In den 90ern war er der Held jeder Familie: der Minivan. Platz ohne Ende, praktisch, genial. Heute ist er in Europa fast ausgestorben, verdrängt vom unpraktischeren SUV. Doch während wir dem Trend hinterherlaufen, zeigt ein Blick nach Asien: Der Van ist nicht tot. Er ist jetzt nur cooler, teurer und luxuriöser als alles, was wir kennen.
Erinnerst du dich an den Renault Espace der ersten Generation? An den VW Sharan, den Ford Galaxy oder den Opel Zafira? Das waren keine Autos, das waren rollende Wohnzimmer. Du konntest Sitze ausbauen, drehen, falten. Du konntest drei Kindersitze nebeneinander montieren und hattest trotzdem Platz für den Großeinkauf und den Golden Retriever.
Form folgte Funktion. Es war das perfekte Auto für das echte Leben.
Der langsame Tod in Europa: Opfer des SUV-Wahns
Doch dann kam das SUV. Plötzlich wollte niemand mehr „vernünftig“ aussehen. Alle wollten nach „Abenteuer“ und „Offroad“ aussehen, auch wenn die größte Herausforderung der Bordstein vor der Kita war.
Die Hersteller machten begeistert mit. Mit einem SUV verdient man mehr Geld als mit einem Van. Also wurden Legenden wie der Espace zu einem flachen Crossover weichgespült. Der Sharan wurde ersatzlos gestrichen. Wer heute bei VW Platz für sieben Leute braucht, muss den sackteuren Multivan (Bus) kaufen oder sich in einen Tiguan Allspace quetschen.
Das Ergebnis: Wir fahren Autos, die außen riesig, aber innen oft enttäuschend eng sind. Die hohe Ladekante nervt, die Variabilität ist weg. Wir haben die praktische Vernunft gegen Lifestyle-Posing getauscht.
Das unerwartete Comeback: Die Luxus-Lounge aus Asien
Während wir in Europa den Van beerdigt haben, passiert in Asien (China, Japan, Korea) gerade etwas Erstaunliches. Dort ist der Van das neue Statussymbol. Aber nicht als Pampers-Bomber, sondern als First-Class-Shuttle.
Schau dir Autos an wie den Toyota Alphard (in Europa kaum bekannt, in Asien ein Superstar) oder seinen Luxus-Zwilling Lexus LM. Das sind keine Familienkutschen. Das sind rollende Privatjets.


- Im Fond gibt es keine schnöde Sitzbank, sondern zwei riesige, klimatisierte Liegesessel mit Massagefunktion.
- Trennwand zum Fahrer mit riesigem 48-Zoll-Bildschirm? Kein Problem.
- Kühlschrank, Champagnerhalter, edelste Materialien.
Der Van ist dort das Auto für den erfolgreichen CEO, der sich fahren lässt und hinten arbeitet oder entspannt. Er ist teurer und prestigeträchtiger als eine S-Klasse.
Die neue Welle: China macht den Van elektrisch und cool
Und jetzt kommen die Chinesen und treiben das Spiel auf die Spitze. Mit Elektroantrieb und futuristischem Design.


- Zeekr 009 (und sein Zwilling Volvo EM90): Ein elektrischer Luxus-Van mit über 500 PS, 700 km Reichweite und einem Design, das aussieht wie ein Rolls-Royce aus der Zukunft.
- Denza D9 (von BYD/Mercedes): Ein riesiger Erfolgsmodell in China, das zeigt, dass der Van-Markt boomt.
Diese Autos sind nicht „uncool“. Sie sind das ultimative Statement von modernem Luxus und Platz.
Unser Fazit
Wir haben das falsche Auto getötet
Die Ironie ist bitter: Während wir in Europa den Van als „spießig“ abgeschafft haben und uns in SUVs quetschen, feiern die Asiaten das Konzept als Gipfel des Luxus.
Wir haben uns von Marketing-Trends einreden lassen, dass wir alle „Geländewagen“ brauchen. Dabei wäre ein moderner, cooler Van für 90% der Familien (und Geschäftsleute) das viel bessere Auto.
Vielleicht schwappt der Trend ja zurück. Wenn Lexus den LM jetzt auch in Europa anbietet und Volvo den EM90 bringt, merken wir vielleicht, was wir verloren haben. Bis dahin: Ehrt den Sharan-Fahrer an der Ampel. Er hat vielleicht das uncoolere Auto, aber er hat definitiv mehr Platz als du in deinem SUV-Coupé.
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