Als BMW 2022 das Tuch vom neuen 7er (G70) zog, hörte man das Internet förmlich aufschreien. „Was ist das?“, fragten die einen entsetzt. „Endlich Mut!“, jubelten die anderen (leiser).
Fakt ist: Dieser 7er wurde nicht für den deutschen Reihenhaus-Besitzer gebaut, sondern für den chinesischen CEO und den US-Tech-Mogul.

Die siebte Generation bricht mit allem. Die klassische Eleganz ist weg, stattdessen gibt es Cyberpunk-Luxus, eine Niere mit eigener Postleitzahl und im Innenraum ein privates Kino. Aber ist der G70 nur ein rollender Computer oder noch ein echter BMW?
Der „Vibe-Check“: Show ist alles
In Europa wirkt der G70 fast fremdkörperartig riesig. Er ist 5,39 Meter lang – eine Kurzversion gibt es nicht mehr. Man parkt ihn nicht, man legt ihn an.
Das gefällt uns
Das fliegende Kino: Der optionale 31,3-Zoll „Theatre Screen“ im Fond ist der absolute Showstopper. Netflix in 8K schauen, während man massiert wird? Das kann kein anderer.
Fahrkomfort Level „Wolke“: Dank Luftfederung und vorausschauender Kamera („Road Preview“) bügelt er Schlaglöcher weg, als wären sie nie da gewesen.
Ruhe: Die Dämmung ist so gut, dass du dich fragst, ob die Welt draußen noch existiert.
Das nervt uns
Das Gesicht: Die „Split Headlights“ und die beleuchtete XXL-Niere („Iconic Glow“) wirken auf viele wie ein wütender Biber. Dezent ist anders.
Bedien-Dschungel: Fast alle physischen Tasten sind weg. Selbst die Lüftungsdüsen oder die Sitzheizung muss man im Touch-Menü suchen. Das nervt gewaltig.
Kein reiner Benziner (EU): Wer V8-Wummern will, guckt in die Röhre. In Europa gibt es nur noch Diesel oder Plug-in-Hybrid (und den elektrischen i7).
Antriebe: Europa muss steckern
Während die Amis noch den V8 bekommen, zwingt uns die EU in die Elektrifizierung. Die gute Nachricht: Die Plug-in-Hybride sind verdammt gut.
| Modell | Systemleistung | Charakter |
|---|---|---|
| 740d xDrive
(Diesel) |
300 PS / 670 Nm | Der Langstrecken-König.
Schafft locker 1.000 km am Stück. In Foren berichten Fahrer von 6,5 Litern Verbrauch auf der Autobahn – bei 2,5 Tonnen Gewicht! |
| 750e xDrive
(PHEV) |
490 PS / 700 Nm | Die Vernunft-Rakete.
Seidig weicher R6-Benziner trifft kräftigen E-Motor. Über 80 km rein elektrisch möglich – ideal für Pendler mit Wallbox. |
| M760e xDrive
(PHEV) |
571 PS / 800 Nm | Der Pseudo-M.
Hat Power ohne Ende, ist aber kein Sportwagen. Der „M-Sport Boost“ ist ein nettes Party-Gimmick für 10 Sekunden extra Schub. |
Realitäts-Check: Das sagen echte Besitzer (Foren-Radar)
Abseits der Pressemeldungen zeigt sich im Alltag oft ein anderes Bild. Wir haben uns in den Besitzer-Communitys (Motor-Talk, Bimmerpost) umgehört. Hier ist die ungeschminkte Wahrheit über den G70.
Das gefällt uns
Der „Bunker-Effekt“: Besitzer schwärmen fast einstimmig von der Isolation. Die Akustikverglasung ist so dick, dass man die Außenwelt komplett ausblendet. Ein User schreibt: „Nach 800 km steige ich aus, als wäre ich nur Brötchen holen gewesen.“
Verbrauchswunder Diesel: Der 740d wird in Foren als Effizienz-Monster gefeiert. Verbräuche von 6,5 bis 7,5 Litern auf der Autobahn sind keine Seltenheit – bei 2 Tonnen Gewicht und 300 PS.
Die Massage-Sitze: Sie gelten aktuell als Benchmark. Besser und kräftiger als in der S-Klasse, sagen viele Umsteiger.
Das nervt uns
Die „Phantom-Türen“: Die automatischen Türen sind cool, aber Sensibelchen. Steht man am Hang oder ist ein Hindernis nur in der Nähe (das gar keines ist), verweigern sie den Dienst und man muss gegen den Motor ankämpfen. Ein häufiges Ärgernis.
Waschanlagen-Angst: Die Sensoren sind so empfindlich, dass der Wagen in Waschstraßen oft den „Notanker“ wirft, weil er die Bürsten als Unfallgegner erkennt. Man muss tief im Menü den „Waschanlagen-Modus“ aktivieren – wehe, man vergisst es!
Klimabedienung: Um die Sitzheizung oder Lüftung zu verstellen, muss man ins Touch-Menü. Ein User auf Reddit: „Ich bin wütend, dass ich mein Auto bitten muss, die Klimaanlage anzuschalten. Gebt mir Tasten zurück!“
Typische Mängel & Kinderkrankheiten
Auch ein 140.000-Euro-Auto ist nicht fehlerfrei. Auf diese Punkte solltest du bei gebrauchten Exemplaren achten:
- Feuchtigkeit im Scheinwerfer: Wie schon beim X7 Facelift berichten einige Besitzer von beschlagenen oder feuchten „Crystal Headlights“. BMW tauscht diese oft auf Kulanz, aber es ist ein bekanntes Leiden der frühen Baujahre.
- Software-Schluckauf: Das OS8-System ist riesig und komplex. Es kommt vor, dass der Bildschirm einfriert oder das System sich während der Fahrt neu startet. Meistens hilft ein „Affengriff“ (Reset durch langes Drücken des Lautstärke-Reglers).
- Bremsen-Rubbeln: Einige Fahrer (besonders Vielfahrer) berichten von Vibrationen beim Bremsen schon nach geringen Laufleistungen (20-30.000 km).
- Der „Sitz-Falten“-Ärger: Das Leder auf der Sitzfläche (besonders beim weichen Merino-Leder) wirft bei manchen Fahrern schon nach wenigen tausend Kilometern unschöne Wellen („Gesäß-Abdruck“).
Das Fazit
Unser Fazit
Der BMW 7er (G70) ist ein Statement. Er schreit: „Ich bin hier, und es ist mir egal, was du denkst.“ Technisch ist er ein Meisterwerk. Der Komfort, die Ruhe und das digitale Erlebnis suchen ihresgleichen. Aber er hat seine Seele als „Fahrerauto“ ein Stück weit an den Komfort verkauft.
Wer den mutigen Auftritt liebt und Technik-Nerd ist, wird ihn feiern. Wer klassisches, dezentes BMW-Design sucht, wird weinend in seinen alten E38 steigen. Unsere Empfehlung: Der 750e Plug-in-Hybrid ist der beste Kompromiss aus Leistung und Effizienz – wenn man zu Hause laden kann.















































































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