Stell dir vor, du bist Milliardär, sitzt in deiner Lieblingskneipe und ärgerst dich darüber, dass Land Rover den alten Defender eingestellt hat. Was machst du? Klar, du kaufst dir ein Bier und baust das Auto einfach selbst nach – nur besser. Das ist die irre Geschichte des Ineos Grenadier. Ein Auto wie ein Werkzeugkoffer: Kantig, ehrlich und bereit für die Apokalypse.

Die Geburt: Ein Bierdeckel-Projekt (Wörtlich!)
Wir schreiben das Jahr 2017. Jim Ratcliffe, Chef des Chemie-Giganten INEOS (und einer der reichsten Briten), sitzt im Pub „The Grenadier“ in London. Er trauert. Land Rover hat gerade verkündet, den klassischen Defender einzustellen und durch einen modernen, runden SUV zu ersetzen.
Jim ist sauer. Er will kein „Lifestyle-SUV“ für den Weg zur Yoga-Stunde. Er will einen Kasten auf Rädern, den man mit dem Gartenschlauch auskärchern kann.
Nach ein paar Pints fällt die Entscheidung: „Dann bau ich das Ding halt selbst.“ Kein Scherz. Er nannte das Projekt nach der Kneipe „Grenadier“, kaufte Motoren bei BMW, Getriebe bei ZF und ein altes Smart-Werk in Frankreich. Das Ergebnis? Der wohl kompromissloseste Geländewagen der Neuzeit.
Das Cockpit: Willkommen im Kampfjet

Wenn du in den Grenadier einsteigst, suchst du vergeblich nach Touch-Gesten oder Sprachsteuerung. Stattdessen: Schalter. Fette, klickende, mechanische Schalter. Und zwar nicht nur am Armaturenbrett, sondern auch am Dachhimmel (Overhead-Console). Du fühlst dich wie ein Pilot, wenn du die Differentialsperren oder den Offroad-Modus aktivierst.
Die Technik: Deutsche Herzen in britischer Rüstung
Motor & Leistung
Fahrleistungen
Praktisches
Abmessungen
Motor & Leistung
Fahrleistungen
Praktisches
Abmessungen

Jim Ratcliffe mag zwar Patriot sein, aber er ist nicht dumm. Er wusste: Wenn das Ding zuverlässig sein soll, darf der Motor nicht aus England kommen (sorry, Land Rover).
Also hat er sich das Beste vom Besten geschnappt:
- Der Motor: Ein BMW Reihensechszylinder (B57 Diesel oder B58 Benziner). Das sind Sahnestücke des Motorenbaus. Kraftvoll, haltbar und sie klingen grandios.
- Das Getriebe: Die ZF 8-Gang-Automatik. Schaltet weicher als Butter in der Sonne.
- Der Unterbau: Ein massiver Leiterrahmen, Starrachsen und permanente Allrad-Power.
Fahren wie früher (Nur ohne Bandscheibenvorfall)
Wer den alten Defender kennt, weiß: Man saß direkt an der Tür gepresst, die Heizung war ein Witz und ab 100 km/h hat man sein eigenes Wort nicht mehr verstanden.
Der Grenadier macht das anders. Er ist leise, er hat Platz (dein linker Ellenbogen knallt nicht mehr gegen die Scheibe) und die Sitze sind von Recaro. Aber: Er fährt sich trotzdem wie ein LKW.
Der Vergleich: Ineos vs. „New“ Defender
Viele fragen: „Warum nicht den neuen Land Rover Defender kaufen?“ Ganz einfach:
- Der neue Defender ist ein Computer auf Rädern. Er hat Luftfederung (kann kaputtgehen), er hat hunderte Steuergeräte und er sieht aus wie ein Playmobil-Auto. Er ist super bequem, aber seelenlos.
- Der Ineos Grenadier ist ein Hammer. Er hat Stahlfedern (unkaputtbar), echte Knöpfe und er sieht aus, als könnte er durch eine Wand fahren.
Positiv
- Echte Hardware: BMW-Motoren und ZF-Getriebe sind eine Traum-Kombination.
- Bedienung: Große Knöpfe, die man auch mit Handschuhen bedienen kann. Kein Touch-Wahnsinn.
- Safari-Fenster: Die kleinen Glasdächer über Fahrer und Beifahrer kann man rausnehmen. Geil im Sommer!
Negativ
- Der Preis Unter 80.000€ geht fast nichts. Das ist viel Geld für ein 'Arbeitstier'.
- Der Durst: Er hat die Aerodynamik einer Schrankwand. Unter 12-14 Litern bewegt sich da wenig.
- Die Lenkung: Im Stadtverkehr echt Arbeit. Man kurbelt sich einen Wolf.

Was Fahrer wirklich sagen: Stärken und Schwächen im Alltag
Das englischsprachige INEOS-Besitzerforum (theineosforum.com) und deutsche Quellen liefern ein klares Bild: Der Grenadier begeistert seine Fans tief, nervt sie aber mit denselben Punkten immer wieder. Hier das ehrliche Destillat aus Tausenden von Erfahrungsberichten.
Positiv
- Antriebsstrang: BMW-Diesel (3,0 Liter, 249 PS, 550 Nm) und Getriebe laut Forum-Konsens außergewöhnlich gut abgestimmt — elastisch, präzise, kraftvoll. Kaum ein kritisches Wort dazu.
- Offroad-Performance: 264 mm Bodenfreiheit, 800 mm Wattiefe, Starrachsen von Carraro (auch für Traktoren verbaut). Kein Marketingversprechen — gelebte Praxis.
- Straßenlage: Bis ~130 km/h neutral und komfortabel, kein Schwanken, kein Wackeln. Widerlegt das Klischee vom fahrigen Geländewagen auf der Autobahn.
- Charakter ohne Kompromiss: Mechanischer Untersetzungshebel, auswaschbarer Innenraum, Dachrelingpunkte zum Verzurren — das Auto meint es ernst und das spürt man.
- Reifende Qualität: Software-Update 2024 hat viele frühe Probleme beseitigt. Wer ein Fahrzeug ab Ende 2024 kauft, bekommt einen spürbar gereifteren Grenadier als die Erstserie.
Negativ
- DAB+/Infotainment: Schwacher Empfang, selbstständiges Senderwechseln, Absturz-Anfälligkeit. Seit der Markteinführung bekannt, bis heute nicht vollständig gelöst.
- Heizung: Temperaturregelung unpräzise trotz gradgenauer Einstellung. Für hartgesottene Defender-Veteranen nostalgisch — für alle anderen schlicht ärgerlich.
- Fondplatz: Für ein 4,90-m-Fahrzeug mit 2,92 m Radstand geht es hinten unerwartet eng zu. Familien mit großen Kindern werden unglücklich sein.
- Windschutzscheibe: Im Forum häufen sich Berichte über frühe Risse — auch ohne erkennbaren Steinschlag. Vor dem Kauf genau prüfen.
- Servicenetz: Ersatzteilversorgung stockt, Garantiefälle werden von INEOS schleppend erstattet — einzelne Werkstätten haben die Zusammenarbeit bereits aufgekündigt (Stand April 2026).
Fazit

Er ist teuer, er säuft und er ist unvernünftig. Aber er hat mehr Charakter im kleinen Finger (oder im „Toot“-Knopf) als die meisten modernen SUVs im ganzen Blechkleid.
Bedienungsanleitung
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Galerie Ineos Grenadier





















Häufige Fragen zum INEOS Grenadier
Beides — mit Abstrichen. Auf der Autobahn liegt er bis 130 km/h erstaunlich ruhig und komfortabel. Wer aber täglich im Stadtverkehr unterwegs ist, muss sich an die weiche Lenkung und das sanfte Anfahrverhalten gewöhnen. Für Langstrecke und Gelände ist er uneingeschränkt empfehlenswert, als reiner Stadtflitzer klar überdimensioniert.
Der 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Diesel (249 PS, 550 Nm) von BMW gilt als erste Wahl: langstreckentauglich, drehmomentreich und laut Besitzerforum ausgesprochen zuverlässig. Der Benziner (3,0 Liter, 286 PS) ist für Märkte ohne gute Dieselinfrastruktur interessant, verbraucht aber spürbar mehr. Beide Motoren stammen aus BMW-Fertigung — ein klarer Qualitätsvorteil gegenüber Eigenentwicklungen.
Frühe Baujahre 2023 sind auf mobile.de und AutoScout24 ab ca. 55.000–65.000 Euro zu finden, neuere Modelle 2024/2025 stehen je nach Ausstattung bei 70.000–85.000 Euro. Der Wertverlust ist moderat — wer einen günstigen Erstserie-Grenadier kauft, sollte aber unbedingt prüfen, ob alle bekannten Software-Updates eingespielt wurden.
Ja, vor allem bei frühen Baujahren: Das DAB+-Radiosystem mit schlechtem Empfang und selbstständigem Senderwechseln, eine unpräzise Heizungsregelung und gelegentliche Windschutzscheibenrisse sind die meistdiskutierten Punkte im Besitzerforum. Das Software-Update von 2024 hat viele Elektronikprobleme behoben. Fahrzeuge ab Ende 2024 gelten als deutlich ausgereifter.
Das ist aktuell der kritischste Punkt beim Grenadier-Kauf. Das Netz ist dünn, und es häufen sich Berichte, dass Werkstätten wegen schleppender Garantieerstattungen durch INEOS die Zusammenarbeit einschränken oder ganz aufgeben. Vor dem Kauf sollte man konkret beim nächsten Servicepartner nachfragen, ob er noch aktiv im INEOS-Netz tätig ist — und wie weit dieser entfernt ist.
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