Erinnert ihr euch noch an unseren Artikel vom letzten November? Damals schrieben wir unter der Überschrift „Dein Auto gehört dir nicht mehr“:
„Ein Auto ist Freiheit. Ein Abo ist Fesselung. (…) Das Bremsen-Abo: ‚Sie nähern sich einem Stauende. Möchten Sie für 0,99 € die volle Bremskraft freischalten?'“
Wir haben damals ein bisschen gelacht. Wir dachten, wir übertreiben bewusst, um wachzurütteln. Tja. Das Lachen ist uns gerade im Hals stecken geblieben – und zwar tiefgefroren.
Das „Komfortpaket“ des Grauens
Aktuell kursieren Bilder in diversen Elektroauto-Foren und auf X, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen (buchstäblich, denn die Heizung geht ja nicht). Sie stammen offensichtlich aus einem aktuellen VW-Modell – die Benutzeroberfläche deutet stark auf einen VW ID.7 oder ein aktuelles Facelift-Modell mit der Software 4.0 hin.
Ein Nutzer zeigt dort eine Fehlermeldung, die gnadenlos auflistet, was gerade alles deaktiviert wurde, weil offenbar das Abo abgelaufen ist oder der Server streikt:
- ❌ Lenkradheizung
- ❌ Frontscheibenheizung (Sicherheitsrelevant!)
- ❌ Navigation
- ❌ Induktive Ladefunktion
- ❌ Klimaanlage „Air Care Climatronic“
Der freundliche Hinweis am Ende: „Sie können die Funktionen im Shop erneut erwerben.“ Danke, VW. Sehr großzügig.
Dieser VW-Fahrer hat sich in seinen ID.7 gesetzt und festgestellt, dass die bereits bezahlte Sitzheizung, die Lenkradheizung, das Navi und weitere Funktionen ab jetzt 45 Euro / Monat kosten.
— Al e𝕏ander (@teslaxander) January 23, 2026
Folge 325 von: »Wer keinen Tesla kauft, hat den IQ-Test nicht bestanden.« pic.twitter.com/ciBfB1qVfP
449 Euro pro Jahr – oder frieren
Noch schockierender ist das zweite Bild, das die Preisgestaltung dieses sogenannten „Komfortpakets“ zeigt. Haltet euch fest:
- 1 Monat: 44,90 €
- 1 Jahr: 449,00 €
Ihr habt richtig gelesen. Fast 450 Euro im Jahr, damit die Hardware, die ihr beim Autokauf bereits physisch mitbezahlt und durch die Gegend fahrt, auch ihren Dienst tut.
Besonders absurd: Im Kleingedruckten warnt das System, dass beim Kauf über Mobilfunk „Roaming-Gebühren“ entstehen können. Wir sind im Jahr 2026, das Auto kostet Liste wahrscheinlich über 60.000 Euro, aber VW warnt vor Roaming-Gebühren beim Buchen der Heizung? Satire darf alles, aber das hier ist Realität.
Warum das eine neue Eskalationsstufe ist
In unserem Artikel vom November 2025 haben wir BMWs „Sitzheizungs-Versuch“ kritisiert. Aber was wir hier sehen, geht einen Schritt weiter.
Hier wird nicht nur „Luxus“ abgeschaltet. Eine Frontscheibenheizung sorgt im Winter für freie Sicht. Eine Klimaanlage ist essenziell für die Konzentration und Sicherheit. Das sind keine „Premium-Features“, das ist Basis-Ausstattung, die früher im Kaufpreis („Highline“ oder „Business Paket“) enthalten war. Jetzt wird daraus eine ewige Miete.
Hardware besitzen, Software mieten?
Wir bleiben bei unserer Meinung: Es ist Wegelagerei. Die Heizdrähte in der Frontscheibe sind verbaut. Das Kupfer, das Glas, die Steuerelektronik – alles wurde produziert (CO2-Rucksack inklusive!), transportiert und verbaut. Es ist Ressourcenverschwendung par excellence, diese Hardware spazieren zu fahren, aber per Software stillzulegen, nur weil die Überweisung von 44,90 € fehlt.
Fazit: Falls ihr noch Beweise brauchtet, dass wir uns auf dem Weg zum „Auto als Service-Terminal“ befinden: Hier sind sie. Wer jetzt einen Neuwagen kauft, sollte im Vertrag ganz genau lesen, was ihm wirklich gehört – und was er nur mietet.
👉 Lest hier unsere ausführliche Analyse von damals: Dein Auto gehört dir nicht mehr – Die große Abo-Falle
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