Wir haben den kompletten Unfallatlas der Statistischen Ämter aufbereitet: 2.371.026 Verkehrsunfälle mit Personenschaden aus den Jahren 2016 bis 2025, jeder einzelne punktgenau verortet — und ab sofort für jeden durchsuchbar. Auf unserer neuen Unfallkarte Deutschland genügt eine Postleitzahl, um die Unfallschwerpunkte der eigenen Umgebung zu sehen, filterbar nach Jahr, Beteiligten und Schwere. Bevor du selbst suchst: Die bundesweite Auswertung der Daten fördert Muster zutage, die man kennen sollte. Vier Befunde.
Unfallhäufungen im gewählten Umkreis
Häufungen zeigen Stellen mit vielen erfassten Unfällen. Ohne Bezug zur Verkehrsmenge ist das keine Rangliste der gefährlichsten Orte.
Befund 1: Die Rushhour ist die Crashhour — auch bei den tödlichen Unfällen
Die gefährlichste Zeit auf deutschen Straßen ist nicht die Nacht, nicht der Berufsverkehr am Morgen — es ist der Nachmittag. Zwischen 15 und 18 Uhr ereignet sich gut jeder vierte Unfall mit Personenschaden, die Spitzenstunde ist 16 bis 17 Uhr. Der Morgenverkehr kommt nicht annähernd heran: Die Stunde ab 7 Uhr liegt rund 30 Prozent unter der Nachmittagsspitze. Die Erklärung liefert der Verkehr selbst — abends verteilt sich der Berufsverkehr auf mehr Stunden, mischt sich mit Einkaufs-, Freizeit- und Schulwegen, und die Konzentration lässt nach einem Arbeitstag nach.
Bemerkenswert dabei: Auch die tödlichen Unfälle häufen sich am Nachmittag, nicht in der Nacht. Die Stunden 15 bis 16 und 17 bis 18 Uhr führen die Statistik gemeinsam an. Wer nachts unterwegs ist, hat also statistisch weniger Unfälle um sich — aber, dazu gleich mehr, die gefährlicheren.
Befund 2: Der Freitag ist der unfallreichste Tag
Über zehn Jahre summiert sich der Freitag auf 385.304 Unfälle — mehr als jeder andere Wochentag und über 70 Prozent mehr als der Sonntag, der mit 224.252 Unfällen der mit Abstand ruhigste Tag ist. Das Muster ist plausibel: Freitags überlagern sich Berufsverkehr, Wochenendeinkäufe und der Start in den Kurzurlaub. Der Sonntag profitiert vom ruhenden Berufs- und Lkw-Verkehr. Wer Fahrten flexibel legen kann, hat hier einen simplen Hebel.
Befund 3: Bei Dunkelheit endet ein Unfall anderthalbmal so oft tödlich
Nur 18,9 Prozent aller Unfälle passieren bei Dunkelheit — aber 26,2 Prozent der tödlichen. Rechnet man das auf das Risiko um, wird die Schere deutlich: Von den Unfällen bei Tageslicht endet knapp jeder hundertneunte tödlich (0,88 Prozent), bei Dunkelheit jeder vierundsiebzigste (1,35 Prozent). Ein Unfall im Dunkeln endet damit rund anderthalbmal so oft tödlich wie einer bei Tageslicht. Höhere Geschwindigkeiten auf leeren Straßen, längere Reaktionswege, unbeleuchtete Landstraßen — die Nacht verzeiht weniger. Auf der Karte lässt sich das nachvollziehen: Der Filter unterscheidet Tageslicht, Dämmerung und Dunkelheit.
Befund 4: Radunfälle steigen, Pkw-Unfälle sinken
Der deutlichste Trend im Datensatz betrifft das Fahrrad. Vergleicht man die vollständig erfassten Jahre 2019 und 2025, stieg die Zahl der Unfälle mit Radbeteiligung von 74.549 auf 89.521 — ein Plus von 20 Prozent, mit 2025 als neuem Höchststand. Im selben Zeitraum gingen Unfälle mit Pkw-Beteiligung um 8 Prozent zurück. Inzwischen hat fast jeder dritte Unfall mit Personenschaden in Deutschland Fahrradbeteiligung (32,8 Prozent; 2019: 27,8 Prozent). Mehr Menschen fahren Rad, mehr fahren Pedelecs mit höherem Tempo — die Infrastruktur hält vielerorts nicht Schritt. Unfälle mit Fußgängern und Krafträdern blieben im gleichen Zeitraum weitgehend stabil.
| Jahr | Unfälle gesamt | davon tödlich | mit Radbeteiligung |
|---|---|---|---|
| 2019 | 268.370 | 2.590 | 74.549 |
| 2020 | 237.994 | 2.371 | 78.187 |
| 2021 | 238.826 | 2.290 | 77.316 |
| 2022 | 256.492 | 2.402 | 82.052 |
| 2023 | 269.048 | 2.529 | 87.180 |
| 2024 | 268.519 | 2.458 | 86.543 |
| 2025 | 273.007 | 2.477 | 89.521 |
Die Tabelle zeigt nebenbei die Corona-Delle: 2020 und 2021 sanken die Unfallzahlen spürbar — weniger Verkehr, weniger Unfälle. Seit 2022 liegt das Niveau wieder auf Vor-Pandemie-Höhe. Und ein Randbefund für alle Zweiradfahrer: Die Motorradunfälle folgen einem strengen Saisonrhythmus — der Juni ist mit knapp sechsmal so vielen Kraftrad-Unfällen wie der Januar der gefährlichste Monat der Saison.
Was die Daten können — und was nicht
Damit die Zahlen richtig eingeordnet werden, drei Hinweise zur Methodik. Erstens zählt der Unfallatlas ausschließlich polizeilich erfasste Unfälle mit Personenschaden — reine Blechschäden fehlen. Zweitens zählen wir tödliche Unfälle, nicht Verkehrstote: Bei einem Unfall können mehrere Menschen sterben, weshalb unsere Werte systematisch etwas unter den amtlichen Opferzahlen liegen. Drittens sind die frühen Jahrgänge 2016 bis 2018 regional unvollständig, weil nicht alle Bundesländer von Beginn an georeferenzierte Daten geliefert haben — Jahresvergleiche ziehen wir deshalb erst ab 2019. Und grundsätzlich gilt für jede Karte dieser Art: Wo viele Unfälle passieren, fährt meist auch der meiste Verkehr. Häufung ist nicht dasselbe wie Gefährlichkeit.
Selbst erkunden
Alle 2,37 Millionen Unfälle stehen ab sofort auf der Unfallkarte Deutschland bereit — Postleitzahl eingeben, Umkreis wählen, filtern. Die vertiefte Analyse mit weiteren Auswertungen findest du in unserem Unfall-Report 2026 in der Rubrik Automobil-Studien. Die Karte wird jährlich um den neuen Jahrgang ergänzt.
Datenquelle: Unfallatlas, Statistische Ämter des Bundes und der Länder (Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0), Jahrgänge 2016–2025. Auswertung und Aufbereitung: automobile-news.de. Alle Angaben beziehen sich auf Unfälle mit Personenschaden.
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