Leute, haltet eure Geldbeutel fest, denn auf dem Gebrauchtwagenmarkt passiert gerade etwas Verrücktes. Es regnet Polestar 2. Und zwar nicht tröpfchenweise, sondern als sintflutartiger Schauer aus Richtung Westen. Unsere Nachbarn aus den Niederlanden schicken ihre Leasing-Rückläufer massenweise über die Grenze.

400 PS zum Preis eines Kleinwagens? Kneif mich mal!
Das Ergebnis? Man bekommt plötzlich einen designverliebten Schweden-Stromer schon für aberwitzige 17.000 Euro (für die 231-PS-Frontantriebs-Variante). Selbst die 408-PS-Allrad-Monster gibt es oft schon knapp über 20.000 Euro. Das ist weniger, als mancher Händler für einen gebrauchten Golf mit Halogen-Funzeln aufruft. Aber ist das jetzt der Deal des Jahrhunderts oder kauft man sich da eine rollende Baustelle, die mehr Macken hat als ein Teenager in der Pubertät? Wir legen den „Polestar 2 Launch Edition“ mal virtuell auf die Hebebühne.
Warum Holland? Und warum so billig?
In den Niederlanden gab es vor ein paar Jahren massive steuerliche Vorteile für E-Dienstwagen (die sogenannte „Bijtelling“). Diese Leasingverträge laufen jetzt aus. Die Holländer geben die Autos zurück, holen sich den nächsten Steuer-Spar-Stromer, und die „alten“ Polestars (meist Baujahr 2020/2021) landen bei uns.

Der riesige Vorteil: In Holland gilt tagsüber Tempo 100 auf der Autobahn. Das bedeutet: Diese Autos wurden selten gequält. Ein Polestar, der sein Leben lang mit 100 km/h über flachen Asphalt gerollt ist, hat einen Antriebsstrang, der sich vermutlich so gelangweilt hat wie ein Mathe-Genie in der ersten Klasse. Der Akku (State of Health) ist oft noch überraschend frisch, weil er selten die Hitzewallungen deutscher Autobahn-Vollgasorgien erleiden musste.
Die Checkliste: Worauf du bei der Probefahrt achten musst
Bevor du blind zuschlägst, weil der Preis so sexy ist wie das durchgehende Rücklichtband, check bitte folgende Punkte. Der Polestar 2 ist solide (Volvo-Gene sei Dank), aber er hat seine kryptischen Eigenheiten.
1. Das TCAM-Modul (Der Endgegner)
Das Telematics and Connectivity Antenna Module sitzt in der Haifischflosse auf dem Dach und ist manchmal zickiger als eine Diva, der man das falsche Mineralwasser serviert hat.

- Das Problem: Wenn das TCAM streikt, ist das Auto offline. Kein Google Maps, kein Spotify, keine App-Verbindung und im schlimmsten Fall geht der Schlüssel nicht.
- Der Check: Achte im Display oben links auf das LTE-Symbol und das GPS. Ist da ein kleines „x“ oder fehlt der Empfang komplett, obwohl dein Handy 5G hat? Dann muss das Modul (oder die Stützbatterie) neu. Kostet Geld und Nerven.
2. Die Antriebswellen (Das Knack-Konzert)
Gerade die frühen Dual-Motor-Modelle hatten so viel Drehmoment, dass die Antriebswellen manchmal um Gnade winselten.
- Der Check: Such dir einen leeren Parkplatz. Lenkrad voll einschlagen und langsam anfahren. Wenn es knackt und knarzt wie in einem alten Piratenschiff, sind die Gelenke hinüber. Auch wichtig: Vibrationen bei Tempo 80 bis 100 km/h beim Beschleunigen? Das ist nicht der „Good Vibrations“-Song im Radio, das sind die Wellen.
3. Der Activity Key (Der stumme Begleiter)
Der Polestar kommt normalerweise mit drei Schlüsseln: Zwei großen „normalen“ und einem kleinen, schwarzen, wasserdichten „Activity Key“ (sieht aus wie ein kleiner Plastikriegel).
- Das Problem: Die Batterie in diesem kleinen Riegel ist nicht austauschbar. Wenn leer, dann Müll. Ein neuer kostet beim Händler entspannte 200 Euro plus Programmierung.
- Der Check: Probier unbedingt aus, ob dieser kleine Riegel das Auto öffnet und startet.
4. Das Öhlins-Fahrwerk (Die teure Kostenfalle)
Hast du einen mit goldenen Bremssätteln und goldenen Gurten gefunden? Glückwunsch, das ist das Performance-Paket mit den edlen Öhlins-Dämpfern. Aber Vorsicht: Das ist Motorsport-Technik, die Pflege braucht!
- Der Check: Diese Dämpfer sind manuell verstellbar (über kleine goldene Rädchen). Schau mal in die Radkästen. Sind die Dämpfer ölig? Und noch wichtiger: Lassen sich die Rädchen drehen oder sind sie festgegammelt? Viele Leasing-Fahrer haben die Dinger nie angefasst oder gereinigt.
- Die Kosten-Warnung: Ein einzelner neuer Öhlins-Dämpfer kostet bei Volvo/Polestar schnell 800 bis 1.000 Euro (ohne Einbau!). Ein kompletter Tausch übersteigt also locker 4.000 Euro. Günstiger ist eine Revision beim Fahrwerks-Spezialisten (ca. 200-300 € pro Dämpfer), aber auch das nervt. Wenn das Fahrwerk durch ist, Finger weg oder 3.000 Euro Preisnachlass fordern!
5. Die Ladebuchse und das Kabel
E-Auto-Klassiker: Schau dir den Ladeport hinten links an.
- Der Check: Ist der Verriegelungsstift aus Plastik intakt? Manche Leute versuchen, das Kabel rauszureißen, bevor das Auto entriegelt hat. Das hinterlässt Spuren. Und check, ob das Typ-2-Kabel dabei ist (bei Holland-Importen manchmal „versehentlich“ nicht im Kofferraum).
Innenraum: Klavierlack-Hölle und Sitz-Gymnastik
Der Innenraum ist schick, „Scandi-Design“ pur. Aber die Mittelkonsole besteht aus hochglänzendem Klavierlack. Nach drei Jahren Leasing sieht das oft aus, als hätte eine Katze versucht, darauf Schlittschuh zu laufen. Das kann man polieren, sollte man aber beim Preisverhandeln kritisch beäugen.

Checkt auch die Sitzwangen. Man „fällt“ in den Polestar rein und klettert wieder raus – das scheuert an den Seitenwangen der Sitze (besonders beim Stoff „WeaveTech“). Wenn das aussieht wie eine alte Jeans, hilft nur der Sattler.
Automobile News Fazit
Für 17.000 bis 25.000 Euro ist ein Polestar 2 aktuell absolut konkurrenzlos. Selbst die „kleine“ Version mit 231 PS zieht an der Ampel den meisten Verbrennern davon. Du kriegst Google Automotive (das beste Navi der Welt) und eine Verarbeitungsqualität, von der Tesla-Fahrer der ersten Generation nur träumen konnten.
Aber: Nimm keinen „Blindkauf“ vor, nur weil er billig ist. Ein defekter Inverter oder ein spinnendes Batteriemanagement können auch beim Schweden teuer werden. Wenn die Checkliste oben passt: Zuschlagen! So günstig kommt man nie wieder an so viel Auto und Design, nach dem sich die Leute umdrehen.
>>> Wenn die Checkliste oben passt: Zuschlagen! So günstig kommt man nie wieder an so viel Auto und Design, nach dem sich die Leute umdrehen.
Positiv
- Design zum Niederknien (Skandi-Coolness)
- Google-System rennt schneller als ich denken kann
- Fahrwerk: Sportlich aber nicht bandscheibenfeindlich
Negativ
- Preisliste treibt einem die Tränen in die Augen
- Alles Touch: Wo sind meine echten Knöpfe?
- Software zickt manchmal noch wie eine Diva
Bonus-Runde: Wie kriege ich den Polestar überhaupt über die Grenze?
Jetzt juckt es dir in den Fingern, aber du hast Angst vor dem Papierkrieg? Keine Sorge, ein Auto aus Holland zu importieren ist einfacher, als ein Billy-Regal aufzubauen. Hier ist der Schlachtplan:
1. Die Steuer-Falle: Brutto vs. Netto Achtung beim Preisvergleich! Holländische Anzeigen richten sich oft an Händler und zeigen Netto-Preise.
- Für Privatkäufer: Da diese Polestars „Gebrauchtwagen“ sind (älter als 6 Monate, mehr als 6.000 km), zahlst du als Deutscher in den Niederlanden ganz normal den dortigen Brutto-Preis (inkl. 21% BTW). Du musst in Deutschland keine Steuer mehr nachzahlen. Das Auto ist damit bezahlt.
- Für Gewerbetreibende: Hast du eine Firma mit USt-ID? Dann kannst du in Holland netto kaufen (innergemeinschaftlicher Erwerb) und zahlst die 19% Einfuhrumsatzsteuer bequem in Deutschland. Das spart Liquidität.
- Wichtig: Frag den Händler immer: „Is this a VAT-car (MwSt. ausweisbar) or a Margin-car (Differenzbesteuert)?“ Bei Margin-Autos ist keine MwSt. ausweisbar – für Privatleute egal, für Firmen doof.

2. Die Dokumente des Todes (die du unbedingt brauchst) Ohne diese zwei Zettel bist du bei der deutschen Zulassungsstelle verloren:
- Kentekenbewijs (Teil 1 & 2): Das ist der holländische Fahrzeugschein. Achte darauf, dass du alle Teile bekommst (oft ist ein Teil eine Scheckkarte, der andere ein Papierausdruck).
- COC-Papier (Certificate of Conformity): Das Übereinstimmungszertifikat. Das ist der Reisepass des Autos. Ohne COC wird die Anmeldung in Deutschland teuer und nervig (Vollabnahme beim TÜV). Bestehe darauf, dass es dabei ist!
3. Heimreise auf eigener Achse Du kannst nicht einfach mit den gelben holländischen Nummernschildern des Vorbesitzers heimfahren – die werden beim Verkauf meistens ungültig gemacht. Du brauchst ein Exportkennzeichen (Ausfuhrkennzeichen).
- Das kann dir der Händler in Holland meistens direkt organisieren. Es kostet ca. 150–200 Euro inkl. Versicherung und ist 14 Tage gültig. Die Schilder sind weiß mit schwarzer Schrift. Damit kannst du legal nach Deutschland cruisen.
4. TÜV und Zulassung Zuhause angekommen, fährst du zum TÜV (oder Dekra/GTÜ). Der holländische TÜV (APK) wird in Deutschland oft nicht anerkannt oder nur mit viel Diskussion. Mach einfach eine frische HU (Hauptuntersuchung) für ca. 150 Euro. Mit dem frischen TÜV-Bericht, dem COC und den holländischen Papieren gehst du zur Zulassungsstelle und meldest ihn an wie jedes andere Auto auch. Fertig!
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Polestar 2 Galerie





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