Der Renault Espace V ist eines dieser Autos, die man erst versteht, wenn man akzeptiert, dass Renault hier nicht einfach einen Van gebaut hat. Der Espace der fünften Generation ist eher ein fahrendes „Was wäre, wenn?“: Was wäre, wenn man den Urvater der europäischen Großraumlimousine tieferlegt, ihm SUV-Schuhe anzieht, das Cockpit wie eine Pariser Lounge zeichnet und anschließend ein Infotainment einbaut, das gelegentlich so französisch reagiert wie ein Kellner kurz vor Feierabend?

Das Ergebnis ist faszinierend. Und als Gebrauchtwagen gefährlich verlockend. Denn der Espace V sieht bis heute modern aus, bietet viel Platz, hohen Reisekomfort, optional sieben Sitze und eine Ausstattung, für die deutsche Premiumhersteller damals noch eigene Preislistenromane geschrieben haben. Gleichzeitig ist er kein sorgenfreier Familienpanzer. Frühe 1.6-dCi-Modelle, R-Link-Zicken, EDC-Getriebe, Elektronik, Fahrwerk und Rückrufhistorie gehören vor dem Kauf sehr genau geprüft.
Dieser Guide behandelt den Renault Espace V, interne Baureihe RFC, gebaut von 2015 bis 2023. Wir schauen auf Motoren, Facelift, Schwachstellen, Sicherheit, ADAC-Eindruck, Rückrufe, Gebrauchtpreise und die Frage, welche Version heute wirklich Sinn ergibt.
Was der Espace V ist – und was er nicht mehr ist
Der Espace war früher der Inbegriff des Familienvans. Eine rollende Wohnung mit Glasflächen, Klapptischen und dem Raumgefühl eines Wintergartens. Der Espace V brach mit dieser Tradition. Er wurde flacher, schicker, coupéhafter und deutlich mehr Crossover als klassischer Van. Renault wollte nicht mehr nur Eltern mit drei Kindern, Hund und Dachbox ansprechen, sondern auch Leute, die bei „Familienauto“ nicht sofort an Kunststoffablagen und Krümelbiotop denken wollten.
Das gelingt optisch erstaunlich gut. Der Espace V wirkt auch heute nicht alt. Besonders als Initiale Paris mit großem Glasdach, Leder, Head-up-Display, 4Control-Allradlenkung und großem Hochkantbildschirm macht er innen mehr Eindruck als viele bravere Konkurrenten. Er ist der französische Gegenentwurf zum VW Sharan: weniger Schiebetür, mehr Salon. Weniger Baumarktparkplatz, mehr Designhotel mit Isofix.
Aber genau hier liegt der erste wichtige Punkt: Wer den maximal praktischen Van sucht, wird beim Espace V nicht so glücklich wie beim Vorgänger oder bei einem Sharan. Die Kopffreiheit hinten ist begrenzter, die dritte Sitzreihe eher Kinder- und Notplatzrevier, und die Karosserieform opfert etwas Nutzwert für Stil. Dafür fährt der Espace angenehmer, leiser und eleganter als viele klassische Vans. Man bekommt also keinen Möbeltransporter mit Fenstern, sondern einen großen Reisewagen mit Familienlizenz.

Wichtige Fakten
Der Espace V ist kein klassischer Van alter Schule. Er ist ein Crossover-Van: schicker, flacher, komfortabler – aber weniger kompromisslos praktisch als frühere Espace-Generationen.Baujahre und Facelift: Vor 2020 mutiger, nach 2020 reifer
Die fünfte Espace-Generation kam 2015 auf den Markt und lief bis 2023. Die wichtigsten Bauabschnitte sind schnell erklärt: Die frühen Modelle von 2015 bis 2018 kamen mit 1.6-Liter-Dieseln und dem 1.6 TCe 200-Benziner. Ab 2017 wurde der Benziner zum 1.8 TCe 225 weiterentwickelt. Ab 2018 ersetzten die 2.0 Blue dCi-Diesel die älteren 1.6-dCi-Motoren. Das ist für Gebrauchtkäufer eine sehr wichtige Trennlinie.
Zum Modelljahr 2020 erhielt der Espace eine Modellpflege. Optisch blieb Renault vorsichtig, technisch wurde nachgelegt: neue Lichttechnik, modernisierte Assistenzsysteme, digitale Instrumente, aktualisierte Online-Dienste und eine insgesamt reifere Anmutung. Der Espace war da längst kein Verkaufsschlager mehr, aber gerade deshalb sind die späten Exemplare heute interessant. Sie verbinden das eigenständige Konzept mit der ausgereifteren Technikbasis.
Die einfache Kaufregel lautet deshalb: Wenn das Budget reicht, eher nach 2.0 Blue dCi und Facelift suchen. Der frühe Espace ist günstiger, aber auch der größere Charaktertest. Und Charakter ist bei Gebrauchtwagen ein schönes Wort für: „Da kann was kommen.“

Der Profi-Tipp
Für Gebrauchtkäufer besonders interessant sind die späteren 2.0-Blue-dCi-Modelle und das Facelift ab 2020. Frühe 1.6-dCi-Exemplare nur mit sehr guter Historie, sauberem Kaltstart, ruhigem EDC und belastbaren Werkstattnachweisen kaufen.Motoren: Der 2.0 Blue dCi ist die sichere Bank, der 1.6 dCi der Bewerbungstest
Die Motorenpalette des Renault Espace V ist überschaubar, aber nicht ganz ohne Falltüren. Wichtig ist vor allem die Trennung zwischen den frühen 1.6-Liter-Motoren und den späteren 2.0-Blue-dCi-Dieseln. Wer hier blind nach Ausstattung kauft, kann ein sehr hübsches Problem mit Panoramadach erwerben.
1.6 dCi 130 und 160: Sparsam, aber genau prüfen
Die frühen Diesel waren der 1.6 dCi 130 mit Handschaltung und der 1.6 dCi 160 Twin Turbo mit EDC-Doppelkupplungsgetriebe. Auf dem Papier passt das gut: ausreichend Leistung, akzeptabler Verbrauch, moderne Dieseltechnik. In der Praxis sollte man besonders beim dCi 160 sehr genau hinsehen. In Foren und Besitzerberichten tauchen immer wieder Themen wie Kühlmittelverlust, AGR-/Abgasrückführung, Turbolader, DPF-Probleme und im schlimmsten Fall Motorschäden auf. Das heißt nicht, dass jeder 1.6 dCi morgen explodiert. Aber es heißt: Dieser Motor bekommt keinen Vertrauensvorschuss.
Ein guter 1.6 dCi kann funktionieren, besonders bei sauberer Wartung, viel Langstrecke und nachvollziehbarer Historie. Aber ein schlechter 1.6 dCi kann den Preisvorteil eines frühen Espace auffressen wie ein hungriger Labrador den Kindergeburtstagskuchen. Kaltstart, Kühlmittelstand, Ölstand, Fehlerspeicher, DPF-Werte, Ladedruck, AGR-System und Serviceintervalle sind Pflichtprogramm.
2.0 Blue dCi 160/190/200: Die bessere Gebrauchtwagenwahl
Ab 2018 kamen die 2.0-Blue-dCi-Diesel. Genau hier wird der Espace als Gebrauchtwagen deutlich interessanter. Der Zweiliter passt besser zum knapp 1,8 bis 1,9 Tonnen schweren Auto, wirkt souveräner und ist die vernünftigere Wahl für lange Strecken. Besonders der Blue dCi 190 beziehungsweise 200 harmoniert gut mit dem komfortablen Charakter des Espace. Sportlich wird das nicht – aber niemand kauft einen Espace, um mit quietschenden Reifen vor der Kita einzubiegen. Hoffentlich.
Der ADAC testete den späten Espace Blue dCi 190 Initiale Paris mit 189 PS, 400 Nm, Frontantrieb und 6-Gang-EDC. Das Urteil fiel insgesamt ordentlich aus: hochwertiges Interieur, guter Fahrkomfort, großer Kofferraum, umfangreiche Ausstattung – aber auch ein umständliches Bediensystem, geringe Kopffreiheit im Fond und hohe Kosten. Genau das beschreibt den Espace sehr gut: Er ist komfortabel und nobel, aber kein billiger Raumökonom.
1.6 TCe 200 und 1.8 TCe 225: Die Benziner für Wenigfahrer
Die Benziner sind seltener, aber nicht uninteressant. Der frühe 1.6 TCe 200 und der spätere 1.8 TCe 225 machen den Espace deutlich leiser und kultivierter als die Diesel. Der 1.8 TCe 225 ist dabei der attraktivere Motor: kräftig, angenehm, mit ausreichend Reserven. Wer wenig fährt, keine Dieselthemen möchte und mit 8 bis 10 Litern Realverbrauch leben kann, sollte ihn nicht übersehen.
Der Haken: Benziner im Espace sind am Markt seltener, und die Kombination aus großem Auto, Turbo-Benziner, Automatik und hoher Ausstattung ist nicht automatisch billig im Unterhalt. Außerdem gilt auch hier: Das EDC muss sauber schalten, Wartung muss nachweisbar sein, und bei hohen Laufleistungen ist eine sehr gründliche Prüfung Pflicht.

ACHTUNG
Nicht vom Initiale-Paris-Leder hypnotisieren lassen. Beim Espace entscheidet zuerst die Technik: Motor, EDC, Kühlung, Fehlerspeicher, Wartung, Reifenbild, Fahrwerk. Die Massagefunktion ist schön – aber sie repariert keinen Turbolader.EDC-Automatik: Wenn sie gut ist, ist sie bequem – wenn nicht, teuer
Viele Espace V sind mit EDC-Doppelkupplungsgetriebe unterwegs. Im Alltag passt das gut zum Auto: bequem, unauffällig, entspannt. Aber gerade beim Gebrauchtwagen muss das Getriebe sehr genau geprüft werden. Ruckeln beim Anfahren, ruppige Gangwechsel, Verzögerungen beim Einlegen von D oder R, Vibrationen im Schubbetrieb oder ein nervöser Kaltstart sind Warnsignale.
Die Probefahrt sollte deshalb nicht nur aus fünf Minuten warmem Stadtverkehr bestehen. Besser: Kaltstart, Rangieren, Stop-and-go, sanftes Anfahren, kräftiges Beschleunigen, Autobahnetappe und anschließend erneutes Rangieren. Wenn das EDC dann immer noch sauber arbeitet, ist das ein gutes Zeichen. Wenn der Verkäufer plötzlich dringend los muss, das Auto „gerade erst warmgefahren wurde“ oder die Probefahrt nur um den Block gehen soll: freundlich lächeln, innerlich abhaken.
Schwachstellen: Wo der Espace V regelmäßig nervt
R-Link 2 und Elektronik: Die französische Oper im Hochformat
Das Cockpit des Espace V sieht bis heute stark aus. Die schwebende Mittelkonsole, der große vertikale Bildschirm, das Head-up-Display und die digitale Anmutung waren 2015 ziemlich mutig. Leider war mutig nicht immer gleich perfekt. Besonders das R-Link-2-System ist ein Klassiker für Geduldstraining: Systemabstürze, Verbindungsprobleme, flackernde oder zu stark abdimmende Displays, App-Zicken und gelegentliche Warnmeldungen gehören zu den bekannten Kritikpunkten.
Vor dem Kauf also nicht nur kurz prüfen, ob der Bildschirm angeht. Alles testen: Navigation, Bluetooth, Smartphone-Kopplung, Rückfahrkamera, 360-Grad-Kamera, Head-up-Display, Sprachbedienung, Klimamenüs, Fahrmodi, Sitzfunktionen, Parksensoren, Assistenzsysteme. Ein Espace mit voller Ausstattung ist herrlich – aber nur, wenn er nicht jeden Morgen ein kleines Software-Theater aufführt.

Fahrwerk und 4Control: Komfort kostet Kontrolle
Der Espace V fährt komfortabel, besonders mit adaptivem Fahrwerk und 4Control-Allradlenkung. Gerade die Allradlenkung macht den großen Renault erstaunlich handlich. In engen Parkhäusern fühlt er sich kleiner an, als er ist – bis man aussteigt und merkt, dass man immer noch ein ziemlich großes Stück Frankreich bewegt.
Beim Gebrauchtwagen bedeutet diese Technik aber: genau prüfen. Poltern, Knacken, ungleichmäßiger Reifenverschleiß, schwammiges Einlenken, Fehlermeldungen im Fahrwerksmenü oder ein schief stehendes Fahrzeug sind Warnzeichen. Querlenker, Lager, Dämpfer, Achsgeometrie und Reifen sollten auf die Bühne. Große Räder sehen gut aus, können aber Fahrwerk und Geldbeutel gleichermaßen unromantisch behandeln.
Kühlung, AGR, DPF und AdBlue: Diesel nur mit Diagnose kaufen
Bei den Dieseln gehören Kühlmittelstand, AGR-System, DPF-Werte und Abgasnachbehandlung zur Pflichtprüfung. Besonders bei Kurzstreckenautos kann der Diesel leiden. Ein Espace ist ein Langstreckenauto. Wird er nur für drei Kilometer Schulweg, Bäcker und Hundewiese genutzt, ist das für Dieseltechnik ungefähr so artgerecht wie ein Windhund im Aufzug.
Beim 2.0 Blue dCi kommt zusätzlich SCR-/AdBlue-Technik ins Spiel. Das ist grundsätzlich kein Drama, aber Sensoren, NOx-System, AdBlue-Dosierung und Fehlerspeicher sollten geprüft werden. Warnmeldungen zur Abgasreinigung sind kein kosmetisches Problem, sondern potenziell teuer.
Innenraum: Schön, aber nicht unverwüstlich
Der Espace kann innen richtig edel wirken. Initiale Paris mit Nappaleder, Ambientelicht und großen Sesseln hat mehr französische Grandezza als viele deutsche Leasing-Innenräume mit schwarzem Plastik und Alibi-Ziernaht. Aber Familienautos altern selten im Prospektmodus. Prüfe Leder, Sitzwangen, elektrische Sitzverstellung, Massagefunktion, Klapptische, dritte Reihe, Gurte, Isofix-Punkte, Panoramadach, elektrische Heckklappe und alle Ablagen.
Besonders bei Siebensitzern lohnt ein Blick auf die hinteren Plätze. Wenn dort Kindersitze, Kekse, Saft und Playmobil-Kleinteile mehrere Jahre lang eine Wohngemeinschaft betrieben haben, sieht man das. Der Espace ist ein Lounge-Auto, aber viele Exemplare wurden im Alltag natürlich als Familienwerkzeug benutzt.

Der Profi-Tipp
Beim Espace V immer mit Diagnosegerät kaufen – oder wenigstens mit Werkstattcheck. Fehlerspeicher, Getriebe, R-Link, Assistenzsysteme, Abgasreinigung und Fahrwerk sagen mehr als jede Hochglanzanzeige.Sicherheit: Fünf Sterne, aber Ausstattung prüfen
Beim Euro-NCAP-Crashtest 2015 erreichte der Renault Espace V fünf Sterne. Das ist ein gutes Fundament, zumal die Kriterien 2015 bereits verschärft waren. Der Espace punktete vor allem beim Kinderinsassenschutz stark und brachte je nach Ausstattung zahlreiche Assistenzsysteme mit. Für ein Familienauto ist das wichtig – und beim Espace einer der klaren Pluspunkte.
Trotzdem gilt: Nicht jeder Espace hat dieselbe Sicherheitsausstattung. Spurhaltewarner, Notbremsassistent, adaptive Geschwindigkeitsregelung, Totwinkelwarner, Verkehrszeichenerkennung, Head-up-Display und 360-Grad-Kamera hängen von Baujahr und Ausstattung ab. Initiale Paris ist meistens gut bestückt, aber auch hier: prüfen, nicht träumen. Ein Assistenzsystem, das im Inserat steht, sollte bei der Probefahrt auch funktionieren.
ADAC-Eindruck: Komfortabel, hochwertig – aber kein Sparmobil
Der ADAC bewertete den späten Espace Blue dCi 190 Initiale Paris insgesamt mit einem guten Autotest-Urteil. Positiv fielen vor allem das hochwertige Interieur, die Verarbeitung, der große Kofferraum, der Fahrkomfort und die umfangreiche Ausstattung auf. Genau da liegt die Stärke des Espace: Er fühlt sich nicht nach Nutzfahrzeug an, sondern nach großem Reisewagen.
Die Schwächen sind ebenso typisch: Das Bediensystem ist umständlich, die Kopffreiheit im Fond nicht überragend, und die Kosten liegen nicht auf Familienkutschen-Niveau. Auch beim Verbrauch ist der Espace kein Zauberer. Im ADAC Ecotest kam der Blue dCi 190 auf 6,9 Liter Diesel pro 100 Kilometer, auf der Autobahn sogar auf 8,2 Liter. Das ist nicht absurd für Größe und Gewicht, aber eben auch kein Diesel-Wunder. Wer 1,9 Tonnen Crossover-Van bewegt, kann nicht erwarten, dass der Bordcomputer Champagner serviert und Clio-Werte anzeigt.
Rückrufe: Nicht dramatisieren, aber FIN prüfen
Beim Renault Espace V gab es mehrere Rückrufe und Serviceaktionen. Bekannt ist unter anderem ein Rückruf wegen einer nicht konformen EGR-Hochdruckleitung bei frühen Espace-5-Modellen. Dazu kamen je nach Baujahr und Ausführung weitere Aktionen. Pauschale Aussagen sind hier wenig sinnvoll, denn entscheidend ist immer die konkrete Fahrgestellnummer.
Vor dem Kauf also nicht fragen: „Hat der Espace Rückrufe?“ Die bessere Frage lautet: „Sind bei genau diesem Fahrzeug alle Rückrufe und Serviceaktionen erledigt?“ Das lässt sich über die FIN bei Renault und über die KBA-Rückrufdatenbank prüfen. Ein erledigter Rückruf ist kein Drama. Ein unbekannter Rückruf, eine fehlende Historie oder ein Verkäufer, der bei „FIN-Prüfung“ nervös wird, schon eher.
ACHTUNG
FIN-Prüfung ist Pflicht. Beim Espace V können Rückrufe und Serviceaktionen je nach Baujahr, Motorisierung und Produktionszeitraum stark variieren. Nicht nach Bauchgefühl kaufen – nach Fahrgestellnummer prüfen.Preise 2026: Viel Auto fürs Geld – aber nicht jedes Angebot ist ein Geschenk
Der Renault Espace V ist gebraucht deutlich günstiger als viele vergleichbare große SUVs oder Premium-Kombis. Genau das macht ihn interessant. Gleichzeitig ist der Markt kleiner, und die besten Fahrzeuge sind nicht automatisch billig. Besonders späte 2.0-Blue-dCi-Modelle, gepflegte Initiale-Paris-Versionen und Siebensitzer mit guter Historie kosten spürbar mehr als frühe 1.6-dCi-Exemplare.
| Baujahr | Typische Laufleistung | Motorisierung | Grobe Preisregion 2026 |
|---|---|---|---|
| 2015–2016 | 120.000–220.000 km | 1.6 dCi 160 / 1.6 TCe 200 | ca. 7.000–12.000 € |
| 2017–2018 | 90.000–170.000 km | 1.8 TCe 225 / 1.6 dCi 160 | ca. 10.000–22.000 € |
| 2019–2020 | 70.000–140.000 km | 2.0 Blue dCi 160/200 | ca. 20.000–28.000 € |
| 2021–2023 Facelift | 30.000–100.000 km | 2.0 Blue dCi 190 | ca. 25.000–35.000 € |
Diese Preise sind nur Orientierung. Ausstattung, Siebensitzigkeit, Laufleistung, Wartung, Herkunft und Zustand machen beim Espace viel aus. Ein günstiger Initiale Paris mit vielen Kilometern kann verlockend aussehen, aber wenn EDC, R-Link, Fahrwerk und Dieseltechnik gleichzeitig „Bonjour“ sagen, wird aus dem Schnäppchen sehr schnell ein französischer Fortsetzungsroman.

Kaufcheckliste: Das musst du beim Renault Espace V prüfen
- FIN bei Renault und KBA auf Rückrufe und Serviceaktionen prüfen
- Servicehistorie vollständig mit Rechnungen und Werkstattnachweisen verlangen
- Kaltstart durchführen: Motorlauf, Rauch, Geräusche, Warnmeldungen prüfen
- Bei 1.6 dCi: Kühlmittelstand, Ölstand, AGR, DPF, Turbolader und Fehlerspeicher besonders genau prüfen
- Bei 2.0 Blue dCi: SCR-/AdBlue-System, NOx-Sensoren, DPF-Werte und Abgaswarnungen prüfen
- EDC-Getriebe kalt und warm testen: Rangieren, Anfahren, Stop-and-go, Rückwärtsgang
- R-Link 2 vollständig testen: Navigation, Bluetooth, Smartphone, Updates, Kamera, Displayhelligkeit
- Alle Assistenzsysteme auf der Probefahrt aktivieren
- 4Control-Allradlenkung und adaptives Fahrwerk auf Fehlermeldungen und Geräusche prüfen
- Fahrwerk auf der Bühne kontrollieren: Lager, Dämpfer, Querlenker, Reifenbild
- Panoramadach auf Dichtigkeit, Geräusche und Funktion prüfen
- Elektrische Heckklappe, Sitze, Massagefunktion, Sitzheizung und Klimazonen testen
- Dritte Sitzreihe aus- und einklappen, Gurte und Isofix prüfen
- Bremsen, Reifen und große Felgen auf Folgekosten prüfen
- Keine Probefahrt ohne Diagnosegerät oder unabhängigen Werkstattcheck bei teuren Exemplaren
Welche Version ist die beste?
Die beste Gebrauchtwagenwahl ist ein Renault Espace V 2.0 Blue dCi 190 oder 200 EDC mit sauberer Historie, möglichst als Facelift ab 2020, idealerweise in guter Ausstattung, aber nicht blind als Vollausstattungs-Fetisch. Initiale Paris ist schön, keine Frage. Aber Zustand schlägt Lederfarbe. Immer.
Wer weniger fährt und keinen Diesel möchte, kann den 1.8 TCe 225 ins Auge fassen. Der Benziner passt gut zum luxuriösen Charakter des Espace und erspart Diesel-Abgasstress. Dafür muss man mit höherem Verbrauch leben und ein gutes Exemplar finden. Der frühe 1.6 TCe 200 ist ebenfalls möglich, aber der 1.8 TCe ist die rundere Wahl.
Den 1.6 dCi 160 würde ich nicht grundsätzlich verdammen, aber nur mit sehr guter Historie und gründlicher technischer Prüfung kaufen. Er ist die günstige Eintrittskarte in die Espace-Welt – allerdings eine Eintrittskarte, bei der man vorher prüfen sollte, ob hinter der Tür ein Wellnessbereich oder ein Maschinenraumbrand wartet.
Positiv
- Design: Auch Jahre später noch eigenständig und modern
- Komfort: Sehr angenehmer Langstreckenwagen mit Lounge-Charakter
- Platz: Großer Kofferraum, optional sieben Sitze, hohe Alltagstauglichkeit
- Ausstattung: Initiale Paris bietet viel Luxus fürs Geld
- Sicherheit: Fünf Sterne im Euro-NCAP-Test 2015
Negativ
- 1.6 dCi: Nur mit sehr guter Historie und gründlicher Prüfung empfehlenswert
- Elektronik: R-Link, Displays und Assistenzsysteme können nerven
- EDC: Muss sauber schalten, Reparaturen können teuer werden
- Nutzwert: Weniger praktisch als klassische Vans alter Schule
- Kosten: Große Räder, Fahrwerk, Dieseltechnik und Ausstattung sind nicht billig

Fazit: Der Espace V ist kein Raumwunder mehr – aber ein ziemlich besonderer Gebrauchtwagen

Der Espace V dreht dieses Prinzip um. Er opfert einen Teil der klassischen Van-Genialität für Stil, Komfort und Crossover-Attitüde. Weniger Bus, mehr Lounge. Weniger Schiebetür-Romantik, mehr französischer Langstrecken-Salon. Wer maximale Variabilität, riesige Kopffreiheit und kompromisslose Familienlogik sucht, wird mit einem Espace IV, VW Sharan oder Ford Galaxy glücklicher. Wer aber ein großes, komfortables, eigenständiges Auto sucht, das nicht aussieht wie die Dienstkleidung eines Paketboten, sollte den Espace V ernsthaft ansehen.
Als Gebrauchtwagen ist er deshalb eine spannende, aber nicht ganz harmlose Wahl. Die besten Exemplare sind späte 2.0-Blue-dCi-Modelle oder gepflegte 1.8-TCe-Benziner mit sauberer Historie, funktionierendem EDC, unauffälliger Elektronik und erledigten Rückrufen. Frühe 1.6-dCi-Versionen können günstig sein, verlangen aber deutlich mehr Misstrauen beim Kauf. Der Espace V belohnt Kenner – und bestraft Optimisten mit zu viel Vertrauen in schöne Ledersitze.
Unterm Strich ist der Espace V kein Auto für jeden. Aber genau das macht ihn sympathisch. Er ist der große Renault für Menschen, die Platz brauchen, aber keinen rollenden Geräteschuppen fahren wollen. Ein Familienauto mit Stilwillen, Komforttalent und ein paar französischen Eigenheiten. Oder anders gesagt: kein perfekter Gebrauchtwagen – aber einer mit Charakter. Und davon gibt es auf dem Markt inzwischen erschreckend wenige.
Der Espace V ist der schicke Crossover-Van für Menschen, die keinen rollenden Geräteschuppen fahren wollen. Wer dagegen maximale Familienlogik sucht – also Platz, Kopffreiheit, dritte Reihe und Kofferraum ohne Design-Diskussion – sollte sich auch unseren Ford Galaxy Gebrauchtwagen-Check ansehen. Der Galaxy ist nicht sexy, aber ehrlich. Und manchmal ist ehrlich genau das, was man braucht, wenn drei Kinder, Hund und Urlaubsgepäck mitreden.















Häufige Fragen zum Renault Espace V Gebrauchtkauf
Die beste Wahl ist ein Renault Espace V 2.0 Blue dCi 190 oder 200 EDC mit vollständiger Servicehistorie, möglichst als Facelift ab 2020. Diese Modelle passen am besten zum großen, komfortablen Charakter des Espace und gelten als die ausgereiftere Wahl gegenüber frühen 1.6-dCi-Versionen.
Der Espace V kann zuverlässig sein, ist aber kein Auto für Blindkäufe. Besonders wichtig sind Servicehistorie, EDC-Getriebe, Elektronik, R-Link-System, Fahrwerk und bei Dieseln die Abgasnachbehandlung. Frühe 1.6-dCi-Modelle sollten besonders genau geprüft werden. Spätere 2.0-Blue-dCi-Modelle sind die bessere Wahl.
Typische Prüfpunkte sind R-Link-2-Probleme, Display- und Elektronikfehler, EDC-Ruckeln, Fahrwerksverschleiß, 4Control-Themen, Diesel-Abgasreinigung, AGR, DPF und bei frühen 1.6-dCi-Motoren mögliche größere Motorthemen. Deshalb sollte ein Espace V vor dem Kauf immer mit Diagnosegerät und auf der Bühne geprüft werden.
Der Renault Espace V war je nach Ausstattung auch als Siebensitzer erhältlich. Die dritte Reihe eignet sich aber eher für Kinder oder gelegentliche Nutzung. Wer regelmäßig sieben Erwachsene transportieren möchte, ist mit einem klassischeren Van wie VW Sharan, Seat Alhambra oder Ford Galaxy besser bedient.
Frühe Renault Espace V beginnen 2026 grob ab 7.000 bis 12.000 Euro, meist mit hoher Laufleistung. Gute Fahrzeuge aus 2017 bis 2018 liegen oft zwischen 13.000 und 22.000 Euro. Spätere 2.0-Blue-dCi-Modelle und Facelift-Fahrzeuge kosten meist 20.000 bis 35.000 Euro. Zustand und Historie sind wichtiger als der niedrigste Preis.
Nur mit Vorsicht. Der 1.6 dCi 160 ist attraktiv, weil viele frühe Espace V günstig angeboten werden. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Berichte über Probleme im Umfeld von Kühlung, AGR, Turbolader, DPF und Motorschäden. Ein Kauf ist nur mit vollständiger Historie, sauberem Kaltstart, unauffälligem Fehlerspeicher und gründlicher Werkstattprüfung sinnvoll.
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