Lange Zeit galt: Wer Elektro will, kauft Tesla. Wer Luxus will, kauft Mercedes. Und dann kam Peter Rawlinson (der ehemalige Chefingenieur des Tesla Model S), gründete Lucid Motors und sagte: „Warum nicht beides?“
Der Lucid Air Touring ist das mittlere Kind der Familie – nicht so wahnsinnig teuer wie der „Sapphire“, aber mit genug Leistung, um jeden Porsche an der Ampel stehen zu lassen. Er sieht aus wie ein Raumschiff aus einem 80er-Jahre Sci-Fi-Film, das in der Zukunft gelandet ist. Aber kann ein Startup aus Kalifornien wirklich gegen S-Klasse und 7er anstinken?

Der „Vibe-Check“ (Das sagt die Community)
In den USA ist der Lucid schon ein seltener, aber gefeierter Anblick. Die Besitzer lieben ihn abgöttisch für die Hardware, verzweifeln aber regelmäßig an der Software.
Das gefällt uns
Der „Fliegende Teppich“: Das Fahrwerk ist eine Wucht. Trotz fehlender Luftfederung (im Touring oft Stahlfedern, aber perfekt abgestimmt) bügelt er Straßen glatt. Ein Nutzer schreibt: „Dagegen wirkt mein altes Model S wie eine Postkutsche.“
Platzwunder: Dank der winzigen Motoren („Leistungsdichte“ ist hier das Zauberwort) hast du innen Platz wie in einer S-Klasse Langversion, obwohl das Auto außen kleiner wirkt. Und der „Frunk“ (Kofferraum vorne) ist riesig – da passt mehr rein als in manchen Kleinwagen-Kofferraum.
Reichweiten-König: Lucid schummelt nicht. Wenn da 600 km stehen, kommst du auch verdammt weit. Die Effizienz (kWh pro 100 km) ist aktuell das Maß aller Dinge.
Das nervt uns
Software-Gremlins: Hier merkt man das Startup. Bildschirme frieren ein, Spotify lädt nicht, oder das Auto „vergisst“ dein Handy. Ein Reboot (Reset) gehört für viele Besitzer zur wöchentlichen Routine wie das Tanken früher.
Der „Key-Fob“-Tanz: Man nähert sich dem Auto… und wartet. Und wartet. Manchmal dauert es 10 Sekunden, bis die Türgriffe ausfahren. Peinlich, wenn man gerade angeben will.
Service-Wüste: Wenn was kaputt ist, gibt es nicht an jeder Ecke eine Werkstatt. Lucid schickt oft „Rangers“ (mobile Mechaniker), aber bei größeren Problemen wird das Auto auf einen Laster geladen und ist erstmal weg.

Antrieb & Fakten: Zahlen, die schwindelig machen
Der „Touring“ ist die vernünftige Wahl (wenn man bei 628 PS von Vernunft sprechen kann). Er verzichtet auf die irre Reichweite des „Grand Touring“, ist dafür aber günstiger und bietet im Fond mehr Fußraum (weil weniger Batteriemodule im Boden sind – die sogenannten „Foot Garages“).
| Modell | Lucid Air Touring | Tesla Model S | EQE 500 4MATIC |
|---|---|---|---|
| Leistung | 462 kW (628 PS) | 493 kW (670 PS) | 330 kW (449 PS) |
| 0-100 km/h | 3,6 Sek. | 3,2 Sek. | 4,4 Sek. |
| Reichweite (WLTP) | ca. 715 – 780 km | ca. 744 km | ca. 622 km |
| Laden (DC) | max. 250 kW (800V) | max. 250 kW | max. 170 kW |
| Preis (Start) | ab 99.900 € | ab 109.990 € | ab 84.763,70 € |
Innenraum: Willkommen in der „Glas-Kuppel“

Das Highlight ist die optionale „Glass Canopy“-Windschutzscheibe. Sie zieht sich ohne Unterbrechung bis weit über die Köpfe der Vornsitzenden. Der Effekt ist gigantisch – man fühlt sich wie in einem Helikopter. Aber: Nimm unbedingt eine gute Sonnenbrille mit, denn trotz Tönung kann die Sonne im Sommer nerven (und die Sonnenblenden kleben mitten auf der Scheibe, was gewöhnungsbedürftig aussieht).
Die „Kinderkrankheiten“ (Real Talk)
Bevor du den Bestell-Button drückst, musst du wissen, worauf du dich einlässt. Ein Lucid ist kein Toyota Camry.
- Vampir-Verlust: Besitzer berichten, dass der Wagen im Stand gerne mal 1-2% Akku pro Tag verliert, weil er ständig „nach Hause telefoniert“ oder Systeme wachhält.
- Die Plastik-Details: Während Leder und Holz traumhaft sind, wirken manche Hebel (Blinker!) oder die Tasten am Lenkrad etwas fragil. Da fühlt sich ein Audi solider an.
- Software-Updates: Sie kommen, sie bringen neue Funktionen, aber manchmal bringen sie auch neue Bugs. Das ist „Bananen-Software“ (reift beim Kunden) in Reinkultur.
Service & Support: Der Mechaniker klingelt zweimal
Wer sich für den Lucid Air entscheidet, ist in Deutschland noch ein echter Pionier. Das bedeutet: Exklusivität an der Ampel, aber eben auch keine Werkstatt an jeder zweiten Straßenecke. Lucid löst dieses Henne-Ei-Problem aber ziemlich elegant – und zwar anders als die alteingesessene Konkurrenz.
Statt euch für jeden kleinen Fehlercode in die Werkstatt zu zitieren, setzt Lucid voll auf die Lucid Care „Rangers“. Das ist eine Flotte von mobilen Technikern, die mit ihren Transportern direkt zu euch nach Hause oder ins Büro kommen. Software-Updates, kleine Reparaturen oder der klassische 12-Volt-Batterie-Tausch werden also bequem in eurer Einfahrt erledigt, während ihr entspannt weiterarbeiten könnt.
Muss der Air doch mal auf die Hebebühne (z.B. für Arbeiten am Antriebsstrang oder nach einem Unfall), greift das Netz der Service Center. Die sind aktuell noch strategisch auf Ballungszentren wie München, Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg konzentriert. Wer also tief im ländlichen Raum wohnt, genießt zwar den besten Hausbesuch-Service der Branche, muss für „große OPs“ aber eventuell etwas Anreise einplanen.
Unser Fazit
Der Lucid Air Touring ist ein Ingenieurs-Meisterwerk. Antrieb, Effizienz und Fahrwerk sind absolute Weltklasse und lassen selbst Tesla alt aussehen.
Aber er ist auch das Produkt eines Startups. Die Software hakt, die Bedienung erfordert Geduld und das Service-Netz ist dünn. Wer ein Perfektes Auto will, kauft Porsche Taycan oder Mercedes EQS. Wer aber das Beste Elektroauto (rein technisch) will und bereit ist, als „Early Adopter“ ein paar Macken zu ertragen, wird mit dem Lucid verdammt glücklich. Er ist der Exot, der funktioniert.











































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