Wir müssen über Lärm reden. Oder besser: Über Musik. Denn während die Autoindustrie leise surrend in die Zukunft gleitet, verlieren wir etwas, das Autofahren erst emotional gemacht hat: den ehrlichen, dreckigen Sound eines Verbrennungsmotors.
Stell dir vor, du stehst an einer Ampel. Neben dir hält ein alter Ford Mustang oder ein Mercedes-AMG C63 (die alten, mit dem 6.2 Liter Sauger). Der Fahrer tippt das Gaspedal nur an. BAMM-BAMM-Babbel-Babbel. Was passiert? Dein Nackenhaar stellt sich auf. Du spürst die Vibration im Asphalt bis in die Magengrube. Du grinst. Unwillkürlich.
Und jetzt stell dir die gleiche Situation mit einem Tesla Model 3 vor. Er fährt an. Sssssssssst. Was fühlst du? Nichts. Vielleicht denkst du an deine Mikrowelle oder einen Akkuschrauber.
Das ist das Problem der modernen Autowelt: Wir tauschen Emotion gegen Effizienz. Und es tut weh.
Der V8: Physik, die man fühlen kann
Warum lieben wir den Sound eines großen Motors so sehr? Weil er ehrlich ist. Das Grollen eines V8, das Kreischen eines V10 oder das mechanische Sägen eines luftgekühlten Porsche-Boxers – das ist keine Show. Das ist das Geräusch von tausenden kleinen Explosionen pro Minute. Es ist das Geräusch von Metall, das arbeitet, von Luft, die angesaugt und wieder ausgestoßen wird.
Es ist unperfekt. Es ist laut. Es ist politisch unkorrekt. Aber es ist der Herzschlag des Autos. Es verbindet dich mit der Maschine. Du hörst, wie es dem Motor geht, ob er angestrengt ist oder entspannt cruist.
Die Stille: Schnell, aber steril
Versteh mich nicht falsch: Die Beschleunigung eines modernen E-Autos ist brachial. Wenn dir ein Porsche Taycan Turbo S bei Vollstrom in den Magen tritt, ist das beeindruckend. Aber es ist ein klinisches Erlebnis. Es ist wie Achterbahnfahren mit Ohrenstöpseln. Die Geschwindigkeit steigt, aber das akustische Drama fehlt. Du wirst von einem unsichtbaren Gummiband gezogen. Es ist effizient, aber es fehlt die Seele.
Die Peinlichkeit: Wenn Autos „Raumschiff“ spielen
Aber das Schlimmste ist nicht die Stille. Das Schlimmste ist der Versuch, sie zu übertönen. Weil Fußgänger die leisen Autos nicht hören, müssen sie jetzt Geräusche machen (AVAS – Acoustic Vehicle Alerting System).
Und was haben sich die Sounddesigner ausgedacht?
- Die einen klingen wie eine anfahrende Straßenbahn in Düsseldorf.
- Die anderen klingen wie ein kaputtes UFO aus einem 70er-Jahre B-Movie.
- Und BMW engagiert Hans Zimmer (den Filmmusik-Komponisten!), damit der i4 klingt, als würde Batman gerade aus der Bathöhle starten.
Das ist alles Fake. Es kommt aus einem Lautsprecher. Es ist akustisches Botox. Es versucht, etwas vorzutäuschen, was nicht da ist. Und wenn man drinnen sitzt, kann man sich oft „Motorsounds“ über die Boxen einspielen lassen. Das ist so, als würde man sich beim Sex ein Pornovideo auf dem Handy anmachen, damit es echter wirkt.
Unser Fazit
Genießt es, solange es noch blubbert
Wir können die Zeit nicht zurückdrehen. Der Verbrenner stirbt, und mit ihm der Sound. Unsere Kinder werden Autos nur noch als summende Transportkapseln kennen.
Aber solange es noch geht: Macht das Fenster runter, wenn ihr einen V8 seht (oder hört). Genießt das unvernünftige, unnötige, wunderbare Blubbern. Es ist das Geräusch einer Ära, die zu Ende geht. Und kein Hans-Zimmer-Soundtrack der Welt wird das jemals ersetzen können.
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