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Grün weißer Ford Edsel auf einer Messe
Automobil Geschichte

Der Ford Edsel: Wie man 400 Millionen Dollar verbrennt und dabei (unfreiwillig) komisch aussieht

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Stell dir vor, du planst die absolut gigantischste Party des Jahres. Du mietest das Olympiastadion, bestellst das teuerste Catering der Welt und versprichst allen, dass Beyoncé persönlich die Torte anschneidet. Und am großen Tag? Regnet es in Strömen, Beyoncé hat abgesagt und der DJ spielt nur Polka. Ungefähr so muss sich die Ford Motor Company im Jahr 1957 gefühlt haben. Bühne frei für den Ford Edsel – die wohl spektakulärste Bruchlandung der Automobilgeschichte.

Wenn wir heute über Auto-Flops reden, fallen oft Namen wie der Fiat Multipla (das Auto mit den Fettpölsterchen) oder der Pontiac Aztek. Aber gegen den Edsel sind das alles Waisenknaben. Der Edsel war nicht einfach nur ein Auto, das sich schlecht verkaufte. Er war ein industrielles Großereignis, ein Hype, so groß wie die Mondlandung – nur dass die Rakete beim Start explodierte.

Die Geburt eines Riesenbabys

Mitte der 50er Jahre lief es für Ford eigentlich super. Aber man hatte ein Problem: Wer einen Ford fuhr und aufstieg, wechselte oft zu GM (Oldsmobile oder Buick), weil der Schritt zum luxuriösen Lincoln zu groß war. Eine neue Marke musste her! Ford pumpte (je nach Rechnung) 250-400 Millionen Dollar in das Projekt. Am Ende standen Verluste von etwa 350 Millionen Dollar. Nach heutiger Kaufkraft wären das mehrere Milliarden. Es war das teuerste Projekt, das die Welt bis dahin gesehen hatte.

Die Marketing-Abteilung drehte völlig durch. Man versprach das „Auto der Zukunft“. Es wurde so viel Geheimniskrämerei betrieben, dass die Erwartungshaltung der Leute irgendwo zwischen „Er kann fliegen“ und „Er kocht Kaffee“ lag.

Ford Edsel Ranger
Brian Snelson, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons – Ford Edsel

Der Name: Ein Omen?

Wie nennt man so ein Wunderwerk? Ford engagierte eine Dichterin (!), Marianne Moore, die Vorschläge einreichte wie „Utopian Turtletop“ (Utopischer Schildkrötenkopf) oder „Mongoose Civique“. Kein Scherz. Am Ende entschied der Vorstand, alle kreativen Ideen in die Tonne zu treten und das Auto nach Henry Fords verstorbenem Sohn zu benennen: Edsel. Klingt das sexy? Klingt das nach Dynamik? Nein. Es klingt eher nach einem Buchhalter, der seine Brille sucht. Oder wie ein Nieser. „Hatschi!“ – „Edsel!“

Das Design: „Hat der gerade in eine Zitrone gebissen?“

Dann kam der Tag der Wahrheit: Der „E-Day“, der 4. September 1957. Der Vorhang fiel – und dem Publikum fiel die Kinnlade runter. Aber nicht vor Begeisterung. Das Zentrum der Kritik war der Kühlergrill. Während alle anderen Autos in die Breite gingen (breit = cool), trug der Edsel ein vertikales Oval mitten im Gesicht.

Die Spitznamen ließen nicht lange auf sich warten:

Dazu kam das Heck mit den „Gullwing“-Rücklichtern, die aussahen wie wütende Augenbrauen. Das Auto wirkte, als wäre es beleidigt, dass es gebaut wurde.

Technik, die begeistert (oder verwirrt)

Ford wollte Innovation um jeden Preis. Also bauten sie die „Teletouch“-Schaltung ein. Das waren Druckknöpfe für die Automatik – mitten in der Nabe des Lenkrads. Das Problem: Dort, wo normalerweise die Hupe sitzt, war jetzt der Gangwahlhebel. Du kannst dir vorstellen, was passierte, wenn ein Edsel-Fahrer im dichten Verkehr wütend hupen wollte. Statt „Mööööp!“ gab es einen Getriebeschaden, weil er bei 50 km/h in den Rückwärtsgang hämmerte. Upsi.

Ford Edsel Cockpit
dave_7 from Lethbridge, Canada, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons – Ford Edsel Cockpit

Das perfekte Timing (für eine Katastrophe)

Als wäre das Design nicht genug, hatte Ford auch noch das Pech gepachtet. Pünktlich zum Start rutschte die USA in die Rezession von 1957. Die Leute wollten plötzlich keine riesigen, spritfressenden Straßenkreuzer mehr, die so viel Chrom trugen, dass sie das Radar der Air Force störten. Der Trend ging zu kleineren Autos (sogar der VW Käfer wurde plötzlich hip). Einen Edsel zu kaufen, war in etwa so, als würdest du heute, wo alle über Klimaschutz reden, einen Panzer für den Weg zum Bäcker kaufen.

Dazu kam die Qualität: Die ersten Edsels waren so schlampig zusammengebaut, dass Teile fehlten oder abfielen. Manche Händler mussten die Autos erst selbst reparieren, bevor sie sie verkaufen konnten. Ein Albtraum.

Das Ende und die Wiedergeburt (und warum du jetzt einen willst)

Nach nur drei Jahren und knapp 116.000 gebauten Autos zog Ford 1960 den Stecker. Die Marke Edsel wurde beerdigt. Ford hatte so viel Geld verloren, dass es noch heute in den BWL-Lehrbüchern als Warnung steht: Höre auf deine Kunden, nicht auf deine Marketing-Abteilung.

Aber jetzt kommt der Twist: Heute, fast 70 Jahre später, ist der Edsel Kult. Er ist das hässliche Entlein, das zwar kein Schwan wurde, aber eine verdammt coole Ente. Auf Oldtimer-Treffen stiehlt ein gut erhaltener Edsel jedem perfekten Mercedes die Show. Warum? Weil er Charakter hat. Er ist das Symbol für den Mut, etwas Verrücktes zu wagen – und grandios zu scheitern.

Und das Beste daran? Du musst für dieses rollende Geschichtsbuch keine Hypothek auf dein Haus aufnehmen. Während die Preise für andere US-Ikonen aus den 50ern durch die Decke gehen, ist der Edsel (noch) ein Geheimtipp. Mit etwas Glück und Geduld angelt man sich ein wirklich ordentliches Exemplar schon zwischen 25.000 und 30.000 Euro.

Überleg mal kurz: Das ist weniger als ein nackter VW Golf. Dafür bekommst du aber 5,50 Meter puren amerikanischen Optimismus, tonnenweise Chrom und garantiert mehr offene Münder an der Tankstelle als mit jedem Neuwagen dieser Welt.

Würden wir heute einen „Utopian Turtletop“ fahren wollen? Für den Preis: Auf jeden Fall! (Solange man sich merkt, dass der Knopf in der Lenkradmitte nicht die Hupe ist…)

Ford Edsel Heckansicht
Redsimon at English Wikipedia, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons – Ford Edsel Heck

Editorial

Verantwortlich: Robert Maximiuk
Automobile News liefert den ungeschminkten Blick unter die Haube. Statt nur Hochglanz-Prospekte zu zitieren, analysieren wir die Realität: Wir graben tief in TÜV-Reports, Pannenstatistiken und tausenden Nutzererfahrungen aus Fachforen. So finden wir die Schwachstellen, die im Verkaufsprospekt nicht stehen. Ehrlich, kritisch und mit der nötigen Portion Humor – erstellt mit modernster KI-Datenanalyse und persönlich kuratiert von einem echten Auto-Enthusiasten.

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