Wenn dieses Auto im Rückspiegel auftaucht, machst du Platz. Nicht aus Höflichkeit, sondern aus purer Ehrfurcht (oder Angst).
Der Hongqi E-HS9 ist 5,20 Meter lang, 2 Meter breit und hat einen Kühlergrill, auf dem man problemlos ein halbes Rind grillen könnte.
Hongqi (ausgesprochen „Hong-Chi“, bedeutet „Rote Fahne“) ist die älteste Automarke Chinas und baut normalerweise die Staatskarossen für die Regierung. Jetzt wollen sie mit diesem elektrischen Koloss Europa erobern. Das Versprechen: Der Pomp eines Rolls-Royce Cullinan für den Preis eines gut ausgestatteten VW Touareg. Kann das gutgehen?

Der „Vibe-Check“: Show ist alles
Wer Hongqi fährt, will gesehen werden. Understatement? Fehlanzeige. Das Design stammt von Giles Taylor – und der war vorher Designchef bei Rolls-Royce. Das sieht man an jeder Fuge. Aber wie schlägt sich der „Präsidenten-Panzer“ im deutschen Alltag?
Das gefällt uns
Der „Boss-Faktor“: Optisch spielt der Wagen in der 300.000-Euro-Liga. Die Nachbarn werden denken, du hättest im Lotto gewonnen oder eine Insel gekauft.
Platz ohne Ende: Ob als 6- oder 7-Sitzer – hier reist man nicht, hier residiert man. In der zweiten Reihe gibt es „Captain Chairs“, in denen man fast liegen kann.
Verarbeitung: Überraschend gut! Viel Leder, weiche Materialien, kaum Hartplastik. Das „China-Klischee“ von billiger Verarbeitung greift hier nicht.
Das nervt uns
Lade-Frust: Der Akku ist riesig, die Ladegeschwindigkeit leider nicht. Während Porsche und Hyundai in 18 Minuten laden, trinkst du im Hongqi sehr viel Kaffee (max. 100-120 kW Peak, oft weniger).
Fahrwerk: Er ist weich. Sehr weich. Eher „schaukelndes Boot“ als „sportliches SUV“. Kurven mag er so sehr wie ein Ozeandampfer.
Software: Die Menüs sind tief verschachtelt, Übersetzungen teils abenteuerlich („Bitte öffnen Sie das Fenster“ statt „Fenster öffnen“) und Assistenten piepen gerne grundlos.
Technische Daten: Masse trifft Kraft
Auf dem Papier liest sich das beeindruckend, in der Realität kämpft die Physik gegen 2,7 Tonnen Leergewicht.
| Modell | E-HS9 (99 kWh) | E-HS9 (120 kWh) |
|---|---|---|
| Leistung | 551 PS / 750 Nm | 551 PS / 750 Nm |
| 0-100 km/h | 4,9 Sek. | 4,9 Sek. |
| Akku (Netto) | 90 kWh | 112 kWh |
| Reichweite (WLTP) | ca. 465 km | ca. 515 km |
| Verbrauch (Real) | 25 – 30 kWh/100km | 25 – 30 kWh/100km |
| Laden (DC) | max. 120 kW (mühsam) | max. 130 kW (immer noch mühsam) |
Design & Innenraum: Die „Verbotene Stadt“ auf Rädern
Der Innenraum ist ein Bildschirm-Fest. Ein riesiges Display zieht sich über die gesamte Breite des Armaturenbretts (ähnlich wie bei Mercedes Hyperscreen, nur früher da). Dazu gibt es in der Mittelkonsole noch einen Touchscreen für die Klimaanlage.
Die Sitze sind eher Sessel. Besonders in der Ausstattungslinie „Flagship“ (6-Sitzer) fühlt man sich hinten wichtiger als der Fahrer. Es gibt Massage, Belüftung und Kissen, die so weich sind, dass man darin versinkt. Aber: Das Infotainment-System wirkt im Vergleich zu Tesla oder BMW etwas altbacken in der Reaktionszeit.
Fahren: Wie auf Wolken (oder Pudding?)
Der E-HS9 hat Luftfederung serienmäßig. Er gleitet majestätisch über Bodenwellen hinweg. Das Problem beginnt, wenn die Straße kurvig wird. Dann spürt man jedes Kilo. Die Lenkung ist extrem leichtgängig und gibt so gut wie keine Rückmeldung. Man steuert dieses Schiff eher ungefähr in die Richtung, in die man will.
Fazit
Aber: Keiner von denen hat diesen Auftritt. Der Hongqi ist ein Statement. Er bietet extrem viel Luxus, Platz und Exotik für einen Preis (Start ca. 80.000 €, jung gebraucht oft deutlich günstiger), für den man woanders nur Mittelklasse bekommt. Wer meistens zu Hause lädt, gemütlich cruist und gerne auf Parkplätzen angesprochen wird („Ist das ein Rolls-Royce?“), wird ihn lieben. Alle anderen greifen besser zum deutschen Leasing-Standard.
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