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Detailreiche Frontansicht eines leuchtend gelbgrünen Mercedes-AMG, fokussiert auf den markant beleuchteten Kühlergrill und die sternförmigen LED-Scheinwerfer auf einer dunklen Fahrbahn.
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Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé elektrisch: Der Frosch mit 1.169 PS und V8-Karaoke

Robert Maximiuk 21. Mai 2026 💬 1 Kommentar

Es gibt Autos, die fahren in die Zukunft. Und es gibt Autos, die nehmen die Zukunft, kleben ihr einen leuchtenden Stern auf die Stirn, spielen künstlich V8-Grollen über Lautsprecher ab und hoffen, dass niemand merkt, wie absurd das Ganze eigentlich ist.

Schrägansicht von vorne auf das leuchtend gelbgrüne Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé, das in einem abgedunkelten Tunnel vor einer großen digitalen Werbetafel parkt.
Ein Design für den chinesischen Markt? © Mercedes-Benz Group

Willkommen in der schönsten Midlife-Crisis der Automobilgeschichte: Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé! Ein Elektro-GT mit bis zu 860 kW, also 1.169 PS, drei Axial-Fluss-Motoren, 800-Volt-Technik, 600-kW-Ladeleistung und einem Auftritt, als hätte ein Frosch im Fitnessstudio zu lange in den AMG-Katalog gestarrt. Technisch ist das Ding ein Paukenschlag. Optisch eher: quak.

Und genau das macht ihn so spannend.

Erst die guten Nachrichten: Dieses Auto ist kein lauwarmer EQ mit Spoiler

Mercedes-AMG meint es diesmal ernst. Nicht „wir nehmen eine elektrische Limousine und lackieren die Bremssättel rot“-ernst. Sondern wirklich ernst. Drei Axial-Fluss-Motoren, davon zwei hinten und einer vorne, bis zu 860 kW Spitzenleistung im GT 63, 0 auf 100 km/h in 2,1 Sekunden mit Rollout, 0 auf 200 km/h in 6,4 Sekunden und 300 km/h Spitze mit Driver’s Package – das ist kein Nachhaltigkeitsseminar auf Rädern, das ist elektrische Gewaltverwaltung mit Ledersitzen.

Heckansicht eines leuchtend gelbgrünen Mercedes AMG GT 4 Türer Coupe, der mit runden Rückleuchten im Stern-Design und einem massiven schwarzen Diffusor mittig auf einer dunklen Straße steht.
Ist das die Schokoladenseite des GT? oder Sternchen Overkill © Mercedes-Benz Group

Auch beim Laden spielt AMG Supercar-Bingo: Bis zu 600 kW DC, 10 auf 80 Prozent in 11 Minuten, über 460 Kilometer WLTP-Reichweite in zehn Minuten nachladen – allerdings nur, wenn die Säule, die Batterie, die Temperatur und vermutlich auch der Mondstand mitspielen. Mercedes weist selbst darauf hin, dass die Angaben vorläufig sind und noch keine offiziell bestätigten Typgenehmigungswerte vorliegen.

Das muss man fairerweise sagen: Die technische Substanz ist beeindruckend. Direkt gekühlte Rundzellen, 106 kWh netto, auf Dauerleistung getrimmte Batterie, aktive Aerodynamik, Hinterachslenkung, semi-aktive Wankstabilisierung – AMG hat hier keinen Showroom-Blender gebaut, sondern ein rollendes Thermomanagement-Labor mit Sitzheizung.

2,46 Tonnen „Sportwagen“

Der AMG GT 4-Türer wiegt 2.460 Kilogramm – nach DIN. Zum Vergleich: Ein Porsche Taycan Turbo S liegt je nach Version grob zwischen 2,30 und 2,32 Tonnen nach DIN und gilt schon dort nicht gerade als automobil gewordener Federball. Der neue AMG legt also noch einmal spürbar drauf. Mercedes schreibt in der Pressemitteilung trotzdem von „sportwagentypisch tiefer Sitzposition“ und „radikalen Proportionen für extreme Sportlichkeit“. Sicher. Mit 2,46 Tonnen. Der Begriff „Sportwagen“ leistet hier Überstunden.

Gelber Mercedes AMG GT 4 aus der Vogelperspektive auf dunkler Straße mit weißen Fahrbahnmarkierungen
Keine Liebe auf den ersten Blick, vielleicht beim zweiten? © Mercedes-Benz Group

Natürlich kompensiert die Technik einen Teil dieser Masse: Torque Vectoring, aktive Aerodynamik, drei unabhängig arbeitende E-Motoren, Hinterachslenkung und ein Fahrwerk, das vermutlich mehr rechnet als mancher Mittelklasse-Laptop. Auf der Rennstrecke wird dieses Ding trotzdem schnell sein. Sehr schnell sogar. Aber Physik bleibt Physik. In der Kurve verschwindet Gewicht nicht einfach, nur weil AMG es mit drei Drehreglern und einem dramatischen Fahrprogramm-Namen bewirft.

Und dann kommt der Sound. Oder besser: die V8-Geisterbahn

Der eigentliche Kulturkampf beginnt aber nicht bei der Batterie. Er beginnt beim Geräusch.

AMG nennt es AMGFORCE S+. Klingt nach Proteinpulver für Vorstände. Dahinter steckt ein künstliches V8-Erlebnis mit simulierten Schaltvorgängen, Soundkulisse, Display-Drehzahlmesser und sogar Vibrationen im Sitz. Road & Track beschreibt das System als speziell abgestimmten synthetischen V8-Sound samt simulierten Gangwechseln; Mercedes arbeite dafür mit einem Echtzeit-Mixsystem aus mehr als 1.600 Sounddateien.

Das ist technisch faszinierend. Emotional ist es heikel.

Denn ein V8 ist nicht nur Klang. Ein V8 ist Geruch, Hitze, mechanische Reibung, schlechter Momentanverbrauch, Öltemperatur, leichte soziale Unverträglichkeit und dieses primitive Gefühl, dass vorne unter der Haube gerade ein kleines Industriewerk Schichtbeginn hat. Wenn ein Elektroauto das imitiert, ist das nicht automatisch lächerlich. Hyundai hat mit dem Ioniq 5 N gezeigt, dass künstliche Gänge und Sound tatsächlich Spaß machen können. Aber bei AMG wirkt es noch eine Spur verzweifelter: als würde die Zukunft im Maßanzug erscheinen, aber heimlich Opas Lederjacke tragen.

Schräger Blick vom Fahrersitz in das dunkle Cockpit eines Mercedes-AMG mit durchgehendem Display-Band, Carbon-Lenkrad, schwebender Mittelkonsole und markanten gelbgrünen Kontrastnähten.
Anschnallen, Lenkrad festhalten und den digitalen Warp-Antrieb hochfahren: In dieser Kommandozentrale bist du nur noch einen Wimpernschlag von Affalterbach entfernt. © Mercedes-Benz Group

Das Design: AMG entdeckt den Frosch als Leittier

Und dann wäre da noch das Gesicht.

Mercedes spricht von radikalen Proportionen, athletischer Spannung und unverwechselbarer Lichtsignatur. Man kann es auch einfacher sagen: Der neue elektrische GT 4-Türer schaut, als hätte ein AMG GT einen EQS verschluckt und dabei kurz Panik bekommen.

Die Front ist niedrig, breit, leuchtend und maximal inszeniert. Der Grill ist kein Grill mehr, sondern ein beleuchtetes Erinnerungsstück an eine Zeit, in der vorne tatsächlich Luft für einen Motor gebraucht wurde. Die Scheinwerfer ziehen das Gesicht in eine Form, die irgendwo zwischen Raubtier, Amphibie und Premium-Nachtclub pendelt. Je nach Blickwinkel wirkt der Wagen brutal futuristisch – oder wie ein sehr schneller Frosch, der gerade erfahren hat, was Leasing kostet.

Das Heck mit sechs runden Rückleuchten im Turbinen-Design versucht dann, wieder Sportwagen-Ernst herzustellen. Doch auch hier bleibt Mercedes seiner neuen Lichtshow-Philosophie treu: Wenn es nicht leuchtet, war es offenbar nicht teuer genug.

Das Tragische: Unter der Show steckt vermutlich ein richtig gutes Auto

Und genau hier wird es kompliziert. Denn leicht wäre es, diesen AMG als übermotorisierten E-Frosch mit Fake-Sound wegzulächeln. Nur wäre das zu billig.

Die Eckdaten sind brutal. Die Ladeleistung ist ein Angriff auf alles, was heute noch „Schnellladen“ heißt. Die Dauerleistung könnte eines der großen Themen dieses Autos werden, weil viele Performance-EVs zwar einmal geradeaus explodieren, danach aber thermisch nach Luft schnappen. AMG scheint genau diese Schwäche ernsthaft adressieren zu wollen. MotorTrend schreibt ebenfalls von drei Axial-Fluss-Motoren, 106-kWh-Nettobatterie, 800-Volt-Architektur und bis zu mehr als 600 kW Ladeleistung.

Das Problem ist nicht die Technik. Das Problem ist die Inszenierung.

Dynamische Schrägansicht von vorne auf ein leuchtend gelbgrünes Mercedes-AMG Concept Car in einem abgedunkelten Tunnel, das besonders durch seinen beleuchteten Kühlergrill auffällt.
Da machst du ganz freiwillig Platz: Wenn dieses neongrüne Elektro-Biest mit leuchtendem Haifischmaul im Rückspiegel auftaucht, hat die linke Spur ab sofort einen neuen Endgegner. © Mercedes-Benz Group

AMG baut hier ein Elektroauto, das eigentlich selbstbewusst genug sein müsste, elektrisch zu klingen, elektrisch zu fahren und elektrisch zu wirken. Stattdessen bekommt es einen digitalen V8-Bauchredner, künstliche Schaltpausen und eine Karosserie, die gleichzeitig Zukunft, Tradition, Aerodynamik und Instagram-Reel sein will.

Fazit: Genialer Antrieb, großes Theater, etwas zu viel Nebelmaschine

FAZIT
© Mercedes-Benz Group
© Mercedes-Benz Group
Der neue Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé elektrisch ist wahrscheinlich eines der spannendsten deutschen Performance-Autos der nächsten Jahre. Vielleicht sogar das wichtigste AMG-Modell seit langer Zeit. Nicht, weil es nostalgisch ist. Sondern weil es zeigt, dass elektrische Performance mehr sein kann als ein kurzer Sprint bis zur nächsten thermischen Denkpause.
Aber AMG steht sich selbst im Weg, wenn aus technischer Brillanz eine Sound- und Lichtoper wird. Dieses Auto braucht keinen digitalen V8, um ernst genommen zu werden. Es hat 1.169 PS. Es lädt mit bis zu 600 kW. Es fährt 0 auf 200 km/h schneller, als manche Kompaktwagen 100 erreichen. Es müsste nicht röhren wie früher. Es müsste nur selbstbewusst summen wie morgen.
Stattdessen bekommen wir einen elektrischen Super-GT mit Froschgesicht, V8-Karaoke und der technischen Komplexität eines kleinen Kraftwerks.
Kurz gesagt: Der neue AMG GT 4-Türer ist vermutlich brillant. Aber er wirkt, als hätte Mercedes Angst, dass Brillanz allein nicht reicht. Und nein: Im Frunk liegt keine Kermit-Puppe mit Mercedes-Stern-Mütze. Nur die leise Panik, dass ein AMG ohne echten V8 nicht mehr genug Theater macht.

Du magst es lieber Oldschool? Dann schau dir unseren Mercedes-Benz SLS AMG Artikel an.

Editorial

Verantwortlich: Robert Maximiuk
Automobile News liefert den ungeschminkten Blick unter die Haube. Statt nur Hochglanz-Prospekte zu zitieren, analysieren wir die Realität: Wir graben tief in TÜV-Reports, Pannenstatistiken und tausenden Nutzererfahrungen aus Fachforen. So finden wir die Schwachstellen, die im Verkaufsprospekt nicht stehen. Ehrlich, kritisch und mit der nötigen Portion Humor – erstellt mit modernster KI-Datenanalyse und persönlich kuratiert von einem echten Auto-Enthusiasten.

Ein Kommentar

  1. Avatar-Foto
    Friedrich

    was eine Enttäuschung.

    Antworten

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