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Kia EV6 und Hyundai Ioniq 5 vor einem Gebäude mit Warnschild zum Parken im Freien
Rückrufe

Rückruf-Radar USA: 14 Elektroautos sollen draußen parken – wegen weniger Millimeter in der Batterie

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Acht Fahrzeuge bei Kia, sechs bei Hyundai. Das klingt zunächst nicht nach einem Rückruf, sondern nach einer überschaubaren Parkplatzbelegung. Trotzdem geben beide Hersteller nahezu dieselbe drastische Anweisung: nicht in der Garage abstellen, Abstand zu Gebäuden halten und den Akku höchstens bis 80 Prozent laden.

Der Grund sitzt tief im Hochvoltspeicher. Bei einzelnen Batteriezellen des Kia EV6, Kia EV9 und Hyundai Ioniq 5 könnten die Elektroden nicht korrekt ausgerichtet sein. Im ungünstigsten Fall droht ein interner Kurzschluss – und damit ein Brand während der Fahrt oder sogar im abgestellten Fahrzeug.

Das Bemerkenswerte an diesem Fall ist deshalb nicht die Zahl der betroffenen Autos. Es ist die Konsequenz, mit der die US-Rückrufbehörde NHTSA selbst bei einer winzigen und offenbar genau eingrenzbaren Produktionscharge reagiert.

Zwei neue Rückrufe, ein fast identisches Fehlerbild

Die US-Kampagne 26V431000 betrifft bestimmte Kia EV6 der Modelljahre 2022 bis 2024 sowie einzelne EV9 des Modelljahres 2024. Insgesamt umfasst die Aktion lediglich acht Fahrzeuge. Bis zur Reparatur sollen sie draußen und entfernt von Gebäuden geparkt und nur noch bis maximal 80 Prozent geladen werden. Kia will die komplette Hochvoltbatterieeinheit kostenlos ersetzen. Der interne Herstellercode lautet SC375. Nach Angaben des bei der NHTSA eingereichten Part-573-Berichts stammen die betroffenen Batteriezellen vom südkoreanischen Zulieferer SK On. Als Ursache wird eine eng begrenzte Qualitätsabweichung bei der Zellfertigung genannt.

Fast zeitgleich meldete Hyundai die Kampagne 26V432000 für sechs Ioniq 5 der Modelljahre 2023 und 2024. Auch hier lautet die Diagnose: möglicherweise falsch ausgerichtete Elektroden, interner Kurzschluss und Brandgefahr. Auch Hyundai empfiehlt das Parken im Freien, ein Ladelimit von 80 Prozent und den Austausch der vollständigen Hochvoltbatterieeinheit. Der Herstellercode lautet 305. SK On ist auch ein Batteriepartner des Hyundai Ioniq 5. Ob die sechs konkret zurückgerufenen Hyundai-Fahrzeuge aus derselben Zellcharge oder Produktionslinie stammen wie die Kia-Fahrzeuge, geht aus der öffentlich sichtbaren Rückruf-Kurzfassung bislang jedoch nicht eindeutig hervor.

Die Parallelen sind kaum zu übersehen:

Ob exakt derselbe Zelllieferant, dieselbe Produktionslinie oder lediglich ein vergleichbarer Fertigungsfehler dahintersteht, lässt sich aus den bislang veröffentlichten Rückrufangaben allerdings nicht sicher ableiten. Die technische Verwandtschaft der Fahrzeuge ist ein starkes Indiz, aber noch kein Beweis für eine gemeinsame Charge.

Was bei einer Batteriezelle schiefgehen kann

Eine Lithium-Ionen-Zelle besteht vereinfacht aus mehreren sehr dünnen Schichten: positiver Elektrode, negativer Elektrode und einem Separator, der beide elektrisch voneinander trennt. Diese Schichten müssen äußerst präzise übereinanderliegen.

Sind Elektroden verschoben, beschädigt oder an einer Kante nicht sauber voneinander getrennt, kann sich die elektrische Isolation verschlechtern. Entsteht dadurch im Inneren der Zelle ein Kurzschluss, wird Energie nicht mehr kontrolliert an den Antrieb abgegeben, sondern lokal in Wärme umgesetzt.

Das bedeutet nicht automatisch, dass jede betroffene Zelle Feuer fängt. Es bedeutet aber, dass sich ein Hersteller nicht darauf verlassen kann, dass die Zelle über die gesamte Lebensdauer stabil bleibt. Gerade weil ein interner Defekt von außen kaum kontrollierbar ist, fallen die vorläufigen Sicherheitshinweise so streng aus.

Das 80-Prozent-Limit reduziert die im Akku gespeicherte Energiemenge. Das Parken im Freien soll verhindern, dass sich ein möglicher Fahrzeugbrand auf eine Garage oder ein Wohngebäude ausbreitet. Der vollständige Austausch der Batterieeinheit zeigt zugleich, dass Kia und Hyundai den Defekt offenbar nicht mit einem einfachen Software-Update beheben können.

Acht Fahrzeuge sind nicht „zu wenig“ für einen Rückruf

In der öffentlichen Wahrnehmung beginnt ein ernst zu nehmender Rückruf häufig erst bei fünf- oder sechsstelligen Stückzahlen. Technisch betrachtet ist das Unsinn.

Wenn ein Hersteller eine fehlerhafte Produktionscharge anhand von Seriennummern, Lieferdaten und Fahrzeug-Identifizierungsnummern exakt eingrenzen kann, können auch sechs oder acht Fahrzeuge einen formellen Sicherheitsrückruf rechtfertigen. Die kleine Zahl spricht in diesem Fall eher für eine sehr präzise Rückverfolgung als für eine geringe Bedeutung des Defekts.

Entscheidend ist nicht, wie viele Fahrzeuge betroffen sind, sondern welches Schadenspotenzial besteht.

Ein schlecht befestigtes Verkleidungsteil kann bei 100.000 Autos lästig sein. Eine beschädigte Hochvoltzelle kann bei acht Autos eine unverhältnismäßig größere Sicherheitsreaktion notwendig machen.

Das heißt umgekehrt aber auch: Aus diesen Rückrufen lässt sich kein grundsätzliches Batterieproblem des Kia EV6 oder Hyundai Ioniq 5 ableiten. Millionen Fahrzeuge oder ganze Modellgenerationen unter Generalverdacht zu stellen, wäre angesichts der extrem eng begrenzten Stückzahlen unseriös.

Die USA sind Deutschland diesmal einige Tage voraus

Beide Kampagnen gingen Anfang Juli 2026 bei der NHTSA ein. Hyundai plant die schriftliche Benachrichtigung der US-Halter bis Ende August, Kia ab Anfang August. Die betroffenen Kia-Fahrzeuge sollten in der amerikanischen VIN-Suche seit dem 17. Juli identifizierbar sein, bei Hyundai war dies bereits Anfang Juli vorgesehen.

Die öffentlich zugängliche Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamtes nennt derzeit den 7. Juli 2026 als letzten Aktualisierungsstand. Eine belastbare Zuordnung der beiden neuen US-Kampagnen zu einem deutschen oder europäischen Rückruf liegt uns bislang nicht vor. Das ist jedoch weder ein Beweis dafür, dass europäische Fahrzeuge betroffen sind, noch eine Entwarnung. Die US-Meldungen und der letzte deutsche Datenstand liegen zeitlich sehr nah beieinander.

Möglich sind mehrere Szenarien:

Die betroffenen Batterien wurden ausschließlich in US-Fahrzeuge eingebaut. Dann bleibt der Fall auf Nordamerika beschränkt.

Die fehlerhafte Charge wurde auch in anderen Märkten verwendet. Dann könnte später ein deutscher oder europäischer Rückruf folgen.

Oder die Hersteller haben die wenigen betroffenen europäischen Fahrzeuge bereits intern identifiziert, ohne dass eine öffentliche Rückrufmeldung zum jetzigen Zeitpunkt auffindbar ist.

Genau deshalb ist die amerikanische Datenbank als Frühwarnsystem interessant. Sie liefert technische Details, Zwischenmaßnahmen und Herstellercodes häufig zu einem Zeitpunkt, an dem die internationale Einordnung noch nicht abgeschlossen ist.

Dass US-Behörden technische Details zu sicherheitsrelevanten Problemen häufig früher veröffentlichen, zeigte bereits unser erster Rückruf-Radar zum VW ID.4: In diesem Fall lagen die detaillierten NHTSA-Unterlagen rund sieben Wochen vor dem großen deutschen Rückruf öffentlich vor. Auch bei Kia EV6 und Hyundai Ioniq 5 ist deshalb entscheidend, ob in den kommenden Wochen ein deutsches oder europäisches Pendant folgt.

Ob für das eigene Fahrzeug bereits eine Rückrufaktion in Deutschland hinterlegt ist, kannst du in unserem Kfz-Rückruf-Checker prüfen. Ausschlaggebend bleiben jedoch immer die Fahrgestellnummer sowie die Auskunft des Herstellers oder einer Vertragswerkstatt.

VW und Nissan zeigen, wie unterschiedlich die Warnstufen ausfallen

Der aktuelle Kia-Hyundai-Fall steht nicht allein. Innerhalb weniger Monate wurden in den USA weitere Batterieaktionen mit Parkhinweisen veröffentlicht.

Bei der Kampagne 26V028000 ruft Volkswagen 670 ID.4 der Modelljahre 2023 und 2024 zurück. Auch dort können Batteriemodule falsch ausgerichtete Elektroden enthalten. Betroffene Besitzer sollen nach dem Laden draußen parken, nicht über Nacht in geschlossenen Räumen laden, auf DC-Schnellladen verzichten und den maximalen Ladezustand auf 80 Prozent begrenzen. VW tauscht betroffene Batteriemodule aus; der US-Herstellercode lautet 93EW.

In Deutschland läuft gleichzeitig ein deutlich größerer Rückruf für verschiedene VW-ID-Modelle und den Cupra Born. Dabei geht es um nicht spezifikationsgerechte Batteriemodule, mögliche Überhitzung und in seltenen Fällen Brandgefahr. Die deutsche VW-Aktion trägt jedoch den Herstellercode 93MI und die KBA-Referenz 16271R. Ob sie technisch oder chargenseitig mit der US-Kampagne 93EW übereinstimmt, lässt sich allein aus den ähnlichen Fehlerbeschreibungen nicht seriös behaupten.

Noch strenger ist die Anweisung beim Nissan Leaf. Die Kampagne 26V188000 betrifft 51 Fahrzeuge des Modelljahres 2026. Die Hochvoltbatterie kann interne Schäden aufweisen, die einen Kurzschluss verursachen. Nissan fordert die Halter deshalb nicht nur zum Parken im Freien auf: Die Fahrzeuge sollen bis zur Reparatur überhaupt nicht mehr geladen werden. Je nach Befund werden Batteriemodule oder die komplette Batterie ersetzt.

Vier Kampagnen, vier unterschiedlich große Gruppen – aber immer derselbe Grundgedanke: Sobald ein interner Zellfehler nicht ausgeschlossen werden kann, wird aus einer kleinen Fertigungsabweichung eine große Sicherheitsfrage.

Müssen sich deutsche EV6- und Ioniq-5-Fahrer Sorgen machen?

Panik ist nicht angebracht. Die neuen US-Aktionen betreffen eine extrem kleine Zahl konkret identifizierter Fahrzeuge. Es gibt derzeit keinen belastbaren Hinweis darauf, dass alle oder auch nur größere Gruppen europäischer EV6 und Ioniq 5 denselben Zellfehler besitzen.

Deutsche Besitzer sollten ihre Fahrzeuge deshalb nicht vorsorglich stilllegen oder auf Basis der US-Meldung eigenmächtig sämtliche Ladegewohnheiten verändern.

Sinnvoll ist dagegen:

Wichtig ist außerdem die Abgrenzung zu früheren Rückrufen. Kia EV6 und Hyundai Ioniq 5 waren bereits von anderen Aktionen betroffen, etwa rund um die Ladesteuerungseinheit ICCU oder die Parksperre. Der aktuelle US-Rückruf beschreibt jedoch ausdrücklich einen möglichen Fertigungsfehler innerhalb der Hochvoltbatteriezellen – und damit ein anderes technisches Problem.

Kleine Zahl, große Aussage

Auf den ersten Blick sind 14 Fahrzeuge keine Nachricht. Auf den zweiten Blick erzählen sie ziemlich viel über moderne Autoproduktion.

Batterien werden nicht erst dann auffällig, wenn Tausende Autos ausfallen. Hersteller können einzelne Zellen, Module, Fertigungstage und Fahrzeugnummern zurückverfolgen. Im Idealfall entsteht daraus ein Rückruf, bevor aus einer statistischen Möglichkeit eine Unfallserie wird.

Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung der neuen US-Kampagnen: Sie belegen noch kein großes Serienproblem. Sie zeigen aber, wie ernst selbst eine winzige Abweichung genommen werden muss, wenn sie im Inneren eines Hochvoltspeichers sitzt.

Das Rückruf-Radar bleibt deshalb an den Fällen dran. Entscheidend wird sein, ob Kia und Hyundai die Aktionen ausdrücklich auf Nordamerika begrenzen – oder ob in den kommenden Wochen ein deutsches beziehungsweise europäisches Pendant folgt.

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Editorial

Verantwortlich: Robert Maximiuk
Automobile News liefert den ungeschminkten Blick unter die Haube. Statt nur Hochglanz-Prospekte zu zitieren, analysieren wir die Realität: Wir graben tief in TÜV-Reports, Pannenstatistiken und tausenden Nutzererfahrungen aus Fachforen. So finden wir die Schwachstellen, die im Verkaufsprospekt nicht stehen. Ehrlich, kritisch und mit der nötigen Portion Humor – erstellt mit modernster KI-Datenanalyse und persönlich kuratiert von einem echten Auto-Enthusiasten.

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