suchergebnisse im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
der Website-Besuche der untersuchten Seiten kommen weiterhin über unbezahlte Suchergebnisse.
der Besuche werden direkt von ChatGPT, Gemini und anderen KI-Diensten auf Websites weitergeleitet.
Bauer stellt autozeitung.de als eigenständigen Internetauftritt ein.
Die Antwort ist da. Der Leser nicht.
„Der Kofferraum fasst je nach Version … Liter.“
Austauschbare Information verliert ihren Wert
Leicht ersetzbar
- Herstellerangaben
- Preise und technische Daten
- Kofferraumvolumen
- WLTP-Reichweite
- Standard-Ratgeber
- umgeschriebene Pressemitteilungen
Schwer ersetzbar
- eigene Messungen
- eigene Datenbanken
- reale Verbrauchsdaten
- Zuverlässigkeitsanalysen
- investigative Recherche
- neue Erkenntnisse aus Rohdaten
Es ist eine Zahl aus einer anderen Welt.
837.013 Exemplare.
So viele AUTO BILD wurden im vierten Quartal 1998 durchschnittlich pro Ausgabe verkauft.
Nicht geklickt. Nicht aufgerufen. Gekauft.
Am Kiosk, an der Tankstelle, im Supermarkt.
Wer wissen wollte, ob der neue Golf etwas taugt, was BMW als Nächstes plant oder welcher Gebrauchte Ärger macht, musste Geld auf den Tisch legen.
Im zweiten Quartal 2026 sind von diesen 837.013 Exemplaren noch 108.334 übrig.
Das entspricht einem Rückgang von rund 87 Prozent.
Man könnte daraus die altbekannte Geschichte vom Tod der gedruckten Zeitschrift machen.
Doch das wäre inzwischen nur die halbe Geschichte.
Denn die Auto-Verlage hatten für den Niedergang von Print längst einen Ersatz gefunden: das Internet.
Jetzt gerät ausgerechnet dieser Ersatz unter Druck.
Fast eine Million verkaufte Hefte sind weg
Die Zahlen der großen deutschen Autozeitschriften zeigen, wie brutal die erste Medienrevolution bereits war.
AUTO BILD fiel von 837.013 verkauften Exemplaren 1998 auf 108.334 im Jahr 2026.
auto motor und sport sank von 508.144 auf 302.115 Exemplare.
Die AUTO ZEITUNG ging von 117.622 auf 73.819 Exemplare zurück. Ihr zwischenzeitlicher Höchststand lag allerdings später, weshalb der Absturz vom Spitzenwert deutlich größer ausfällt.
Zusammen verkauften die drei Magazine 1998 rund 1,46 Millionen Hefte pro Ausgabe.
Heute sind es noch etwa 484.000.
Fast eine Million verkaufte Exemplare – pro Ausgabe – sind verschwunden.
Und trotzdem steckt in diesen Zahlen noch eine zweite Geschichte.
AUTO BILD hat rund 87 Prozent verloren.
auto motor und sport nur etwa 41 Prozent.
1998 verkaufte AUTO BILD ungefähr 329.000 Exemplare mehr als auto motor und sport.
Heute verkauft auto motor und sport fast dreimal so viele Hefte wie AUTO BILD.
Das ist keine kleine Verschiebung.
Das frühere Massenblatt wurde regelrecht entthront.
Das Internet traf ausgerechnet AUTO BILD ins Herz
Warum?
Weil das Internet genau das kostenlos machte, womit sich ein Magazin wie AUTO BILD jahrzehntelang verkaufen ließ.
Was kostet der neue Golf?
Google fragen.
Wie groß ist der Kofferraum des Tiguan?
Google fragen.
Wann kommt der neue BMW?
Google fragen.
Wie viel verbraucht der Audi?
Google fragen.
Was ist beim gebrauchten Passat kaputt?
Google fragen.
Technische Daten, Preise, Erlkönige, Kaufberatung, Rückrufe, erste Fotos und kurze Tests waren plötzlich nicht mehr eine Woche lang exklusiv.
Sie standen innerhalb von Minuten im Netz.
Für die Leser war das großartig.
Für die Verlage war es zunächst schmerzhaft.
Aber es gab einen Ausweg.
Der Kiosk hieß plötzlich Google
Das Geschäftsmodell änderte sich.
Der Leser zahlte nicht mehr 2 oder 3 Euro für ein Heft.
Er kam kostenlos über Google.
Und wo früher der Verkaufspreis Geld brachte, standen nun Werbebanner, Fahrzeugbörsen, Vergleichsangebote und Links zu Shops.
Der Kiosk war verschwunden.
An seine Stelle trat die Suchmaschine.
Das funktionierte erstaunlich gut.
Ein Autoportal musste nicht einmal mehr darauf hoffen, dass jemand bewusst seine Startseite öffnete.
Google brachte die Leser automatisch.
„VW Tiguan Probleme“
„Skoda Enyaq Reichweite“
„Tesla Model Y Anhängelast“
„BMW X3 Kofferraum“
„Audi Q5 Verbrauch“
Millionen solcher Suchanfragen bedeuteten Millionen Besuche.
Und Millionen Besuche ließen sich verkaufen.
Doch genau dieser Mechanismus beginnt zu zerbrechen.
Google schickt den Leser nicht mehr zwingend weiter
Früher beantwortete Google vor allem eine Frage:
Wo finde ich die Antwort?
Heute beantwortet Google zunehmend:
Was ist die Antwort?
KI-Zusammenfassungen stehen direkt über den Suchergebnissen. ChatGPT, Gemini, Perplexity und andere Systeme gehen noch einen Schritt weiter: Sie liefern Antworten, Vergleiche und Erklärungen direkt im Gespräch.
Der Nutzer bekommt, was er wollte.
Nur die Website bekommt ihn nicht mehr zu sehen.
Dafür hat sich inzwischen ein eigener Begriff etabliert:
Zero Click.
Die Suche endet, ohne dass überhaupt noch auf eine Website geklickt wird.
Und das ist für Medienunternehmen weit gefährlicher als der Wechsel vom Heft ins Internet.
Denn beim ersten Umbruch wechselte nur der Vertriebsweg.
Beim zweiten verschwindet womöglich der Besucher.
Mit KI-Antwort halbiert sich die Klickrate nahezu
Das Pew Research Center hat untersucht, was Nutzer tatsächlich tun, wenn Google ihnen eine KI-Zusammenfassung zeigt.
Ausgewertet wurden fast 69.000 Google-Suchvorgänge von 900 US-Nutzern.
Das Ergebnis ist ziemlich eindeutig.
Erschien keine KI-Zusammenfassung, klickten Nutzer bei 15 Prozent der Suchvorgänge auf ein normales Suchergebnis.
Stand eine KI-Antwort darüber, waren es nur noch 8 Prozent.
Fast halb so viele.
Und wer glaubt, die Nutzer würden wenigstens auf die Quellen innerhalb der KI-Antwort klicken, wird ebenfalls enttäuscht.
Das geschah nur bei ungefähr einem Prozent der Suchvorgänge mit KI-Zusammenfassung.
Die Quelle wird benutzt.
Der Leser bleibt trotzdem weg.
Genau darin steckt das Problem.
Klicks gehen verloren – KI ersetzt sie kaum
Das Problem: Was bei Google verloren geht, kommt über ChatGPT, Gemini & Co. bislang bei weitem nicht zurück.
Auch deutsche Websites verlieren massiv Besucher über Google
Dass es nicht nur um theoretische Zukunftsszenarien geht, zeigen aktuelle Zahlen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Die Digitalagentur e-dialog untersuchte 74 Websites mit insgesamt rund 1,2 Milliarden Besuchen.
Im zweiten Quartal 2026 kamen über unbezahlte Suchergebnisse 20,3 Prozent weniger Besucher als ein Jahr zuvor.
Nur wenige Monate zuvor war der Rückgang noch wesentlich kleiner gewesen.
Besonders interessant ist dabei das Verhältnis:
Fast zwei Drittel aller Website-Besuche der untersuchten Seiten kommen weiterhin über unbezahlte Suchergebnisse.
ChatGPT, Gemini und andere KI-Dienste schicken dagegen bislang nur rund 0,9 Prozent der Besucher direkt auf diese Websites.
Das bedeutet:
Die Besucher verschwinden bei Google.
Aber sie tauchen nicht plötzlich bei ChatGPT wieder auf.
Sie sind für die Website schlicht weg.
Das ist für Automagazine besonders gefährlich
Autoportale sind für diese Entwicklung geradezu prädestiniert.
Ein großer Teil ihrer Inhalte beantwortet Fragen, die sich hervorragend in zwei oder drei Sätzen erledigen lassen.
Wie groß ist der Kofferraum?
Wie hoch ist die Anhängelast?
Wie weit fährt das Elektroauto?
Wie schnell lädt es?
Was kostet es?
Wie hoch ist der Verbrauch?
Welche Motoren gibt es?
Früher musste Google für die Antwort eine Website empfehlen.
Heute kann eine KI die Zahl direkt hinschreiben.
Und aus Sicht des Lesers ist das sogar logisch.
Warum sollte jemand erst eine Seite öffnen, ein Cookie-Fenster wegklicken, an drei Werbebannern vorbeiscrollen und 800 Wörter lesen, wenn er eigentlich nur wissen wollte:
„Wie groß ist der Kofferraum des VW Tiguan?“
Die unangenehme Wahrheit lautet:
Für diese Art von Inhalt braucht der Leser das Automagazin immer weniger.
Die AUTO ZEITUNG verschwindet 2026 aus dem Netz
Wie ernst die Lage inzwischen ist, zeigt ausgerechnet eine der traditionsreichsten deutschen Automarken im Mediengeschäft.
Die AUTO ZEITUNG bleibt als Zeitschrift bestehen.
Ihre eigenständige Website nicht.
Bauer Media stellt große Teile seines deutschen digitalen Verlagsgeschäfts neu auf. Die Gesellschaft Bauer Xcel Media Deutschland soll zum 30. September 2026 geschlossen werden. Rund 160 Beschäftigte sind betroffen.
Nur wenige Websites sollen als Kernmarken weitergeführt werden.
autozeitung.de gehört nicht dazu.
Das hat eine fast bizarre Symbolik.
1998 ging autozeitung.de online.
Im selben Jahr stammen auch die historischen Auflagenzahlen, mit denen sich heute der Niedergang des Printgeschäfts so eindrucksvoll nachvollziehen lässt.
28 Jahre später wird die Website wieder abgeschaltet.
Erst verlor die Zeitschrift Leser an das Internet.
Jetzt verliert das Internet selbst seine wirtschaftliche Sicherheit.
Bauer nennt dafür mehrere Gründe: einen schwierigen Werbemarkt, veränderte Nutzergewohnheiten, härteren Wettbewerb bei Verkaufsprovisionen und vor allem Plattformen, die Informationen zunehmend selbst präsentieren.
Das ist bemerkenswert.
Denn übersetzt heißt das:
Die Inhalte werden weiterhin gebraucht. Nur der Besuch auf der Website wird zunehmend überflüssig.
Ausgerechnet die Rettung von Print gerät jetzt selbst in Not
Damit steckt die Medienbranche in einem ziemlich absurden Kreislauf.
Zuerst zerstörte das Internet einen erheblichen Teil des Zeitschriftengeschäfts.
Die Verlage reagierten darauf, indem sie ihre Inhalte kostenlos ins Internet stellten.
Finanziert wurde das durch Reichweite.
Je mehr Besucher, desto mehr Werbung konnte verkauft werden.
Nun nutzen Suchmaschinen und KI-Systeme genau diese frei verfügbaren Informationen, um Antworten direkt selbst zu präsentieren.
Das Resultat kann so aussehen:
Der Verlag bezahlt den Redakteur.
Der Redakteur recherchiert.
Die Redaktion testet das Fahrzeug.
Sie fotografiert es.
Sie misst Verbrauch und Ladeleistung.
Sie veröffentlicht die Ergebnisse.
Eine Suchmaschine fasst sie zusammen.
Und der Nutzer liest die Zusammenfassung, ohne die Seite des Verlags jemals zu öffnen.
Wirtschaftlich ist das auf Dauer ein ziemlich mieses Geschäft.
Auch Wissenschaftler messen inzwischen den Effekt
Wie deutlich KI-Zusammenfassungen den Besuch einer Quelle ersetzen können, zeigt eine 2026 veröffentlichte Untersuchung anhand von Wikipedia.
Die Forscher verglichen mehr als 161.000 ähnliche Artikel und untersuchten, was geschah, wenn Google für bestimmte Suchanfragen KI-Zusammenfassungen einblendete.
Die betroffenen englischsprachigen Wikipedia-Artikel verloren im Durchschnitt ungefähr 15 Prozent ihrer täglichen Besuche.
Besonders stark war der Effekt bei einfachen Informationsfragen.
Also genau dort, wo eine kurze KI-Antwort das Problem bereits löst.
Das sollte jedem Betreiber eines großen Ratgeber- oder Informationsportals zu denken geben.
Die Branche spricht bereits vom „Google Zero“
Auch das Reuters Institute der Universität Oxford sieht den Wandel inzwischen als eines der zentralen Probleme der Medienwirtschaft.
Medienmanager rechnen dort im Durchschnitt damit, dass die Zahl der Besucher aus Suchmaschinen innerhalb der kommenden drei Jahre um weitere 43 Prozent sinken könnte.
Ein Teil erwartet sogar Verluste von mehr als 75 Prozent.
Messdaten von mehr als 2.500 Nachrichtenseiten zeigen bereits, dass zwischen November 2024 und November 2025 weltweit rund 33 Prozent weniger Besucher über die unbezahlte Google-Suche kamen.
Dabei ist wichtig:
Nicht jeder verlorene Besucher ist automatisch Opfer einer KI-Antwort.
Google ändert ständig seine Suchergebnisse. Nutzer wechseln zu YouTube, TikTok oder sozialen Netzwerken. Nachrichtennutzung verändert sich. Manche Inhalte werden schlicht weniger gesucht.
Wer behauptet, KI allein habe all diese Besucher vernichtet, macht es sich zu einfach.
Aber KI trifft einen Markt, der ohnehin bereits angeschlagen ist.
Und sie greift genau dessen empfindlichste Stelle an.
Den Klick.
Google hält dagegen
Google widerspricht der Vorstellung, seine KI-Suche zerstöre automatisch die Websites, von denen sie lebt.
Der Konzern argumentiert, Nutzer würden durch KI komplexere und zusätzliche Fragen stellen. Die verbleibenden Klicks seien zudem häufig wertvoller, weil sich die Nutzer intensiver mit dem Thema beschäftigten.
Das kann durchaus stimmen.
Jemand, der trotz einer bereits sichtbaren Zusammenfassung noch auf einen ausführlichen Test klickt, dürfte tatsächlich stärker interessiert sein als jemand, der lediglich eine Zahl gesucht hat.
Nur bleibt eine ziemlich einfache Rechnung:
Ein besonders interessierter Besucher ist schön.
Fünf verschwundene Besucher sind trotzdem fünf verschwundene Besucher.
AUTO BILD versucht bereits, aus Lesern Kunden zu machen
Auch Axel Springer reagiert.
AUTO BILD arbeitet inzwischen deutlich enger mit mobile.de zusammen.
Fahrzeugangebote sollen direkt in Gebrauchtwagenberichte, Kaufberatungen und Modellvorstellungen eingebunden werden. Auch Leasingangebote und Tageszulassungen sollen stärker integriert werden.
Das zeigt, wohin die Reise gehen könnte.
Die alte Logik lautete:
Wir brauchen möglichst viele Leser, damit wir möglichst viel Werbung verkaufen können.
Die neue lautet zunehmend:
Wenn schon weniger Leser kommen, muss jeder einzelne wirtschaftlich wertvoller werden.
Aus einem Artikel soll nicht nur ein Seitenaufruf entstehen.
Vielleicht vermittelt er gleich ein Auto.
auto motor und sport hat einen entscheidenden Vorteil
Interessant ist dabei die Entwicklung von auto motor und sport.
Das Magazin hat in knapp drei Jahrzehnten ebenfalls massiv Auflage verloren.
Aber eben nicht annähernd so stark wie AUTO BILD.
Rund 302.000 verkaufte Exemplare im zweiten Quartal 2026 sind in einem seit Jahrzehnten schrumpfenden Zeitschriftenmarkt erstaunlich viel.
Das könnte in der nächsten Medienkrise plötzlich wichtig werden.
Denn wer ein Magazin bewusst kauft, ein Abo besitzt, einen Newsletter abonniert oder eine bestimmte Marke direkt aufruft, braucht keinen Google-Umweg.
Eine starke Marke ist damit womöglich wieder wertvoller als zehn Millionen flüchtige Suchmaschinenbesucher.
auto motor und sport versucht gleichzeitig, digitale Produkte, Datennutzung und KI stärker auszubauen.
Ob das reicht, wird sich zeigen.
Aber die Ausgangslage ist eine andere als bei Medienmarken, die sich fast vollständig darauf verlassen haben, dass Suchmaschinen ihnen täglich kostenlos Leser liefern.
Der tausendste Artikel über Kofferraum und Reichweite wird zum Problem
Besonders hart dürfte die neue Realität jene Inhalte treffen, die jahrelang vor allem deshalb produziert wurden, weil Menschen danach googeln.
„VW ID.4 Reichweite“
„BMW X3 Abmessungen“
„Skoda Kodiaq Kofferraum“
„Audi Q5 Verbrauch“
„Tesla Model Y Preis“
Solche Artikel waren perfektes digitales Futter.
Eine häufig gestellte Frage.
Eine Seite dazu.
Google schickt Besucher.
Werbung wird eingeblendet.
Fertig.
Dieses Modell dürfte seinen Höhepunkt überschritten haben.
Denn genau bei solchen Fragen ist die KI besonders gut.
Sie muss keinen Redakteur nach Wolfsburg schicken, um herauszufinden, dass ein Kofferraum 652 Liter fasst.
Dafür braucht sie nur die Information.
Was eine KI nicht einfach aus dem Hut zaubern kann
Damit kommen wir allerdings zum vielleicht interessantesten Teil der Geschichte.
KI macht Journalismus nicht überflüssig.
Sie macht austauschbaren Journalismus überflüssiger.
Eine KI kann problemlos sagen, welche WLTP-Reichweite ein Hersteller angibt.
Aber jemand muss zuerst messen, wie weit das Auto bei fünf Grad Außentemperatur und 130 km/h tatsächlich fährt.
Eine KI kann technische Daten zusammenstellen.
Aber sie kann nicht rückwirkend eine Million Hauptuntersuchungen durchführen.
Sie kann Rückrufmeldungen erklären.
Aber jemand muss Tausende Datensätze sammeln, strukturieren und miteinander vergleichen.
Sie kann Werkstattprobleme zusammenfassen.
Aber jemand muss zuerst herausfinden, ob bestimmte Fahrzeuge wirklich ungewöhnlich häufig mit demselben Defekt auffallen.
Genau dort entsteht wieder echter Wert.
Nicht beim Abschreiben einer Herstellerangabe.
Sondern beim Erzeugen neuer Information.
Vielleicht zwingt KI die Auto-Medien sogar zu besserem Journalismus
Das klingt zunächst paradox.
Doch möglicherweise steckt in der Krise auch eine Chance.
Wenn eine KI innerhalb von Sekunden technische Daten, Pressemitteilungen und Standardratgeber zusammenfassen kann, lohnt es sich immer weniger, genau diese Inhalte hundertfach neu zu formulieren.
Dann gewinnt plötzlich wieder das, was sich nicht beliebig kopieren lässt:
eigene Messungen.
eigene Daten.
eigene Recherchen.
eigene Tests.
eigene Erfahrungen.
eigene Enthüllungen.
Und eine erkennbare Meinung, die nicht aus einer Hersteller-Pressemappe stammt.
Auch das Reuters Institute beobachtet, dass Medienunternehmen ihre Ressourcen künftig stärker auf eigene Recherchen, Analysen und erklärungsbedürftige Geschichten konzentrieren wollen.
Aus gutem Grund.
Den Satz:
„Der neue Elektro-SUV schafft laut Hersteller bis zu 620 Kilometer.“
kann eine Maschine genauso gut schreiben.
Die Frage:
„Warum schaffen tausende dieser Fahrzeuge im Alltag deutlich weniger – und was zeigen reale Messdaten darüber?“
ist eine journalistische Aufgabe.
Autozeitschriften verdienten am Verkauf gedruckter Hefte.
Das Internet ersetzte das Heft – Google brachte die Leser kostenlos auf die Websites.
Google-KI und Chatbots geben die Antwort oft direkt. Der Leser bekommt die Info, die Website aber keinen Klick mehr.
Erst starb das Heft. Jetzt verschwindet der Umweg über die Website.
Damit lässt sich die Entwicklung der vergangenen drei Jahrzehnte erstaunlich einfach erzählen.
In den 1990er-Jahren verkauften Automagazine Informationen auf Papier.
Dann kam das Internet.
Die Leser verschwanden vom Kiosk und tauchten bei Google wieder auf.
Die Verlage verloren den Verkaufspreis, bekamen dafür Millionen kostenlose Besucher.
Nun verändert KI auch dieses Geschäft.
Der Leser ist noch da.
Seine Frage ebenfalls.
Auch die Information wird weiterhin gebraucht.
Nur der Klick zur Website ist plötzlich nicht mehr selbstverständlich.
AUTO ZEITUNG zieht sich 2026 mit ihrer eigenständigen Website aus diesem Geschäft zurück.
AUTO BILD versucht, seine Reichweite stärker mit dem Fahrzeughandel zu verbinden.
auto motor und sport setzt auf Marke, Daten und digitale Produkte.
Welche Strategie funktioniert, weiß heute niemand.
Aber eines wird immer deutlicher:
Ein Automagazin kann sich nicht mehr darauf verlassen, möglichst viele bereits bekannte Informationen möglichst suchmaschinenfreundlich ins Netz zu stellen und dafür automatisch Besucher zu bekommen.
Diese goldene Zeit ist vorbei.
Vielleicht ist das sogar die überfällige Bereinigung eines Geschäfts, in dem zu lange Masse mit Qualität verwechselt wurde.
Denn wenn Maschinen die austauschbaren Antworten übernehmen, bleibt für guten Autojournalismus wieder eine ziemlich einfache Aufgabe:
Etwas herausfinden, das noch nicht in der Antwortmaschine steht.
Nichts mehr unter den Teppich kehren lassen
Neue Rückrufe, Schwachstellen-Checks und wichtige Auto-News direkt im Postfach.
Kommentare
0Jetzt bist du dran
Wie siehst du das – Zustimmung, Gegenargument oder eigene Erfahrung?
Zustimmung, Widerspruch oder eigene Erfahrung: Hier darf es gern konkret werden.