Es gibt Autos, die stehen stabil im Leben. Und dann gibt es den Reliant Robin. Ein Fahrzeug, das so konzipiert wurde, dass man sich ernsthaft fragt, ob die britischen Ingenieure während der Entwicklung ausschließlich von lauwarmem Bier und purem Optimismus gelebt haben.
Warum baut man ein Auto mit nur drei Rädern? In England gab es dafür einen simplen, fast schon genialen Grund: Man konnte das Ding mit einem Motorradführerschein fahren und sparte ordentlich Steuern. Das Ergebnis ist ein Gefährt, das bei jeder ambitionierten Kurve so instabil wird, dass man unwillkürlich beginnt, seine persönliche Lebenserwartung neu zu kalkulieren.

Die Physik ist hier nur ein unverbindlicher Vorschlag
Das Fahrverhalten des Robin ist legendär – allerdings im selben Sinne wie eine Darmspiegelung legendär ist: Man möchte es eigentlich nicht erleben. Da das einzige Vorderrad genau in der Mitte sitzt, hat der Wagen die Tendenz, bei jeder Kurve, die schneller als im Schritttempo genommen wird, einfach umzukippen.
Es ist das perfekte Auto, um mal schnell zum Bäcker zu fahren – allerdings nur, wenn dieser in einer Sackgasse ohne Wendekreis liegt. Denn jedes hastige Ausweichmanöver oder gar ein sportlicher Rückwärtssprint endet beim Robin meistens in einer Seitenlage, die an einen hilflos gestrandeten Maikäfer erinnert, der verzweifelt mit den Beinen in der Luft zappelt.
Ein Innenraum aus dem Kaugummi-Automaten
Die Karosserie besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Das klingt nach Rennsport, fühlt sich aber eher nach einer Tupperdose an, die zu lange in der Sonne stand. Sicherheit? Ein Fremdwort. Knautschzone? Du bist die Knautschzone.
Kommen wir zum Nutzwert: Der Stauraum ist so überschaubar, dass selbst eine handelsübliche Pizza Margherita nur mit eingezogenem Rand hineinpasst, wenn man vorhat, übers Wochenende wegzufahren. Viel mehr als ein Pfund Earl Grey Tee passt sowieso nicht rein, ohne dass das fragile Gleichgewicht des Dreirads gefährdet wird.
Der Startvorgang: Britische Geduld gefragt
Obwohl unter der Haube ein kleiner 750-Kubik-Motor werkelt, hat der kleine Robin die Launenhaftigkeit einer Katze, der man versehentlich auf den Schwanz getreten ist. Besonders bei typisch britischem Schmuddelwetter gleicht der Startvorgang eher einer spirituellen Sitzung: Man muss das Zündschloss fast schon zärtlich mit einer Tasse lauwarmem Earl Grey bestechen, während man gleichzeitig drei Stoßgebete zum Himmel schickt, damit die Elektrik nicht vor lauter Feuchtigkeit einen hysterischen Lachanfall bekommt und den Dienst quittiert. Wenn der Motor dann aber doch mal hustet, entwickelt er eine Dynamik, die einen zwar nicht in den Sitz presst, einen aber ständig daran erinnert, dass man nur ein Schlagloch von einem Totalschaden entfernt ist.
Das Urteil: Dreirad-Wahnsinn im Check
Positiv
- Spottbillig in der Unterhaltung (Motorrad-Steuer!
- Dank Kunststoff-Karosserie rostet die Hütte niemals weg.
- Man findet garantiert in jeder Lücke einen Parkplatz (notfalls hochkant).
- Man wird zum absoluten Star auf jedem Oldtimer-Treffen – aus Mitleid.
Negativ
- Kippt schneller um als ein besoffener Seemann bei Windstärke 10.
- Sicherheitsausstattung ist faktisch nicht vorhanden (Beten hilft).
- Die Heizung ist eher eine lauwarme Brise, die nach altem Plastik riecht.
- Man wird von jedem Moped-Fahrer an der Ampel mitleidig angeschaut.
Die nackten Fakten: Reliant Robin
| Merkmal | Daten |
| Motor | 750 ccm oder 850 ccm Vierzylinder |
| Leistung | Atemberaubende 32 bis 40 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | ca. 135 km/h (theoretisch, praktisch ein Himmelfahrtskommando) |
| Gewicht | ca. 450 kg (Leichtbau aus Verzweiflung) |
| Räder | 3 (eines davon am falschen Platz) |
| Produktionszeit | 1973–1981 und 1989–2001 |
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