Hast du mal eben 8 Millionen Euro (netto!) in der Sofaritze gefunden? Nein? Macht nichts. Selbst wenn du das Geld hättest, hättest du keinen bekommen. Bugatti hat genau 10 Stück gebaut, und die waren schneller weg, als der W16-Motor Benzin vernichten kann.

Der Centodieci (italienisch für 110) ist das vielleicht spektakulärste Geburtstagsgeschenk, das sich eine Autofirma je selbst gemacht hat. Er ist eine Verbeugung vor einer Zeit, die Bugatti lange am liebsten vergessen wollte: Die wilden 90er und der legendäre EB110.
Warum zur Hölle „Centodieci“?
Kurzer Geschichtsunterricht, aber spannend: Bevor Bugatti zum VW-Konzern gehörte und den Veyron baute, gab es eine kurze, verrückte Phase in Italien. Ein Unternehmer namens Romano Artioli kaufte die Marke, baute eine futuristische Fabrik in Campogalliano und erschuf den EB110. Das Auto war seiner Zeit voraus (Carbon-Chassis, vier Turbos), ging aber pleite.
Lange Zeit hat Bugatti unter VW-Regie diese Ära ignoriert. Mit dem Centodieci sagen sie endlich: „Okay, der EB110 war doch geil.“

Design: Ein Chiron im 90er-Jahre-Raumanzug
Technisch gesehen basiert der Centodieci auf dem Chiron. Aber die Designer haben ganze Arbeit geleistet, um den Look des alten EB110 in die Zukunft zu beamen:
Die „Käsereibe“: Statt der großen C-förmigen Linie an der Seite (die „Bugatti-Line“ des Chiron) hat der Centodieci fünf runde Luftlöcher hinter der Seitenscheibe. Ein direktes Zitat des EB110 Super Sport.
Der kleine Mund: Der riesige Hufeisen-Grill des Chiron ist geschrumpft. Der Centodieci trägt ein viel kleineres Hufeisen, flankiert von bösen, schlitzartigen Lufteinlässen.
Das Heck: Statt organischer Kurven gibt es hier eine brutale Lichtleiste und einen massiven, feststehenden Heckflügel. Es sieht aus wie ein Raumschiff, das gerade im Landeanflug ist.
Die Technik: 1.600 PS Wahnsinn
Bugatti wäre nicht Bugatti, wenn sie einfach nur eine neue Karosserie draufgeklatscht hätten. Sie haben den 8,0-Liter-W16-Motor nochmal angefasst.

Das Ergebnis: 1.600 PS. Das sind 100 PS mehr als im „normalen“ Chiron. Dazu haben sie das Auto um 20 Kilogramm erleichtert. Klingt bei knapp 2 Tonnen Gesamtgewicht wenig, aber in dieser Liga zählt jedes Gramm. Sie haben sogar Scheibenwischer aus Carbon entwickelt, um Gewicht zu sparen. Kein Witz.
Die Fahrwerte sind jenseits von Gut und Böse:
0-100 km/h: 2,4 Sekunden
0-200 km/h: 6,1 Sekunden
0-300 km/h: 13,1 Sekunden
Top-Speed: Elektronisch begrenzt auf 380 km/h (Der Chiron darf 420 fahren). Warum? Weil der Centodieci auf Abtrieb und Kurvenhandling ausgelegt ist, nicht auf V-Max.
Das gefällt uns
- Die Optik: Er schafft den Spagat zwischen Retro (EB110) und Cyberpunk-Zukunft perfekt. Er sieht aggressiver aus als jeder Chiron.
- Die Exklusivität: 10 Stück weltweit. Die Chance, einen auf der Straße zu sehen, ist geringer als ein Lottogewinn.
- Die Technik: Der W16 ist ein aussterbendes Meisterwerk. Ihn hier in seiner stärksten Ausbaustufe zu erleben, ist Historie.
Das nervt uns
- Der Preis: 8 Millionen Euro netto. Das sind fast drei Chirons. Ist er dreimal so gut? Objektiv nein.
- Das Schicksal: Diese Autos sind so wertvoll, dass sie vermutlich nie richtig gefahren werden. Sie werden in klimatisierten Garagen in Dubai oder Miami verstauben. Ein Auto als Geisel seines eigenen Wertes.
Unser Fazit
Der Bugatti Centodieci ist völlig irrational. Er ist obszön teuer und technisch „nur“ ein optimierter Chiron. Aber darum geht es nicht. Er ist eine rollende Skulptur. Er ist der Beweis, dass Bugatti endlich Frieden mit seiner turbulenten italienischen Geschichte geschlossen hat. Für uns Normalsterbliche bleibt er ein Poster-Car – genau wie damals der EB110.

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