Wer mit dem Elektroauto auf Langstrecke geht, braucht mehr als Google Maps. ABRP, Chargemap, EnBW mobility+ – der Markt ist voll von Versprechen. Wir sagen euch, welche App wirklich liefert.
Stand Januar 2026 gibt es in Deutschland laut Bundesnetzagentur rund 194.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte (davon knapp 49.000 Schnellladepunkte) – und trotzdem ist die Frage „Schaffe ich das noch bis zur nächsten Säule?“ für viele E-Auto-Fahrer tägliche Realität. Das Problem ist selten die Infrastruktur selbst, sondern die Planung davor. Wer einfach losfährt und sich auf das eingebaute Navi verlässt, lädt unter Umständen häufiger und länger als nötig. Oder sucht im Regen nach einer freien Säule, die längst belegt ist.
ABRP – der Goldstandard für Streckenprofis
abetterrouteplanner.com | iOS & Android | Kostenlos / 5 €/Monat Premium
A Better Route Planner ist seit Jahren der Platzhirsch unter den EV-Routenplanern – und das aus gutem Grund. Die App des schwedischen Entwicklers Iternio Planning AB kalkuliert Reichweite und Ladestopps auf einem Niveau, das kein Hersteller-Navi erreicht. Wetter, Höhenprofil, Fahrgeschwindigkeit, Reifenwiderstand, Temperatureinfluss auf die Batterie: All das fließt in die Berechnung ein.
Besonders praktisch: ABRP lässt sich mit dem eigenen Fahrzeug verbinden – entweder via OBD-Dongle oder über Live-Daten-Integrationen (u. a. Tesla/Porsche direkt sowie Enode – je nach Fahrzeug/Account). Dann zieht die App den Ladezustand direkt aus dem Auto und plant in Echtzeit nach. Das funktioniert auf langen Etappen erschreckend genau.
Was nervt: Die App wirkt an manchen Stellen technisch und ist nicht immer perfekt übersetzt – die Bedienlogik braucht Eingewöhnung. CarPlay-Unterstützung ist vorhanden, aber nur mit dem kostenpflichtigen Premium-Account – und selbst dann haben einige Nutzer über CarPlay-Probleme geklagt. Wer nur ab und zu längere Strecken fährt, kommt mit der kostenlosen Basisversion gut aus.
Fazit: Für den ernsthaften Langstreckenfahrer das Maß aller Dinge. Für Gelegenheitsfahrer eventuell überdimensioniert.
Chargemap – Europa-Stärke und Community-Power
chargemap.com | iOS & Android | Kostenlos / 8,99 €/Monat Boost
Chargemap kommt aus Frankreich und hat seine Stärken dort, wo ABRP etwas nachlässt: in der Breite der Ladestationsdaten und in der Community-Qualität. Über 850.000 Ladepunkte in ganz Europa sind verzeichnet – mit Fotos, Nutzerkommentaren und aktuellen Statusmeldungen direkt aus der Fahrergemeinschaft. Wer von Deutschland in den Süden fährt, hat damit einen klaren Vorteil.
Die Routenplanung ist solide, die Benutzeroberfläche moderner als bei ABRP und auf Deutsch verfügbar. Mit dem Chargemap Pass lässt sich direkt über die App an rund 850.000 Ladepunkten (laut Chargemap) bezahlen – ohne Vertrag mit jedem einzelnen Betreiber. Das Boost-Abo (8,99 Euro/Monat) schaltet zusätzlich die kosteneffizienteste Route frei, also nicht die schnellste, sondern die günstigste.
Was nervt: Die Reichweitenberechnung ist nicht so präzise wie bei ABRP. Die Roaming-Gebühren über den Chargemap Pass sind nicht immer die günstigste Option – wer einen festen Ladetarif hat, sollte das vorher durchrechnen.
Fazit: Die bessere Wahl für Europatouristen und Fahrer, die eine einzige Ladekarte für alles wollen.
Google Maps – der bequeme Kompromiss
maps.google.com | iOS & Android | Kostenlos
Google Maps kann EV-Routen inkl. Ladehalte – richtig gut vor allem in Fahrzeugen mit integriertem Google Maps/Android Automotive. Für Alltagsfahrten und kurze bis mittlere Strecken ist das völlig ausreichend. Kein neuer Account, keine Einrichtung, keine Lernkurve.
Für Alltagsfahrten und kurze bis mittlere Strecken ist Google Maps völlig ausreichend. Die Ladestationsdatenbank ist solide, die Verfügbarkeitsinformationen werden besser. Wer nur gelegentlich längere Strecken fährt und kein Enthusiast ist, braucht nicht unbedingt eine Speziallösung.
Was fehlt: Die EV-Expertise der Spezialisten. Reichweitenberechnungen berücksichtigen keine Temperaturen oder individuelle Fahrprofile. Für Grenzfälle – knappes Akkubudget, unbekannte Strecke, schlechtes Wetter – ist Google Maps zu ungenau.
Fazit: Gut genug für 80 Prozent der Fahrer. Reicht nur nicht, wenn man wirklich auf den letzten Prozent angewiesen ist.
EnBW mobility+ – wenn Netzgröße entscheidet
enbw.com | iOS & Android | Kostenlos
EnBW mobility+ ist weniger Routenplaner und mehr Lade-Ökosystem. Die App bietet Zugang zu über 800.000 Ladepunkten in 17 Ländern – inklusive des größten Schnellladenetzes in Deutschland. Wer den EnBW-Tarif nutzt, findet hier alles an einem Ort: Stationssuche, Verfügbarkeit in Echtzeit, Freischaltung, Bezahlung, Ladekurve.
Stiftung Warentest hat die App mehrfach ausgezeichnet – besonders für Benutzerfreundlichkeit und Datentransparenz. Für EnBW-Kunden ist es schlicht die naheliegendste Wahl. Auch wer keinen EnBW-Tarif hat, kann die App als Stationssuche kostenlos verwenden.
Was fehlt: EnBW mobility+ kann Routen inkl. Ladehalte grob unterstützen (Routencheck), ist aber kein Verbrauchs-Nerd wie ABRP – Wetter, Höhenprofil und fahrzeugspezifisches Feintuning fehlen.
Fazit: Pflicht-App für jeden, der in Deutschland regelmäßig öffentlich lädt – am besten parallel zu ABRP oder Chargemap.
Alle Apps auf einen Blick
| Kriterium | ABRP | Chargemap | Google Maps | EnBW mobility+ | Tesla Navi |
| Präzise Reichweitenberechnung | ✅ Sehr gut | ✅ Gut | ⚠️ Basis | ⚠️ Basis | ✅ Sehr gut |
| Wetter & Höhenprofil | ✅ Ja | ⚠️ Teilweise | ❌ Nein | ❌ Nein | ✅ Ja |
| Ladestationen (Europa) | ✅ Sehr groß | ✅ 850.000+ | ✅ Groß | ✅ 800.000+ | ⚠️ Tesla only |
| Verfügbarkeit Echtzeit | ✅ Premium | ✅ Ja | ⚠️ Teilweise | ✅ Ja | ✅ Ja |
| Herstellerunabhängig | ✅ Ja | ✅ Ja | ✅ Ja | ✅ Ja | ❌ Nein |
| Direktes Laden & Bezahlen | ❌ Nein | ✅ Pass | ❌ Nein | ✅ Ja | ✅ Ja |
| CarPlay / Android Auto | ✅ Premium | ✅ Ja | ✅ Ja | ✅ Ja | ✅ Ja |
| Kostenlos nutzbar | ✅ Basis | ✅ Basis | ✅ Voll | ✅ Voll | ✅ Ja |
| Preis Premium | 5 €/Monat | 8,99 €/Monat | – | – | – |
Unsere Empfehlung: Die clevere Kombination
Die Wahrheit ist: Keine einzelne App macht alles perfekt. Wer wirklich entspannt mit dem E-Auto unterwegs sein will, kombiniert am besten zwei Tools:
- ABRP zur Routenplanung vor der Fahrt – präzise, detailliert, fahrzeugspezifisch.
- EnBW mobility+ oder Chargemap zum Laden und Bezahlen unterwegs.
Für Einsteiger, die nicht zwei Apps lernen wollen: Chargemap als Einstieg – gute Daten, verständliche Oberfläche, direkte Bezahlung, europaweit nutzbar.
Und für Tesla-Fahrer: Das eingebaute Navi ist tatsächlich eine der besten EV-Navigationslösungen auf dem Markt – dank Batterievorkonditionierung und nahtloser Supercharger-Integration. Wer ausschließlich im Tesla-Ökosystem lädt, braucht keine zusätzliche App.
ABRP ★★★★★5/5
Chargemap ★★★★☆4/5
Google Maps ★★★☆☆3/5
EnBW mobility+ ★★★★☆4/5
Du hast noch kein E-Auto, möchtest dir aber einen kleinen Überblick über Ladestationen in deinem Umfeld machen? Gib in diesem Tool einfach deine PLZ ein und schaue nach. Die angezeigten Ladestationen sind nicht vollständig, da sie auf den freiwilligen Einträgen der OpenChargeMap-Community basieren und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.
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Öffentliche Ladestationen in Deutschland · Datenquelle: OpenChargeMap.org · Täglich aktualisiert
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Veröffentlicht: Februar 2026 | Kategorie: E-Mobilität, Ratgeber | automobile-news.de
Alle Preisangaben und Feature-Informationen basieren auf dem Stand Februar 2026 und können sich ändern.
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