In der Mitte der 2000er Jahre gab es im Quartett der Superlative nur eine Karte, die alles stach: Den Bugatti Veyron. Mit seinen 1001 PS und 407 km/h schien er unantastbar, ein technologisches Wunderwerk des Volkswagen-Konzerns. Doch dann kam 2007 ein kleines Unternehmen aus West Richland, Washington, und tat das Unmögliche.
Shelby SuperCars (SSC) – gegründet von Jerod Shelby (nicht verwandt mit der Cobra-Legende Carroll Shelby) – baute ein Auto mit nur einem Ziel: Den Geschwindigkeitsrekord zurück nach Amerika zu holen. Das Ergebnis war der SSC Ultimate Aero TT.
Er war das Gegenteil des Veyron: Nicht luxuriös, nicht komfortabel, nicht computergesteuert. Er war roh, brutal und analog. Ein Auto, das seinen Fahrer bei der kleinsten Unachtsamkeit umbringen wollte.
Der Tag, an dem der König fiel
Am 13. September 2007 schrieb SSC Geschichte. Auf einem abgesperrten Highway im Bundesstaat Washington trat der 71-jährige Testfahrer Chuck Bigelow das Gaspedal durch.
Um den offiziellen Guinness-Weltrekord zu brechen, muss ein Auto die Strecke innerhalb einer Stunde in beide Richtungen fahren, um Wind- und Gefällevorteile auszugleichen. Der Veyron stand bei 407 km/h.
Der Ultimate Aero TT donnerte über den Asphalt. Der Durchschnittswert aus beiden Läufen: 412,28 km/h (256,18 mph).
Die Autowelt war geschockt. Ein Auto, das in einer besseren Garage entwickelt wurde, hatte das Milliarden-Projekt Bugatti geschlagen. Der Ultimate Aero TT hielt diesen Titel fast drei Jahre lang, bis Bugatti mit dem Veyron Super Sport zurückschlug.
Die Technik: Hubraum statt High-Tech
Wie hat SSC das geschafft? Während Bugatti auf 16 Zylinder und vier Turbolader setzte, ging SSC den klassischen amerikanischen Weg: Ein massiver V8 und Ladedruck, bis die Nieten platzen.
- Der Motor: Basis war ein Chevrolet LS-Block, aber massiv modifiziert. Im Rekordauto von 2007 war es ein 6,3-Liter V8.
- Die Aufladung: Zwei riesige Turbolader pressten Luft in die Brennräume.
- Die Leistung: Im Rekord-Trimm leistete der Wagen 1.183 PS und ein brachiales Drehmoment von 1.483 Nm. Spätere Versionen („Ultimate Aero XT“) wurden sogar mit bis zu 1.300 PS angegeben.
- Das Getriebe: Kein blitzschnelles Doppelkupplungsgetriebe. Der Fahrer musste die über 1.100 PS mit einem manuellen 6-Gang-Getriebe und einer schweren Kupplung bändigen.
Analoges Monster: Fahren ohne Netz und doppelten Boden
Was den Ultimate Aero TT heute so besonders macht, ist nicht nur die Geschwindigkeit, sondern wie er sie erreichte. Er war ein Auto der alten Schule.
Es gab keine ausgeklügelten Traktionskontrollsysteme, kein ESP, das den Fahrer rettete, wenn die 1.483 Nm die Hinterreifen in Rauch auflösten. Es gab kein Allradsystem wie im Bugatti. Die gesamte Kraft ging nur auf die Hinterachse.
Das machte das Auto extrem leicht (nur ca. 1.250 kg – fast 600 kg leichter als ein Veyron), aber auch extrem gefährlich. Wer dieses Auto bei über 400 km/h fuhr, brauchte Nerven aus Stahl und absolute Fahrzeugbeherrschung. Es war ein Auto, das Respekt einforderte.
Das Vermächtnis
Der SSC Ultimate Aero TT wird vielleicht nie die Eleganz eines Ferrari oder die technische Perfektion eines Bugatti erreichen. Aber sein Platz in der Geschichte ist sicher. Er ist der Beweis dafür, dass Leidenschaft, Ingenieurskunst und rohe Gewalt manchmal ausreichen, um die Giganten der Industrie zu stürzen.
Er ebnete den Weg für den Nachfolger, den SSC Tuatara, der – nach einigen Kontroversen – die Jagd nach der 500 km/h-Marke fortsetzt.
⚙️ Technische Daten: SSC Ultimate Aero TT (2007 Rekord-Spezifikation)
| Merkmal | Daten |
| Motor | 6,3-Liter V8 Biturbo |
| Leistung | 1.183 PS bei 6.950 U/min |
| Drehmoment | 1.483 Nm bei 6.150 U/min |
| Antrieb | Hinterradantrieb |
| Getriebe | 6-Gang manuell |
| 0-100 km/h | ca. 2,8 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 412,28 km/h (Offizieller Rekord 2007) |
| Leergewicht | ca. 1.247 kg |
| Neupreis (damals) | ca. 650.000 US-Dollar |
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