Du hältst den Zapfhahn, die Ziffern rasen, und irgendwo zwischen Liter 38 und 39 stellt sich die Frage aller Fragen: Wer kriegt das Geld eigentlich? Die kurze Antwort: Ein großer Teil landet nicht bei der Tankstelle, dem Ölkonzern oder dem Scheich, sondern besteht aus Steuern und staatlich verursachten Kosten. Die lange Antwort steht in diesem Artikel. Mit einer virtuellen Zapfsäule, an der du die einzelnen Preisbestandteile abschalten kannst, mit dem Live-Preisbarometer und dem großen EU-Vergleich. Die aktuellen Preise liefern unsere Rechner automatisch; Steuersätze, Rechenannahmen und gesetzliche Regeln halten wir redaktionell auf dem neuesten Stand.
Aus diesen Bausteinen besteht jeder Liter
Ein Liter Super E5 legt eine lange Reise zurück, bevor er in deinem Tank landet — und auf jeder Etappe entstehen Kosten. Am Anfang stehen Rohöl beziehungsweise die eingesetzten Grundprodukte. Ihr Anteil schwankt mit Weltmarktpreis, Dollarkurs und Ausbeute der Raffinerien. Hinzu kommen Raffination, Transport und Lagerung sowie die Margen von Großhandel, Mineralölunternehmen und Tankstellenbetreibern. Wie viel bei der einzelnen Station hängen bleibt, lässt sich deshalb nicht mit einer festen Centzahl für jeden Liter beantworten.
Alles zusammen ergibt vereinfacht den Produktpreis vor den hier separat ausgewiesenen Steuern und staatlich verursachten Kosten. Vollständig frei von regulatorischen Belastungen ist auch dieser Betrag nicht. Bei einem Zapfsäulenpreis von 2,24 Euro bleiben nach der folgenden Modellrechnung ungefähr 1,07 bis 1,09 Euro übrig. Der Rest — gut die Hälfte des Endpreises — entfällt auf diese vier Posten:
- Energiesteuer: Regulär 65,45 Cent pro Liter Benzin und 47,04 Cent pro Liter Diesel. Die Sätze sind grundsätzlich seit 2003 unverändert, wurden aber 2022 sowie vom 1. Mai bis 30. Juni 2026 vorübergehend abgesenkt.
- CO₂-Bepreisung: 2026 rund 13,2 bis 15,6 Cent beim Benzin und 14,7 bis 17,4 Cent beim Diesel — jeweils vor Mehrwertsteuer. Formal handelt es sich nicht um eine Steuer, sondern um Zertifikatskosten. Genau dieses Detail sorgt in EU-Statistiken für Verwirrung.
- Mehrwertsteuer: 19 Prozent auf die Nettosumme der steuerpflichtigen Preisbestandteile — also auch auf Energiesteuer, CO₂-Kosten und EBV-Beitrag. Dadurch wird aus einer Erhöhung um zehn Cent für den Kunden ein Plus von 11,9 Cent.
- EBV-Umlage: etwa 0,3 Cent für den Erdölbevorratungsverband, der die strategische 90-Tage-Reserve Deutschlands finanziert. Der kleinste Posten, aber er gehört zur ehrlichen Rechnung dazu.
Die virtuelle Zapfsäule: Rechne selbst nach
Grau ist alle Theorie — hier ist die Praxis. Der Rechner startet mit dem tagesaktuellen Bundesdurchschnitt aus unserer Preisdatenbank; mit dem Regler stellst du den Preis deiner Tankstelle ein. Wähle Benzin oder Diesel und schalte die modellierten Steuer- und Kostenbestandteile einzeln ab. Du siehst live, wie stark jeder Posten den Endpreis beeinflusst — und was in dieser vereinfachten Rechnung übrig bleibt, wenn alle dargestellten staatlich verursachten Bestandteile entfallen.
Fixbetrag, unverändert seit 2003
2026: Korridor 55–65 €/t, hier 60 €/t
Auf alles — auch auf die anderen Steuern
Strategische Ölreserve (90 Tage)
Kleiner Realitätscheck zum Ausprobieren: Schalte nur die Mehrwertsteuer ab und beobachte, wie viel der Preis fällt — mehr, als ihr 19-Prozent-Etikett vermuten lässt. Der Grund steht im nächsten Abschnitt.
Die vier staatlich geprägten Preisposten im Detail
Energiesteuer: Das Fossil unter den Steuern
Die regulären Energiesteuersätze betragen 65,45 Cent pro Liter Benzin und 47,04 Cent pro Liter Diesel. In dieser Höhe sind sie grundsätzlich seit 2003 unverändert. Zeitweise wurden sie allerdings abgesenkt: beim Tankrabatt 2022 und erneut vom 1. Mai bis zum 30. Juni 2026. Seit dem 1. Juli 2026 gelten wieder die regulären Sätze. Mit Einnahmen von 37,6 Milliarden Euro im Jahr 2025 bleibt die Energiesteuer eine der ergiebigsten Bundessteuern.
CO₂-Bepreisung: Der Posten, der wächst
Seit 2021 hat fossiler Kraftstoff einen CO₂-Preis. Der Mechanismus: Wer Benzin oder Diesel in Verkehr bringt, muss Emissionszertifikate erwerben — die Kosten werden üblicherweise in den Literpreis eingerechnet. Nach den gesetzlichen Standardwerten verursacht ein Liter Benzin rund 2,39 Kilogramm CO₂, ein Liter Diesel rund 2,68 Kilogramm. Deshalb fallen die Zertifikatskosten beim Diesel pro Liter höher aus. Für 2026 gilt ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro je Tonne:
| Jahr | CO₂-Preis pro Tonne | ≈ Benzin vor MwSt. | ≈ Diesel vor MwSt. |
|---|---|---|---|
| 2021 | 25 € | 6 ct | 7 ct |
| 2023 | 30 € | 7 ct | 8 ct |
| 2024 | 45 € | 11 ct | 12 ct |
| 2025 | 55 € | 13,2 ct | 14,7 ct |
| 2026 | 55–65 € (Korridor) | 13,2–15,6 ct | 14,7–17,4 ct |
| ab 2028 | EU-ETS2, Marktpreis | offen | offen |
Ab 2028 soll der europäische Emissionshandel ETS2 das nationale System ablösen. Dann bildet sich der Zertifikatspreis grundsätzlich am Markt und kann sowohl steigen als auch fallen. Wie das Übergangsjahr 2027 in Deutschland konkret ausgestaltet wird, hängt von den bis dahin geltenden nationalen Regeln ab.
Mehrwertsteuer: Die Steuer auf die Steuer
Die 19 Prozent Mehrwertsteuer werden auf die Nettosumme der steuerpflichtigen Preisbestandteile erhoben — also auch auf die Energiesteuer, die CO₂-Kosten und den EBV-Beitrag. Praktische Konsequenz: Erhöht sich ein Nettoposten um zehn Cent, steigt der Endpreis einschließlich Mehrwertsteuer um 11,9 Cent. Auch steigende Rohstoff- und Raffineriekosten erhöhen deshalb automatisch den absoluten Mehrwertsteuerbetrag, ohne dass sich der Steuersatz ändert.
EBV-Umlage: Die Versicherungsprämie
Rund 0,3 Cent pro Liter gehen an den Erdölbevorratungsverband, der Deutschlands strategische Ölreserve für 90 Tage vorhält — die Lebensversicherung für Versorgungskrisen. Der kleinste Posten auf der Rechnung, aber einer mit Daseinsberechtigung: Genau diese Reserve wurde zuletzt angezapft, als die Märkte verrücktspielten.
Diesel gegen Benzin: Das Privileg mit Ausgleich
18,4 Cent weniger Energiesteuer pro Liter — das sogenannte Dieselprivileg stammt aus einer Zeit, als Diesel der Kraftstoff von Spediteuren und Landwirten war und politisch geschont wurde. Ganz geschenkt ist es allerdings nicht: Im Gegenzug zahlen Diesel-Pkw eine deutlich höhere Kfz-Steuer. Die alte Faustregel, ab etwa 15.000 bis 20.000 Kilometern Jahresfahrleistung rechne sich der Diesel, wackelt allerdings zunehmend — die CO₂-Abgabe trifft Diesel pro Liter härter, und an der Säule liegen beide Sorten inzwischen oft fast gleichauf. Wer heute zwischen Benziner und Diesel rechnet, sollte mit realen Literpreisen rechnen, nicht mit Erinnerungen an 2015.
Wo Deutschland im EU-Vergleich steht — und warum die Statistik trügt
Deutschland, das Spritsteuer-Hochland? Wer in die offizielle EU-Statistik schaut, erlebt eine Überraschung: Beim prozentualen Steueranteil rangiert Deutschland im hinteren Mittelfeld. Wie das sein kann, obwohl wir fast einen Euro ausgewiesene Steuern und Abgaben pro Liter zahlen? Drei Gründe. Erstens gehört Deutschlands regulärer Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent im EU-Vergleich zu den niedrigeren Sätzen; mehrere Mitgliedstaaten verlangen 25 Prozent oder mehr. Zweitens verdünnt ein hoher Bruttopreis den prozentualen Anteil: Derselbe fixe Steuerbetrag macht bei 2,20 Euro weniger Prozent aus als bei 1,60 Euro. Und drittens — der wichtigste Punkt: Die deutsche CO₂-Bepreisung gilt im EU-Bulletin nicht als Steuer, weil sie formal als Zertifikatskosten behandelt wird. Sie steckt dort im Produktpreis. Länder, die vergleichbare CO₂-Komponenten als Steuer ausweisen, erscheinen deshalb mit einem längeren Steuerbalken. Der EU-Vergleich bildet die staatlich verursachte Belastung Deutschlands also nicht vollständig im ausgewiesenen Steueranteil ab.
Im interaktiven Vergleich kannst du beide Sichtweisen sortieren — nach prozentualem Steueranteil, bei dem Deutschland im hinteren Mittelfeld liegt, und nach absoluten Centbeträgen, bei denen Deutschland deutlich weiter nach vorn rückt. Statistik ist eben auch eine Frage der Perspektive:
Und dann ist da noch das schönste Paradox des Datensatzes: Malta kombiniert sehr niedrige Endpreise mit einem besonders hohen prozentualen Steueranteil. Die Kraftstoffpreise werden dort seit 2020 staatlich reguliert und durch politische Maßnahmen stabilisiert. Dadurch bleibt der Endpreis vergleichsweise niedrig, während die regulären Steuern prozentual einen großen Anteil ausmachen. Ein hoher Prozentsatz von wenig bleibt eben immer noch wenig. Wer nur auf Prozentwerte schaut, hält Malta für ein Hochsteuerland und Deutschland beinahe für ein Steuerparadies. Beides wäre eine ziemlich schiefe Schlussfolgerung — und genau deshalb zeigt der Vergleich beide Sichtweisen.
Warum der Preis ständig schwankt
Die Steuern erklären das grundsätzliche Preisniveau — die kurzfristigen Schwankungen haben andere Ursachen. Der Rohölpreis (Brent), der Dollarkurs, Raffineriemargen, regionale Konkurrenz und die Auslastung der Tankstellen spielen dabei zusammen. Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal pro Kalendertag erhöhen, und zwar um 12 Uhr; Preissenkungen bleiben jederzeit möglich. Dadurch liegt der günstigste Tankzeitpunkt derzeit häufig kurz vor Mittag. Eine ADAC-Auswertung für Mai 2026 ermittelte zwischen dem günstigsten und dem teuersten Tageszeitpunkt durchschnittliche Unterschiede von 14,6 Cent bei Super E10 und 18,4 Cent bei Diesel. Den aktuellen Stand siehst du hier — live aus unserem eigenen Preisarchiv:
| Region | E5 | E10 | Diesel |
|---|---|---|---|
| Freiburg (76) | 2,147 € | 2,093 € | 2,240 € |
| Loerrach (36) | 2,198 € | 2,152 € | 2,261 € |
| Waldshut (31) | 2,169 € | 2,114 € | 2,237 € |
Was du konkret tun kannst
Kurz vor 12 Uhr tanken ist unter der seit April 2026 geltenden Preisregel derzeit meist die beste zeitliche Strategie. Trotzdem solltest du nicht blind auf die Uhr vertrauen: Regionale Konkurrenz, Lieferkosten und die Preispolitik einzelner Anbieter sorgen weiterhin für erhebliche Unterschiede zwischen benachbarten Stationen.
Preis-Apps zeigen dir die günstigste Säule im Umkreis; Unterschiede von zehn Cent und mehr zwischen nahe gelegenen Stationen sind keine Seltenheit. Autobahntankstellen meiden: Eine bundesweite ADAC-Erhebung aus dem Jahr 2026 ergab einen durchschnittlichen Aufschlag von rund 33 Cent je Liter. In einzelnen Fällen lagen die Unterschiede bei fast 50 Cent. Schon eine nahe Tankstelle hinter der nächsten Ausfahrt kann deshalb mehrere Euro sparen. Und die unspektakulärste Maßnahme wirkt bei jedem Preis: korrekter Reifendruck und vorausschauende Fahrweise können den Verbrauch spürbar senken.
Fazit: Der Staat tankt mit — aber nicht überall gleich sichtbar
Der größte feste Einzelposten ist die reguläre Energiesteuer, der beweglichste die CO₂-Bepreisung, und auf die steuerpflichtige Nettosumme kommt zusätzlich die Mehrwertsteuer.
Wer über Spritpreise diskutiert, sollte diese Anatomie kennen — sonst landet die Schuld schnell beim falschen Adressaten. Das Barometer aktualisiert die aktuellen Preise automatisch; die gesetzlichen Rahmenbedingungen und Rechenannahmen prüfen wir redaktionell regelmäßig.
Häufige Fragen zum Spritpreis
Bei einem Literpreis von 2,24 Euro entfallen 2026 – abhängig vom jeweiligen CO₂-Zertifikatspreis – ungefähr 1,15 bis 1,17 Euro auf Energiesteuer, CO₂-Kosten, Mehrwertsteuer und den EBV-Beitrag. Das entspricht gut der Hälfte des Endpreises.
Die reguläre Energiesteuer auf Diesel beträgt 47,04 Cent pro Liter, auf Benzin 65,45 Cent – das sogenannte Dieselprivileg. Im Gegenzug fällt die Kfz-Steuer bei vielen Diesel-Pkw höher aus. Durch die CO₂-Bepreisung, die Diesel pro Liter stärker trifft, schrumpft der Vorteil an der Zapfsäule.
Seit 2021 müssen Inverkehrbringer von Kraftstoffen CO₂-Zertifikate erwerben; die Kosten werden üblicherweise in den Literpreis eingerechnet. 2026 gilt ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro je Tonne. Das entspricht vor Mehrwertsteuer etwa 13,2 bis 15,6 Cent je Liter Benzin und 14,7 bis 17,4 Cent je Liter Diesel. Ab 2028 soll der europäische Emissionshandel ETS2 das nationale System ablösen.
Die Mehrwertsteuer wird auf die Nettosumme der steuerpflichtigen Preisbestandteile erhoben – also auch auf Energiesteuer, CO₂-Kosten und EBV-Beitrag. Erhöht sich ein Nettoposten um zehn Cent, steigt der Endpreis einschließlich Mehrwertsteuer um 11,9 Cent.
Seit April 2026 dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen – um 12 Uhr. Aktuelle Auswertungen zeigen deshalb, dass Tanken häufig kurz vor Mittag am günstigsten ist. Direkt nach 12 Uhr steigen die Preise meist deutlich. Da sich das Muster regional unterscheiden kann, lohnt sich trotzdem der Vergleich aktueller Tankstellenpreise.
Datenquellen: Eigene Preisdatenbank (Basis: tankerkoenig.de, CC BY 4.0, Daten der MTS-K des Bundeskartellamts), Europäische Kommission (Weekly Oil Bulletin), Bundesministerium der Finanzen, Kraftstoffpreisanpassungsgesetz, EUR-Lex zur Verschiebung des ETS2, gesetzliche CO₂-Standardwerte, Statistisches Bundesamt, ADAC zum Tagesverlauf, ADAC zum Autobahnaufschlag und Eurostat zu Malta. Steuersätze und Rechenannahmen: Stand Juli 2026. Der Steuerrechner startet mit dem tagesaktuellen Bundesdurchschnitt und lässt sich auf jeden Tankstellenpreis einstellen.
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