Stell dir vor, du bist ein kleiner Hersteller aus Ängelholm, Schweden. Du hast keine Milliarden im Rücken wie VW oder ein riesiges Testgelände wie Ehra-Lessien. Du hast nur eine Vision, extrem clevere Ingenieure und einen sehr mutigen Testfahrer. Was machst du, um das schnellste Auto der Welt zu werden?
Richtig: Du lässt einen Highway in Nevada sperren und brennst einen Rekord in den Asphalt, der die Autowelt erschüttert.
Im November 2017 tat Christian von Koenigsegg genau das mit dem Agera RS. Das Ergebnis: Ein offizieller, im Guinness-Buch verewigter Durchschnitt von 447,19 km/h (277,87 mph). Damit war der Bugatti Veyron Super Sport offiziell entthront.
Der Vibe-Check: Das pure, mechanische Biest
Wenn ein Bugatti ein luxuriöser Privatjet für die Straße ist, dann ist der Agera RS ein Kampfjet, bei dem man die Dämmung vergessen hat. Er ist laut, roh, vibriert und vermittelt ein Fahrerlebnis, das direkter nicht sein könnte.
Das gefällt uns
Die Effizienz der Macht: Er erreichte seinen Rekord mit „nur“ 1.360 PS und Hinterradantrieb. Der Trick? Er wiegt fast 600 kg weniger als ein Bugatti Chiron. Leichtbau in Perfektion.
Das Targa-Dach: Welches andere Auto, das fast 450 km/h fährt, hat ein abnehmbares Dach, das man im vorderen Kofferraum verstauen kann?
Die Ingenieurs-Details: Von den hohlen Carbon-Felgen bis zur patentierten „Triplex“-Federung – Christian von Koenigsegg erfindet Dinge neu, einfach weil er es besser kann als der Rest der Industrie.
Das nervt uns
Der Lärm: Es gibt wenig Schalldämmung. Der V8 brüllt dir direkt ins Genick. Auf Dauer anstrengend (aber geil).
Die Seltenheit: Es wurden nur 25 Exemplare gebaut. Einen zu sehen ist unwahrscheinlicher als ein Blitzschlag. Einen zu kaufen ist fast unmöglich.
Die Traktion: 1.360 PS nur auf der Hinterachse. Man braucht einen sehr sensiblen Gasfuß und gute Reifen, um nicht sofort im Graben zu landen.
Der Rekord-Tag in Nevada
Am 4. November 2017 wurde ein 11 Meilen langes Stück der Route 160 zwischen Las Vegas und Pahrump von der Polizei gesperrt. Das Auto war ein Kundenfahrzeug (!), ausgestattet mit dem optionalen „1 Megawatt“-Motorpaket und einem Überrollkäfig.
Werksfahrer Niklas Lilja fuhr zwei Läufe (hin und zurück, um Wind und Gefälle auszugleichen). Lauf 1 (mit Rückenwind): 457,94 km/h (284,55 mph). Lauf 2 (gegen den Wind): 436,44 km/h (271,19 mph). Der offizielle Durchschnitt: 447,19 km/h.
Das Sensationelle: Der Wagen fuhr auf handelsüblichen Michelin Pilot Sport Cup 2 Reifen, die jeder für seinen Porsche kaufen kann. Michelin-Techniker waren vor Ort, um sicherzustellen, dass die Reifen die Belastung aushalten.
Die Technik: V8 statt W16
Koenigsegg beweist, dass man keine 16 Zylinder braucht, um schnell zu sein. Das Herzstück ist ein selbst entwickelter 5,0-Liter-V8-Biturbo. Er ist kompakt, leicht und extrem drehfreudig.
In der Standardversion leistet er 1.160 PS. Doch mit dem „1MW“-Upgrade (benannt nach 1 Megawatt Leistung) und bei Betankung mit E85-Bioethanol steigt die Leistung auf 1.360 PS und das Drehmoment auf brachiale 1.370 Nm. Und das bei einem Leergewicht von nur rund 1.395 kg (betriebsbereit).
Technische Daten: Koenigsegg Agera RS (mit 1MW Paket)
| Motor | 5,0-Liter V8 Biturbo |
| Leistung (E85) | 1.000 kW / 1.360 PS |
| Drehmoment | 1.370 Nm |
| 0-100 km/h | 2,8 Sekunden |
| 0-300 km/h | 12,3 Sekunden |
| 0-400-0 km/h | 33,29 Sekunden (ehemaliger Weltrekord) |
| Höchstgeschwindigkeit | 447,19 km/h (offizieller 2-Way-Average) |
| Vmax (Peak) | 457,94 km/h (in eine Richtung) |
| Antrieb | Hinterradantrieb |
| Gewicht (curb) | ca. 1.395 kg |
| Stückzahl | 25 (alle verkauft) |
| Preis (damals) | ab ca. 2,5 Millionen Euro |
Unser Fazit
Der Koenigsegg Agera RS ist der ultimative „Giant Killer“. Er hat bewiesen, dass intelligenter Leichtbau, extreme Aerodynamik und ein hocheffizienter V8 ausreichen, um die Giganten der Branche zu schlagen.
Der Rekord auf einer öffentlichen Straße in Nevada bleibt einer der coolsten Momente der jüngeren Automobilgeschichte. Er markierte den Moment, in dem Koenigsegg endgültig vom exotischen Nischenhersteller zur absoluten Benchmark für Hypercars aufstieg. Der Nachfolger, der Jesko, ist zwar theoretisch schneller, aber der Agera RS hat die Lorbeeren bereits sicher im Schrank.
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