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Frau in Cabrio
Wirtschaft & Industrie

Das Cabrio stirbt aus: Der dramatische Rückgang einer Fahrzeugklasse

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Ein Segment verschwindet leise von den Straßen

Was einst die Quintessenz von Freiheit und Fahrspaß verkörperte, wird zunehmend zur Rarität auf deutschen Straßen: das Cabrio. Während in den Nullerjahren noch über 130.000 offene Fahrzeuge jährlich neu zugelassen wurden, schrumpft das Angebot kontinuierlich. Im Jahr 2025 sind in Deutschland nur noch 27 Cabrio-Modellreihen erhältlich – ein dramatischer Rückgang, der eine ganze Fahrzeugkategorie an den Rand der Bedeutungslosigkeit drängt.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache

Die Entwicklung ist alarmierend: 2008 verzeichnete das Kraftfahrt-Bundesamt noch 131.329 neue Cabrio-Zulassungen. Bis 2023 war diese Zahl auf 51.984 gesunken, und 2024 wurden nur noch rund 40.000 Cabrios neu zugelassen. Dies entspricht einem Rückgang von über 70 Prozent innerhalb von anderthalb Jahrzehnten.

Der Trend zeigt sich auch im aktuellen Modellangebot: Für die Saison 2025 sind lediglich 27 Modellreihen verfügbar – eine verschwindend geringe Zahl im Vergleich zu den vielfältigen Angeboten vergangener Jahre, als nahezu jede Marke mindestens ein offenes Modell im Portfolio hatte.

Warum sterben Cabrios aus?

Der SUV-Boom als Gegenspieler

Der Trend geht eindeutig zu SUVs, die deutlich gefragter sind und einen größeren Marktanteil für sich beanspruchen. Ironischerweise ist das meistverkaufte Cabrio Deutschlands im Jahr 2024 ausgerechnet ein SUV geworden: Der VW T-Roc Cabrio führte 2024 mit 7.718 zugelassenen Exemplaren die Verkaufsstatistik an.

Technische und regulatorische Hürden

Strenge Sicherheitsvorschriften machen die Entwicklung von Cabrios deutlich teurer. Die Verstärkung der Karosseriestruktur zum Ausgleich des fehlenden Dachs, aufwendige Überrollschutzsysteme und crash-optimierte Bauweisen treiben die Entwicklungskosten in die Höhe – bei gleichzeitig sinkender Nachfrage eine wirtschaftlich kaum zu rechtfertigende Investition.

Die Elektromobilitäts-Problematik

Ein besonderes Problem stellt die Aerodynamik dar: Bei einem Cabrio ohne Verdeck geht die Stromlinienform zum größten Teil verloren, der Wind findet im Innenraum viel Widerstand, wodurch mehr Energie benötigt wird und sich die Reichweite reduziert. Dies erklärt, warum nur eine Handvoll elektrischer Cabrios existiert.

Wirtschaftliche Realität

Die Nachfrage ist schlicht zu gering geworden. Ihre Hochzeit hatte die Fahrzeuggattung in den Nullerjahren. Hersteller konzentrieren sich lieber auf lukrativere Segmente mit höherer Nachfrage wie SUVs oder kompakte Elektroautos für den Alltag.

Cabrios werden zum Luxusgut

Von den insgesamt 27 Cabrio-Baureihen überschreiten 17 die Preisgrenze von 100.000 Euro, 11 davon kosten sogar über 200.000 Euro. Damit sind Cabrios endgültig zum Luxus-Spielzeug geworden.

Die wenigen erschwinglichen Modelle konzentrieren sich auf die Einstiegsklasse:

Die Opferliste: Diese Modelle gibt es nicht mehr

Der Kahlschlag im Cabrio-Segment hat prominente Opfer gefordert. Nicht mehr erhältlich und ohne Nachfolger sind das Audi A5 Cabrio, der Jaguar F-Type, der Porsche Boxster sowie Luxusmodelle wie der Audi R8 oder der Lamborghini Huracan.

Weitere eingestellte Modelle:

Der Porsche 718 Boxster ist tot. Der für 2025 geplante Nachfolger wird rein elektrisch sein.

Alle in Deutschland erhältlichen Cabrio-Modelle 2025

Erschwingliche Cabrios (unter 40.000 €)

1. Mini Cooper Cabrio

2. Fiat 500e Cabrio

3. Mazda MX-5

4. VW T-Roc Cabrio

5. Abarth 500e Cabrio

Mittelklasse-Cabrios (40.000-100.000 €)

6. BMW Z4

7. BMW 4er Cabrio

8. Mercedes CLE Cabrio

9. Mercedes C-Klasse Cabrio

10. Ford Mustang Cabrio

11. Aston Martin Vantage Roadster

12. MG Cyberster

Premium- und Luxus-Cabrios (über 100.000 €)

13. BMW 8er Cabrio

14. Mercedes AMG SL

15. Porsche 911 Cabrio

16. Porsche 911 Targa

17. Chevrolet Corvette Stingray Convertible

18. Lexus LC 500 Cabrio

19. Morgan Plus Six

20. Caterham Seven

Supersportwagen und Hypercars

21. Ferrari 296 GTS

22. Ferrari 12Cilindri Spider

23. Maserati GranCabrio Folgore

24. McLaren (verschiedene Cabrio-Modelle)

25. Bentley Continental GT Cabrio

26. Rolls-Royce Dawn

27. Bugatti W16 Mistral

Sonderkategorien und Exoten

Wiesmann Thunderball

Microlino Spiaggina

Kommende Elektro-Cabrios

Einige Hersteller haben elektrische Cabrios für 2025/2026 angekündigt:

Porsche 718 Boxster Electric

Tesla Roadster (neue Generation)

Fisker Ronin

Fazit: Eine aussterbende Spezies

Das Cabrio-Segment befindet sich im freien Fall. Was einst Symbol für Freiheit, Fahrspaß und mediterranes Lebensgefühl war, wird zunehmend zur automobilen Randerscheinung. Die Gründe sind vielfältig: veränderte Kundenpräferenzen, hohe Entwicklungskosten, strenge Regulierungen und die Herausforderungen der Elektromobilität.

Von den verbliebenen 27 Modellen sind die meisten für die breite Masse unerschwinglich. Erschwingliche Alternativen wie der Mazda MX-5, das Mini Cooper Cabrio oder der VW T-Roc sind selten geworden. Der Trend deutet darauf hin, dass Cabrios künftig ein exklusives Luxusgut bleiben – für die meisten Autofahrer nur noch ein automobiler Traum.

Ob es eine Renaissance geben wird, bleibt fraglich. Die Elektrifizierung könnte theoretisch neue Chancen bieten, doch die aerodynamischen Nachteile offener Fahrzeuge bleiben ein fundamentales Problem für die Reichweite. Die goldenen Zeiten des Cabrios scheinen endgültig vorbei zu sein.


Stand: Oktober 2025

Editorial

Verantwortlich: Robert Maximiuk
Automobile News liefert den ungeschminkten Blick unter die Haube. Statt nur Hochglanz-Prospekte zu zitieren, analysieren wir die Realität: Wir graben tief in TÜV-Reports, Pannenstatistiken und tausenden Nutzererfahrungen aus Fachforen. So finden wir die Schwachstellen, die im Verkaufsprospekt nicht stehen. Ehrlich, kritisch und mit der nötigen Portion Humor – erstellt mit modernster KI-Datenanalyse und persönlich kuratiert von einem echten Auto-Enthusiasten.

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