Der Elektromarkt tut gern so, als sei er ein einziges großes Rennen. Ein Sieger, eine Ziellinie, fertig. Stimmt nicht. Wer die Juli-Zahlen richtig liest, sieht zwei Rennen, zwei Ziellinien – und zwei Sieger, die kaum unterschiedlicher sein könnten.
Auf der einen Seite: Škoda. Genauer: der Elroq, mit 4.267 erfassten Fahrzeugen das meistverkaufte reine Elektroauto in den sechs ausreichend vollständig erfassten Märkten. Auf der anderen Seite: BYD. Genauer: der Seal U DM-i, Marktführer bei den Plug-in-Hybriden. Zwei Kronen, zwei völlig unterschiedliche Geschichten.
Der Elroq gewinnt – aber die eigentliche Story heißt Volkswagen
Ein Modell an der Spitze, das kennt man. Neu ist, was hinter dem Elroq passiert: ID.4/ID.5, ID.7, Enyaq, ID.3, dazu Audi Q6 e-tron und Cupra Born – der komplette Volkswagen-Konzern taucht in den vorderen Rängen auf, nicht nur eine einzelne Duftmarke.
Früher reichte ein einziges starkes Modell, um einen Hersteller nach vorne zu katapultieren. Heute reicht es Volkswagen offenbar, in jeder Klasse gleichzeitig mitzuspielen. Der Elroq unten im kompakten SUV-Segment, Enyaq und ID.4/ID.5 eine Nummer größer, ID.3 darunter, der ID.7 in der Langstreckenklasse, Audi im Premiumsegment. Ein einzelnes Modell kann einen schlechten Monat erwischen. Eine ganze Flotte lässt sich nicht so leicht aus dem Markt drängen.
Und die Zahlen bestätigen den Eindruck schwarz auf weiß: Von den Top 15 der BEV-Liste tragen acht Modelle ein VW-Konzern-Logo – Elroq, ID.4/ID.5, ID.7, Enyaq, ID.3, Audi Q6 e-tron, Cupra Born und Audi A6 e-tron. Mehr als die Hälfte des Spitzenfelds.
Selbst dort, wo BYD die Krone trägt, bleibt der Konzern die Nummer eins in der Breite: In der PHEV-Top-15 stehen mit VW Tiguan, Audi A5, Škoda Kodiaq, Audi A6, VW Tayron, VW Passat und VW Transporter ebenfalls sieben Modelle aus dem eigenen Haus.
Das ist die eigentliche Nachricht des Juli: nicht der erste Platz des Elroq, sondern die Breite dahinter.
BYD schlägt zurück – nur nicht dort, wo man es erwartet
Wer BYD kennt, kennt die Elektro-Erzählung: Seal, Dolphin, Atto, alles Kampfansagen an Tesla, Volkswagen, Hyundai. Im Juli liegt BYDs größter Erfolg aber komplett woanders – bei den Plug-in-Hybriden, mit dem Seal U DM-i ganz oben.
Genau das macht die Sache interessant. Im reinen BEV-Markt muss sich BYD gegen ein immer stärker werdendes europäisches Angebot behaupten. Beim Plug-in-Hybrid dagegen trifft der Hersteller auf eine Kundengruppe, die europäische Marken bisher fast unter sich ausgemacht haben: Käufer, die elektrisch fahren wollen, aber Reichweitenangst, Ladeplanung oder die volle Abhängigkeit von öffentlichen Ladesäulen scheuen.
Kurze Strecken elektrisch, lange Strecken mit Verbrenner – ein alter Kompromiss, den plötzlich ein chinesischer Hersteller am besten verkauft.
BEV und Plug-in-Hybride: zwei Märkte, zwei Top 15
Die stärksten Modelle im Juli – getrennt nach batterieelektrischem Antrieb und Plug-in-Hybrid. Berücksichtigt sind ausschließlich Märkte mit mindestens 90 Prozent kontrollierter Modellabdeckung.
Top 15 BEV
Top 15 PHEV
Das BEV-Ranking umfasst Deutschland, Finnland, Irland, Luxemburg, die Schweiz und Schweden. Beim PHEV-Ranking fällt Schweden mangels vergleichbar vollständiger Modelldaten heraus.
BYD gewinnt mit deutlichem Vorsprung
Bemerkenswert ist beim PHEV-Ranking nicht nur, dass BYD vorn steht – sondern wie deutlich. 2.073 erfasste Fahrzeuge stehen für den Seal U DM-i zu Buche, der zweitplatzierte VW Tiguan kommt auf 1.686.
387 Fahrzeuge Abstand. Rund 23 Prozent Vorsprung auf den nächsten Verfolger.
Und BYD bleibt dabei nicht bei einem Modell stehen: Der ATTO 2 DM-i schafft mit 994 Fahrzeugen Platz neun. Zwei BYD-Modelle in den PHEV-Top-10 sind kein Ausreißer mehr, sondern ein Muster.
Der bemerkenswerte Teil steckt weniger in der Größe des Segments als in der Konkurrenz dahinter: Tiguan, Mercedes GLC, Audi A5, E-Klasse, Kodiaq, XC60, Kuga – BYD gewinnt hier nicht gegen eine aussterbende Nische, sondern mitten in einem Feld etablierter europäischer Modelle.
BMW und Mercedes sind noch lange nicht raus
Nur weil BYD vorn steht, heißt das nicht, dass die Premiumhersteller kapituliert hätten. Der Mercedes GLC steht auf Platz drei, die E-Klasse auf Platz fünf, BMW bringt den 5er auf Rang elf und den X3 auf Rang 13.
Der Plug-in-Hybrid ist für diese Hersteller keine Notlösung, sondern weiterhin ein Geschäft mit Käufern, die genau diesen Kompromiss wollen: elektrisch im Alltag, Verbrenner für den Rest.
Das macht BYDs Erfolg umso bemerkenswerter. Der Seal U DM-i tritt nicht gegen aussterbende Nischenmodelle an, sondern gegen etablierte SUV und Baureihen mit großen Händlernetzen und treuer Kundschaft – und gewinnt trotzdem.
Und wo ist eigentlich Tesla?
Man kann die BEV-Top-15 rauf- und runterlesen, so oft man will – Tesla taucht nicht auf.
Kein Model Y. Kein Model 3.
Das ist fast bemerkenswerter als jede einzelne Platzierung in der Tabelle. Jahrelang war Tesla der Maßstab, an dem sich Europas Elektroauto-Markt messen lassen musste, das Model Y zeitweise so selbstverständlich in der Spitzengruppe, dass inzwischen sein Fehlen mehr auffällt als seine frühere Präsenz.
Im Juli besetzt stattdessen der VW-Konzern die ersten vier Plätze – Elroq, ID.4/ID.5, ID.7 und Enyaq –, während es kein Tesla-Modell unter die Top 15 der sechs vergleichbaren BEV-Märkte schafft.
Ein einzelner Monat ist zugegeben ein wackliger Zeuge für große Urteile. Tesla schwankt traditionell stark zwischen Quartalsende und -anfang, und der Juli folgt direkt auf den auslieferungsstarken Juni. Trotzdem bleibt das Bild ungewöhnlich klar.
Die eigentliche Verschiebung liegt genau darin: Europas BEV-Markt wartet längst nicht mehr darauf, welches Tesla-Modell den Takt vorgibt. Die Konkurrenz hat inzwischen genug eigene Volumenmodelle, um die Spitze auch komplett ohne Tesla zu besetzen.
Warum man BEV und PHEV nie in einen Topf werfen sollte
Die Audi-A6-Familie zeigt das ziemlich gut: Der A6 e-tron steht im BEV-Ranking mit 2.069 Fahrzeugen auf Platz zwölf, der A6 als Plug-in-Hybrid mit 974 auf Platz zehn. Ähnlicher Name, völlig unterschiedliches Antriebskonzept, zwei getrennte Rennen.
Ein Elroq dagegen gibt es nur elektrisch. Wer beide Antriebsarten einfach zusammenzählt, verwischt genau den Unterschied, der hier zählt: Wer gewinnt womit?
Getrennt betrachtet zeigt der Juli zwei völlig unterschiedliche Machtverhältnisse – Volkswagen dominiert in der Breite bei reinem Strom, BYD dominiert an der Spitze beim Kompromiss.
Zwei Warnsignale, zwei Adressaten
Für Tesla und andere reine Elektroanbieter ist die Botschaft unbequem: Volkswagen ist nicht mehr nur mit einem Modell konkurrenzfähig, sondern mit einer ganzen Flotte.
Für BMW, Mercedes, Volvo und alle anderen starken PHEV-Anbieter lautet die Botschaft anders, aber nicht weniger unbequem: BYD kommt nicht nur elektrisch.
Der Wettbewerb läuft inzwischen auf beiden Seiten der Steckdose gleichzeitig
Fazit

Škoda und der Rest des VW-Konzerns beweisen, dass Breite inzwischen mehr zählt als ein einzelnes Vorzeigemodell: acht von 15 BEV-Plätzen und sieben von 15 PHEV-Plätzen sprechen eine klare Sprache.
BYD beweist fast das Gegenteil: Zwei Modelle reichen, um mitten in einem von europäischen Herstellern dicht besetzten PHEV-Feld für Unruhe zu sorgen. Der Seal U DM-i steht ganz oben, der Atto 2 DM-i bereits auf Platz neun.
Wer nur auf eine große Tabelle aller Autos mit Ladestecker schaut, sieht deshalb die halbe Wahrheit.
Die eine Hälfte fährt rein elektrisch und wird im Juli von einer ganzen VW-Konzernflotte bedrängt. Die andere behält den Verbrennungsmotor an Bord – und dort hat BYD die Krone gekapert.
Datenbasis und Einordnung
Der EV Sales Radar von Automobile News bündelt veröffentlichte Modellzahlen aus internationalen Märkten. Für länderübergreifende Rankings zählen nur Märkte, in denen mindestens 90 Prozent eines belastbaren Gesamtwertes durch Modelldaten abgedeckt sind. BEV und PHEV werden dabei getrennt ausgewertet. Die Ranglisten zeigen die addierten Werte der ausreichend vollständig erfassten Märkte und sind keine vollständige Europa- oder Weltmarktstatistik. Größere Märkte haben durch ihre höheren Stückzahlen entsprechend mehr Gewicht. Das BEV-Ranking umfasst Deutschland, Finnland, Irland, Luxemburg, die Schweiz und Schweden. Beim PHEV-Ranking fällt Schweden mangels vergleichbar vollständiger Modelldaten heraus.
Datenstand: Juli 2026.
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