Habt ihr den Schampus schon kaltgestellt, weil die EU angeblich das strikte Verbrenner-Verbot für 2035 gekippt hat? Packt ihn wieder weg. Wir müssen Tacheles reden. Was uns da gerade als „technologieoffene Revolution“ und „Rettung des Verbrenners“ verkauft wird, ist bei genauerem Hinsehen die größte politische Augenwischerei des Jahrzehnts.
Ja, die Schlagzeilen klangen fantastisch: „EU rudert zurück“, „Verbrenner darf leben“, „100%-Ziel vom Tisch“. Die Politik feiert sich dafür, dass sie statt 100 Prozent Emissionsreduktion im Jahr 2035 „nur noch“ 90 Prozent über die Gesamtflotte fordert. Klingt nach einem fairen Deal, oder? Klingt nach 10 Prozent Freiheit für Diesel und Benziner.
Vergesst es. Es ist eine Falle.
Die 90-Prozent-Lüge: Rechnet doch mal nach!
Wer glaubt, dass diese „fehlenden 10 Prozent“ bedeuten, dass VW, BMW oder Mercedes weiterhin munter bezahlbare Golfs, 3er oder C-Klassen mit Verbrenner bauen dürfen, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.
Eine Reduktion der Flottenemissionen um 90 Prozent bedeutet in der Praxis: Der Massenmarkt muss zu fast 100% elektrisch sein.
Warum? Wenn ein Hersteller eine Million Autos verkauft, müssen 900.000 davon null Emissionen haben, um den Schnitt zu schaffen. Die verbleibende Marge ist so winzig, dass sie für Volumenmodelle mit klassischem Verbrenner vorne und hinten nicht reicht. Kein Hersteller kann es sich leisten, für eine theoretische Nische von ein paar Prozentpunkten eine komplette Verbrenner-Entwicklung am Leben zu halten.
Die 90%-Regel ist kein „Weiter so“ für den Diesel-Kombi. Sie ist sein Todesurteil durch die Hintertür, nur hübscher verpackt.
Das Schlupfloch für Reiche: Die „Ferrari-Klausel“
Wenn der normale Bürger seinen Skoda Octavia Diesel also trotzdem nicht mehr neu kaufen kann, für wen sind dann diese 10 Prozent?
Es ist ein Schlupfloch für die Elite und für Nischenanwendungen.
- Einsatzfahrzeuge: Feuerwehr, Krankenwagen, Militär. Okay, geschenkt.
- Die Superreichen: Kleinserienhersteller (die „Lex Ferrari“) und Luxusmarken werden diese Nische nutzen. Sie werden Autos bauen, die mit sündhaft teuren E-Fuels laufen (die sich 2035 kein Pendler leisten kann), um die Vorgaben zu erfüllen.
Das Ergebnis der Brüsseler „Vollbremsung“: Der Millionär fährt 2036 seinen neuen V12-Verbrenner mit E-Fuels zum Yachthafen, während der Normalverdiener weiterhin in den elektrischen Kleinwagen gezwungen wird, weil es keine bezahlbare Alternative mehr gibt.
Beruhigungspille statt Kurswechsel
Warum macht die Politik das? Weil der Widerstand in der Bevölkerung zu groß wurde. Die Leute wollen sich nicht vorschreiben lassen, was sie fahren. Also wirft man ihnen einen Knochen hin: „Schaut her, wir haben den Verbrenner gerettet!“
Es ist eine klassische Beruhigungspille. Man nimmt den politischen Druck aus dem Kessel, ohne das eigentliche Ziel – die erzwungene Elektrifizierung des Massenverkehrs – wirklich aufzugeben. Die Daumenschrauben wurden nicht gelockert, sie wurden nur neu lackiert.
Unser bitteres Fazit
Lasst euch nicht verarschen. Das vermeintliche „Ende des Verbots“ ändert für 95% der Autofahrer absolut nichts an der Realität im Jahr 2035. Die Industrie hat weiterhin keine Planungssicherheit für bezahlbare Verbrenner. Der Zwang zum E-Auto bleibt durch die Hintertür der Flottengrenzwerte bestehen.
Was in Brüssel passiert ist, war keine Revolution der Vernunft. Es war ein Meisterstück der politischen Täuschung. Der Verbrenner für den kleinen Mann ist nach wie vor tot. Nur die Beerdigung wurde gerade etwas leiser gefeiert.
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