Osnabrück, März 2026. Knapp achtzig Jahre nach Kriegsende hat Volkswagen die Lösung für seine Existenzkrise gefunden: Rüstung. Wobei – nein, natürlich nicht Rüstung. Niemals. Man produziere schließlich keine Waffen. Das wurde unmissverständlich klargestellt. Nur vielleicht Lastwagen, die Raketenwerfer transportieren. Und Generatoren. Für das Iron Dome System. Aber das ist natürlich etwas völlig anderes.
Das Werk Osnabrück – 2.300 Jobs, ein Cabrio, keine Zukunft
Das Werk Osnabrück produziert bis 2027 noch T-Roc Cabrios – ein Auto, das ungefähr so zukunftsfähig ist wie ein Faxgerät. Danach: nichts. Rheinmetall wollte das Werk kaufen, scheiterte Ende letzten Jahres. Jetzt kommt Rafael. Deutschland rüstet ohnehin auf, die Rüstungsindustrie boomt, und VW hat Hallen, Maschinen und Facharbeiter, die MAN schon Jahrzehnte lang Militär-LKW bauen. Der Umbau, so heißt es, wäre „vergleichsweise gering“ und in zwölf bis achtzehn Monaten realisierbar. Einzige Bedingung: die Belegschaft muss zustimmen. Jene 2.300 Menschen, die in der Zeitung lesen, was mit ihrer Zukunft passieren könnte.

Oliver Blume spricht. Sagt aber nichts.
Der Konzern ist „im Dialog mit verschiedenen Marktteilnehmern“ bezüglich des Werks Osnabrück. So nennt man das heute. Dialog. Mit Rafael Advanced Defense Systems. Den Leuten, die den Iron Dome bauen. Oliver Blume sprach von „Gesprächen mit Sicherheitsunternehmen“, von „Offenheit für neue Lösungen“, von „Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern“. Was er nicht sagte: irgendetwas Konkretes. Irgendetwas, das man festhalten, überprüfen oder gar einfordern könnte. Das Bundesverteidigungsministerium lehnte eine Stellungnahme ab. Rafael auch. Volkswagen bestätigte nichts, dementierte nichts. Dafür stieg die VW-Aktie am Mittwochvormittag um 1,3 Prozent. Der Markt hat eine Meinung. Die Arbeiter haben eine Existenzangst. Die Verantwortlichen haben: eine Pressemitteilung.
Achtzig Jahre später: Déjà-vu in der Fertigungshalle
Man stelle sich das kurz vor: Iron Dome over Wolfsburg. Das hätte in den 1940ern tatsächlich ganz praktisch sein können – damals baute VW nämlich schon mal eifrig für die Rüstungsindustrie. Tragflächen für die Ju 88. Kübelwagen für die Wehrmacht. Aber das ist Geschichte, und Geschichte interessiert bei VW traditionell niemanden, solange die Quartalsberichte stimmen.
Volkswagen produziere „keine Waffen“, betont der Konzern. Nur Lkw, die Raketensysteme transportieren. Nur Generatoren, die Abfangraketen mit Strom versorgen. Nur Werfer. Alles drumherum, quasi. Das Messer, nicht die Klinge.
Achtzig Jahre nach Kriegsende baut Volkswagen vielleicht wieder Rüstungsteile. Natürlich nur die harmlosen. Und selbstverständlich hat man noch nichts entschieden. Man ist im Dialog.
Wie damals.
Quellen:
- Financial Times: Volkswagen in talks with Rafael over Iron Dome production (Originalquelle, Paywall)
- Euronews: From cars to air defence: Will Volkswagen soon be producing parts for Israel’s Iron Dome?
- The Jerusalem Post: Volkswagen in talks with Rafael to manufacture Iron Dome parts
- Haaretz: Report: Volkswagen in Talks With Israeli Arms Maker to Produce Iron Dome Parts at German Plant
- Wirtschaftswoche: Werk Osnabrück: VW könnte laut Medienbericht Teile für Iron Dome fertigen
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