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Die Tagesausgabe — Dein täglicher Ritt durch die Autowelt
Dienstag, 24. Februar 2026  ·  Ausgabe № 4
01 — Kopf des Tages

Happy Birthday, „Le Professeur“: Alain Prost wird 71
Der Mann, der die Formel 1 mit dem Rechenschieber im Cockpit gewann

Manche Rennfahrer fahren mit dem Messer zwischen den Zähnen. Alain Prost, geboren am 24. Februar 1955, fuhr mit einem integrierten Computer im Kopf. Während seine Konkurrenten — allen voran ein gewisser Ayrton Senna — die Reifen in emotionalen Ausbrüchen hinrichteten, kalkulierte Prost den Sieg wie eine Steuererklärung.

Sein Spitzname „Der Professor“ war kein Marketing-Gag. Prost war der Erste, der begriff, dass man ein Rennen nicht in der ersten Kurve gewinnt, sondern durch das Management von Bremsen, Sprit und Nerven der Mechaniker. Er war so effizient, dass es fast schon unhöflich wirkte. Viermal Weltmeister, 51 Grand-Prix-Siege — eine Bilanz, die so solide ist wie ein alter Mercedes-Diesel, nur deutlich schneller.

Legendär bleibt seine Rivalität mit Senna. Es war das Duell „Eis gegen Feuer“. Prost war der Mann der Logik, der wusste, dass man manchmal Zweiter werden muss, um am Ende Erster zu sein. Er fuhr so materialschonend, dass seine Autos nach dem Rennen oft aussahen, als kämen sie gerade aus der Aufbereitung, während die Konkurrenz ihre Boliden als rauchende Trümmerhaufen im Kies parkte.

Heute feiert der Franzose seinen 71. Geburtstag. Er ist der lebende Beweis dafür, dass man im Motorsport nicht nur Eier in der Hose braucht, sondern vor allem graue Zellen unter dem Helm. Chapeau, Alain!

02 — Modell des Tages

Renault 5 Turbo: Ein Terrier auf Steroiden
Wenn französische Ingenieure beschließen, dass der Rücksitz eigentlich Platzverschwendung ist

Passend zum Geburtstag von Prost blicken wir auf ein Auto, das so französisch und gleichzeitig so wahnsinnig ist wie ein Espresso mit Tabasco: der Renault 5 Turbo. Anfang der 80er dachte sich Renault: „Lass uns diesen braven Einkaufswagen nehmen, den Motor in die Mitte schrauben und die hinteren Kotflügel so weit aufblasen, dass sie eine eigene Postleitzahl brauchen.“

Das Ergebnis war der „Backenturbo“. Ein 1,4-Liter-Vierzylinder mit Garrett-Lader, der 160 PS direkt in den Nacken der Passagiere brüllte. Es gab keine Rückbank, nur Hitze, Lärm und pure mechanische Gewalt. Wer den R5 Turbo fuhr, brauchte keine Heizung, er brauchte Nerven aus Stahlseilen. Das Turboloch war so groß, dass man beim Gasgeben in Ruhe ein Croissant essen konnte, bevor die Leistung mit der Subtilität eines Vorschlaghammers einschlug.

Alain Prost selbst bändigte dieses Biest in der Rallye-Version 1962 ( Rallye du Var) und bewies, dass man auch mit einem extrem kurzen Radstand und Heckantrieb nicht zwangsläufig im Graben landen muss. Bis er dann doch im Graben landete und ausschied. Der R5 Turbo ist heute eine Legende — ein Auto, das so unvernünftig ist, dass man es einfach lieben muss. Es ist der Beweis, dass Design-Ikonen manchmal durch reinen Wahnsinn entstehen.

03 — Fundstück des Tages

Der Toyota Land Cruiser: Warum Warlords und Abenteurer das Gleiche fahren
Das meistgeklaute Auto der Welt ist ein Kompliment an die Ingenieurskunst
Warlord-Chic & Wüsten-Adel

Es ist ein zweifelhaftes Kompliment: In vielen Teilen der Welt ist der Toyota Land Cruiser (besonders die 70er Serie) die härteste Währung nach US-Dollar und Kalaschnikows. Warum? Weil dieses Auto auch dann noch fährt, wenn die Apokalypse längst begonnen hat. Wenn du in der Sahara festsitzt, willst du keinen Software-Update-Assistenten, du willst Mechanik, die man mit einem Stein und einem Stück Draht reparieren kann.

Die Diebstahlstatistiken sprechen Bände. In vielen Ländern steht der Land Cruiser auf Platz 1. Diebe wissen: Das Ding kriegst du überall los. Es gibt keine Region auf diesem Planeten, in der ein Land Cruiser nicht als höchstes Statussymbol für „Ich komme überall an“ gilt. Ob UNO-Blauhelme, Rotes Kreuz oder weniger sympathische Gruppierungen im staubigen Nirgendwo — sie alle vertrauen auf den Toyota.

Die Lektion für uns: Wahre Qualität erkennt man nicht an den Spaltmaßen im Showroom, sondern daran, wonach professionelle Autodiebe in den entlegensten Winkeln der Welt suchen. Wer einen Land Cruiser klaut, sucht keine Beute — er sucht eine Lebensversicherung auf Rädern.

04 — Blitzerwarnung der anderen Art

Das 1,02 Millionen Franken-Selfie: Wenn das Knöllchen ein Einfamilienhaus kostet
In der Schweiz ist zu schnell fahren kein Vergehen, sondern eine Vermögenssteuer

Du denkst, 100 Euro für 20 km/h zu viel sind Wucher? Dann warst du noch nie mit einem gut gefüllten Bankkonto in der Schweiz unterwegs. Dort werden Bußgelder bei extremen Verstößen nämlich nach dem Tagessatz-Prinzip berechnet — also basierend auf deinem Einkommen. Ein schwedischer Autofahrer durfte das schmerzhaft erfahren, als er mit seinem Mercedes SLS AMG mit 290 km/h über die Autobahn donnerte.

Das Ergebnis: Eine vorläufige Strafe von rund 1,02 Millionen Franken. Das ist kein Tippfehler. Für diesen Betrag bekommt man in manchen Gegenden Deutschlands ein Haus mit Garten und Doppelgarage — oder eben ein sehr teures Schwarz-Weiß-Foto von der Schweizer Kantonspolizei.

Die Schweizer Logik dahinter: Eine Strafe soll wehtun. Und wenn ein Multimillionär 200 Euro zahlt, ist das für ihn wie für uns ein verlorener Pfennig im Sofaschlitz. Bei einer Viertelmillion hingegen fängt auch der reichste Gasfuß an zu zittern. Also: Wenn du das nächste Mal durch die Alpenrepublik fährst, stell den Tempomat ein. Es sei denn, du hast gerade im Lotto gewonnen und weißt nicht, wohin mit dem Geld.

05 — Google fragt

„Warum grüßen sich Jeep-Fahrer (und andere) eigentlich?“
Vom „Jeep Wave“ und dem geheimen Kodex der Straßengemeinschaften

Die Frage: Wer zum ersten Mal in einem Jeep Wrangler, einem Land Rover Defender oder einer Corvette sitzt, wundert sich: Warum winkt mir der Typ da entgegen, als wären wir seit der Grundschule beste Freunde?

Die Realität: Es ist der „Secret Handshake“ der Straße. Der „Jeep Wave“ ist dabei die bekannteste Zeremonie. Es gibt sogar inoffizielle Hierarchien: Wer den älteren, dreckigeren oder modifizierteren Jeep fährt, wird zuerst gegrüßt. Es ist eine Anerkennung der gemeinsamen Leidensfähigkeit (Stichwort: Komfort eines Backsteins) und des gleichen Lebensgefühls.

Wer macht das noch? Busfahrer grüßen sich fast immer (Solidarität im 12-Stunden-Schicht-Dschungel), Motorradfahrer sowieso (außer man fährt die „falsche“ Marke), und auch Fahrer von Mazda MX-5 oder Alfa Romeo pflegen oft diese kleinen Gesten. Sogar Elektroauto-Pioniere grüßten sich früher — bis es zu viele wurden und man vor lauter Winken nicht mehr ans Lenkrad kam.

Warum tun wir das? Weil wir im Auto oft anonym und isoliert sind. Ein kurzer Gruß sagt: „Ich sehe dich, du hast den gleichen (guten oder fragwürdigen) Geschmack wie ich.“ Es ist die kleinste Form der Clubmitgliedschaft, ganz ohne Beitrag, aber mit viel gutem Gefühl.

Unser Urteil
Einfach zurückwinken — es macht die Welt ein bisschen freundlicher.

06 — Kolumne


Der Ingenieur
Die Touchscreen-Tyrannei: Warum ich für einen Knopf töten würde

Ich gestehe: Ich bin ein haptischer Mensch. Ich mag es, wenn Dinge klicken, einrasten oder einen spürbaren Widerstand leisten. Aber wenn ich mir moderne Cockpits ansehe, habe ich das Gefühl, die Innenarchitekten hätten eine heimliche Affäre mit Tablet-Herstellern. Alles ist glatt, alles ist schwarz, alles ist… ein Touchscreen.

Wisst ihr, was man blind bedienen kann? Einen Drehregler für die Lautstärke. Einen Kippschalter für die Klimaanlage. Wisst ihr, was man NICHT blind bedienen kann? Ein Untermenü auf einem 15-Zoll-Monitor, für das man den Blick für drei Sekunden von der Straße nehmen muss, während man mit 130 km/h über die Autobahn brettert. Das ist kein Fortschritt, das ist ein Sicherheitsrisiko, das als „Clean Design“ getarnt wird.

Ein Touchscreen im Auto zu bedienen, ist wie der Versuch, auf einem fliegenden Teppich während eines Erdbebens eine SMS zu schreiben. Man tippt daneben, landet im Menü für die Sitzmassage, obwohl man nur die Heckscheibenheizung wollte, und hinterlässt dabei fettige Fingerabdrücke, die im Sonnenlicht aussehen wie ein Tatort-Beweismittel.

Gute Ingenieurskunst bedeutet, die Interaktion so intuitiv wie möglich zu machen. Ein physischer Knopf hat ein Gedächtnis — dein Finger findet ihn ohne Hilfe deiner Augen. Ein Screen ist eine seelenlose Glasfläche. Liebe Autohersteller: Gebt uns die Knöpfe zurück! Wir versprechen auch, sie „Vintage-Haptik-Interfaces“ zu nennen, wenn das eurem Marketing hilft.

07 — Zahl des Tages

51
So viele Grand-Prix-Siege feierte Alain Prost in seiner Karriere.

Lange Zeit war dies der absolute Weltrekord, der als unerreichbar galt — bis ein gewisser Michael Schumacher kam. In der Ära von Prost gab es deutlich weniger Rennen pro Saison als heute, was die Zahl noch beeindruckender macht. Heute fahren Piloten 24 Rennen im Jahr; Prost brauchte für seine 51 Siege strategische Brillanz und ein Auto, das die Ziellinie erreichte. Qualität vor Quantität — ganz der Professor eben.

08 — Ausblick auf morgen

Was morgen in der Autowelt passiert
Mittwoch, 25. Februar 2026

Happy 80, Jean Todt: Vom Rallye-Beifahrer zum Ferrari-Architekten und FIA-Präsidenten – warum kaum jemand die moderne Motorsport-Politik so geprägt hat wie der stille Franzose mit dem eisernen Kalender.

Frankreich auf vier Rädern: Morgen jährt sich die Gründung von Renault Frères zum 127. Mal. Von der Voiturette zum Backenturbo – wir schauen auf die verrücktesten Renault-Ideen, die es wirklich in die Serie geschafft haben.

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