96 + 1 im Kühlergrill. Einer auf der Haube. Je vier auf den Pirelli-Rädern und Frontscheinwerfern. Sechs in den Rückleuchten, einer auf der Heckklappe. Wer alle 113 findet, hat entweder zu viel Zeit, wie ich – oder steht im Stau neben dem neuen GLS. Stuttgart hat 2026 entschieden: Subtilität ist für andere Marken.

Dabei ist die Sternenzählerei fast schon Ablenkung vom Wesentlichen. Denn das zweite Facelift des GLS bringt mehr mit als frische Optik: neues Betriebssystem, neuer V8, ein Fahrwerk, das Speed Bumps aus der Cloud kennt – und ein Cockpit, das langsam vergisst, dass es ein Auto ist.
Vorne: mehr Chrom, mehr Stern, mehr Auftritt
Der Kühlergrill ist gewachsen. Ein umlaufender Chromrahmen fasst das Mercedes-Pattern-Gitter ein, drei horizontale Chromlamellen strukturieren die Fläche. In der Mitte: der große Zentralstern. Die neuen Digital-Light-Scheinwerfer mit Mikro-LED-Technologie erzeugen ein rund 40 Prozent größeres Beleuchtungsfeld bei bis zu 50 Prozent weniger Energieverbrauch – und tragen natürlich das Sternmotiv als Tagfahrlicht.
Der Stern auf der Motorhaube steht jetzt aufrecht – so wie seit Jahrzehnten bei der S-Klasse. In China leuchtet er im Stand, in den USA sogar während der Fahrt. Wer das für Dekoration hält, unterschätzt, wie stark Symbole in diesem Segment verkaufen.
Am Heck verbindet ein Zierelement mit integriertem Stern die Rückleuchten zu einem durchgehenden Band – und betont dabei die beeindruckende Fahrzeugbreite. Sechs weitere Sterne, drei links, drei rechts, in den Rückleuchten. Ihr habt sie oben schon eingerechnet.
Neu im Lackprogramm: Dark Petrol uni und MANUFAKTUR Patagonienrot metallic. Dazu neue 21- und 22-Zoll-Räder – darunter ein aerodynamisch optimiertes Kreuzspeichen-Design und ein neues AMG-Vielspeichen-Rad in zwei Farbvarianten.

Innen: drei Bildschirme, eine Glasfläche
Der MBUX Superscreen zieht sich serienmäßig quer durch das gesamte Cockpit – drei 12,3-Zoll-Displays unter einer einzigen Glasfläche. Fahrer-Display, Zentraldisplay, Beifahrer-Display: alles ab Werk. In Europa und vielen weiteren Märkten darf der Beifahrer während der Fahrt Disney+, YouTube und weitere Streamingdienste schauen. Eine Kamera überwacht dabei, dass der Fahrer nicht mitguckt – und dunkelt das Display automatisch ab, wenn er es doch tut.

Das Lenkrad bekommt Wippe und Walze zurück, die Walze diesmal aus galvanisiertem Metall. Haptik als Markenbotschaft.
Im Fond: zwei 11,6-Zoll-Full-HD-Displays, herausnehmbare MBUX-Fernbedienungen, integrierte Kameras für Videokonferenzen. Microsoft Teams läuft direkt im Fahrzeug – Kamera, Mikro, alles dabei. Zwischen zwei Meetings, auf dem Rücksitz, mit 537 PS vorne dran. Es gibt schlechtere Büros.
MB.OS: Das Gehirn des neuen GLS
Das Herzstück ist unsichtbar. MB.OS, das neue Mercedes-Betriebssystem, läuft auf einem wassergekühlten Hochleistungsprozessor mit umfangreichen Reserven für künftige Updates. Zehn Außenkameras, bis zu fünf Radar- und zwölf Ultraschallsensoren liefern das Umfeldbild. Over-the-Air-Updates halten das System über Jahre aktuell.
MB.DRIVE ASSIST PRO – das Toppaket mit Punkt-zu-Punkt-Navigation auch im dichten Stadtverkehr – startet bei Markteinführung in China, die USA folgen kurz danach. Europa wartet auf die regulatorische Freigabe.
Besonders clever: die cloudbasierte Dämpferregelung. Fährt ein anderes Mercedes-Fahrzeug über eine Bodenschwelle, sendet es die Position anonym in die Cloud. Der folgende GLS weiß Bescheid – und passt die Dämpfung an, bevor er drüberfährt. Car-to-X als Komfortfunktion. Wer glaubt, das sei übertrieben, hat noch nie einen südeuropäischen Speed Bump aus dem Fond erlebt.
Die Motoren: mehr Leistung, weniger Vibration
Beim V8 hat Mercedes substanziell nachgearbeitet. Der GLS 580 4MATIC leistet jetzt 395 kW (537 PS) – ein Plus von 15 kW. Das Drehmoment steigt auf 750 Nm zwischen 2.500 und 4.500 Umdrehungen. Die Kurbelwelle wechselt von Cross- auf Flatplane-Bauweise, Einspritzsystem und Abgasnachbehandlung wurden komplett überarbeitet. Zwei Lanchester-Ausgleichswellen sorgen für außergewöhnliche Laufruhe.
| Modell | Leistung | Verbrauch (WLTP) | CO₂ |
|---|---|---|---|
| GLS 580 4MATIC (V8) | 395 kW / 537 PS | 13,7–13,1 l/100 km | 310–297 g/km |
| GLS 450 4MATIC (R6) | – | 10,9–9,9 l/100 km | 248–225 g/km |
| GLS 450d 4MATIC (Diesel) | – | 8,5–7,8 l/100 km | 223–205 g/km |
| GLS 350d 4MATIC (Diesel) | – | 8,5–7,8 l/100 km | 223–205 g/km |
Der GLS 450 4MATIC bekommt mehr Drehmoment – neu 560 Nm, ein Plus von 12 Prozent gegenüber dem Vorgänger. Neuer elektrischer Zusatzverdichter, optimierter Zylinderkopf.
Die Diesel GLS 350d und GLS 450d erhalten erstmals einen elektrischen Heizkatalysator und einen Aluminium-Motorblock für weniger Gewicht auf der Vorderachse. Alle Motoren laufen mit 48-Volt-Integriertem-Starter-Generator.

Sieben Sitze – erste Klasse bis ganz hinten
5,21 Meter Länge, 3,14 Meter Radstand – 60 Millimeter mehr als beim GLE. Alle drei Sitzreihen voll elektrisch verstellbar, Personen bis 1,94 Meter in Reihe drei. Easy-Entry elektrisch, Panoramadach serienmäßig mit über einem Quadratmeter Glasfläche. Dritte Reihe umklappbar auf bis zu 2.400 Liter Laderaum.
Das Fondkomfort-Paket Plus bringt Multikontursitze mit Massagefunktion und Vibrationsmotoren im Kissen, herausnehmbare MBUX-Fernbedienungen, elektrische Sonnenrollos und Fünf-Zonen-Klimaautomatik. Wer hier spart, kauft den falschen GLS.
Fazit

Wer einen Range Rover als zu britisch und einen Escalade als zu amerikanisch empfindet, weiß jetzt, wohin er schaut. Preise folgen – aber günstig wird er nicht.
Der 114. Stern – das bist du. Vielleicht.
113 Sterne reichen dir nicht? Greif zum neuen GLE (Coupe).
Mercedes-Benz GLS 580 4MATIC: Energieverbrauch kombiniert: 13,7–13,1 l/100 km | CO₂-Emissionen kombiniert: 310–297 g/km | CO₂-Klasse: G. GLS 450 4MATIC: Energieverbrauch kombiniert: 10,9–9,9 l/100 km | CO₂-Emissionen kombiniert: 248–225 g/km | CO₂-Klasse: G. GLS 350d/450d 4MATIC: Energieverbrauch kombiniert: 8,5–7,8 l/100 km | CO₂-Emissionen kombiniert: 223–205 g/km | CO₂-Klasse: G. Alle Werte nach WLTP.
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