Der ZEEKR 001 sieht aus wie ein Porsche Taycan Sport Turismo, der ein paar Monate im Fitnessstudio verbracht hat. Er bietet bis zu 544 PS, einen 100-kWh-Akku, viel Platz und eine Ausstattung, für die deutsche Hersteller gerne noch einmal den Gegenwert eines Kleinwagens berechnen. Doch ausgerechnet im Jahr 2026 wirkt der große Elektro-GT technisch nicht mehr ganz taufrisch. Ist der 001 trotzdem das unterschätzte Schnäppchen unter den Luxus-Stromern?
Es gibt Autos, bei denen man nach fünf Minuten weiß, was die Marketingabteilung damit vorhat. Der ZEEKR 001 ist so ein Fall.

Flache Fenster, breites Kreuz, rahmenlose Türen, mächtige Räder und ein Heck, das irgendwo zwischen Shooting Brake, Sportkombi und sehr selbstbewusstem Fließheck rangiert. Ein bisschen Porsche Taycan Sport Turismo, eine Prise Lynk & Co und hinten gerade genug Kombi, damit der Familienvater den Kauf vor sich selbst rechtfertigen kann.
Nur billig sieht der ZEEKR nicht aus. Und billig ist er mit einem Einstiegspreis von derzeit 59.990 Euro auch nicht. Er kostet allerdings rund 43.500 Euro weniger als ein Porsche Taycan Sport Turismo, der in Deutschland bei 103.500 Euro startet. „Halber Preis“ ist mathematisch etwas großzügig formuliert – aber als Stammtischrechnung nach dem zweiten Bier geht es durch.
Die viel wichtigere Frage lautet ohnehin: Steckt unter dem schicken Blech wirklich europäisches Premium – oder nur sehr viel Akku, Leistung und chinesische Software mit leichtem Erziehungsauftrag?
Was ist ZEEKR überhaupt?
ZEEKR gehört zum Geely-Konzern, also zu jenem chinesischen Autoreich, unter dessen Dach unter anderem Volvo, Polestar und Lynk & Co versammelt sind. Der 001 ist deshalb kein zusammengewürfelter Newcomer aus einer unbekannten Hinterhofmanufaktur. Er basiert auf der modularen SEA-Plattform des Konzerns und wurde maßgeblich im schwedischen Göteborg gestaltet. Das erklärt, warum er eher nach skandinavischem Designstudio als nach rollender Karaoke-Bar aussieht.
In China ist der 001 bereits seit mehreren Jahren unterwegs. Deutschland kam deutlich später dran: Der offizielle Marktstart erfolgte Ende 2025, die ersten regulären Auslieferungen liefen Anfang 2026 an. Verkauft wird überwiegend direkt über ZEEKR, während Wartung und Reparaturen über zertifizierte Servicepartner abgewickelt werden.
ZEEKR 001: Die wichtigsten Daten
| Merkmal | Long Range RWD | Performance AWD | Privilege AWD |
|---|---|---|---|
| Antrieb | Hinterradantrieb | Allradantrieb | Allradantrieb |
| Leistung | 200 kW / 272 PS | 400 kW / 544 PS | 400 kW / 544 PS |
| WLTP-Reichweite | bis 620 km | bis 594 km | bis 585 km |
| 0–100 km/h | rund 7 Sekunden | 3,8 Sekunden | 3,8 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 200 km/h | 200 km/h | 200 km/h |
| Batterie | 100 kWh | 100 kWh | 100 kWh |
| DC-Ladeleistung | bis 200 kW | bis 200 kW | bis 200 kW |
| AC-Ladeleistung | 22 kW | 22 kW | 22 kW |
| Kofferraum | 539 Liter | 539 Liter | 539 Liter |
Der 001 misst 4,96 Meter in der Länge, besitzt knapp drei Meter Radstand und ist einschließlich Außenspiegel 2,23 Meter breit. Das ist kein kompakter Kombi, sondern eine elektrische Staatslimousine in Freizeitkleidung. In engen Altstadtparkhäusern wird aus dem eleganten Shooting Brake deshalb schnell ein fein ausgestatteter Schweißtreiber.
Design: Ein Kombi für Menschen, denen Kombis zu vernünftig sind
Beim ersten Blick macht der ZEEKR 001 vieles richtig. Die Proportionen stimmen, die Karosserie liegt satt auf der Straße und trotz fast fünf Metern Länge wirkt das Auto nicht wie ein elektrischer Lieferwagen mit durchgedrücktem Kreuz.
Flache Scheiben, rahmenlose Türen, eine lange Dachlinie und das breite Heck ergeben jene Mischung aus Shooting Brake, Gran Turismo und kräftig gebautem Kombi, die deutsche Hersteller gerne mit einem sehr langen Aufpreiszettel versehen. Besonders gelungen ist das Heck: breit, sauber gezeichnet und erfreulich frei von jenem SUV-Rucksack, den Designer derzeit selbst Autos umschnallen, die niemals einen Feldweg sehen werden.

Dass der 001 ausgesprochen europäisch wirkt, ist kein Zufall. Seine Geschichte begann nicht in einem anonymen chinesischen Großraumbüro, sondern im Göteborger Designstudio von Lynk & Co. Dort wurde er zunächst als Lynk & Co Zero Concept entwickelt und im September 2020 vorgestellt. Erst danach entschied Geely, das Auto zum ersten Modell der neu gegründeten Premiummarke ZEEKR zu machen.
Der damalige globale Designchef des Geely-Konzerns war der frühere Volvo-Designer Peter Horbury. Sein internationales Team hatte Lynk & Co zuvor bereits eine eigenständige, bewusst unchinesisch wirkende Formensprache gegeben. Der 001 trägt dieses Erbe bis heute deutlich sichtbar: vor allem an der Front mit ihren zweigeteilten Leuchten, die ihn beinahe wie einen Lynk & Co auf dem Weg zum Opernball aussehen lässt.
An dieser Stelle lohnt sich eine kleine Korrektur zu einer häufig erzählten Geschichte. Der deutsche Designer Stefan Sielaff wird gern als Schöpfer des ZEEKR 001 bezeichnet. Das klingt wunderbar – ehemaliger Audi- und Bentley-Designchef zeichnet in Schweden einen chinesischen Porsche-Jäger –, kann zeitlich aber nicht stimmen.
Der 001 stand bereits fertig auf der Bühne, als Sielaff im September 2021 zu Geely wechselte. Das Zero Concept war sogar schon ein Jahr zuvor gezeigt worden. Sielaff ist daher nicht der Vater des ursprünglichen 001, sondern gewissermaßen der Mann, der dessen Familie anschließend neu sortierte.
Als Vice President of Global Design übernahm er in Göteborg die gestalterische Verantwortung für mehrere Geely-Marken, darunter ZEEKR und Lynk & Co. Eine seiner ersten Aufgaben bestand darin, beide Marken optisch stärker voneinander zu trennen. Denn der 001 sah zwar gut aus, trug aber noch sehr deutlich die Gesichtszüge seiner ursprünglich vorgesehenen Lynk-&-Co-Verwandtschaft.
Unter Sielaff entwickelte ZEEKR deshalb später die Designphilosophie „Hidden Energy“. Dahinter steckt die Idee, technische Kraft nicht mit immer größeren Lufteinlässen, Spoilern und optischem Muskelspiel herauszuschreien, sondern in einer möglichst ruhigen, präzisen Karosserie zu verstecken. Besonders konsequent erschien diese Linie erstmals beim ZEEKR 007 und anschließend bei Modellen wie dem 7X und dem MIX.
Der 001 steht damit zwischen zwei Designzeitaltern der Marke. Er ist noch kein reiner Sielaff-ZEEKR, sondern ein stilistisch interessanter Übergang: geboren als Lynk & Co, umgetauft zum ZEEKR und später zum Aushängeschild einer Marke gemacht, deren eigene Identität erst noch entstehen musste.
Das erklärt auch, warum er heute eigenständig und gleichzeitig merkwürdig vertraut wirkt. In der Silhouette steckt etwas Porsche Panamera Sport Turismo, in der Front viel Lynk & Co und in den Proportionen jene skandinavische Zurückhaltung, die man im Geely-Konzern seit der Übernahme von Volvo recht gut beherrscht.
Ob der 001 wirklich ein Shooting Brake ist, darüber dürfen sich Menschen streiten, die auch den Unterschied zwischen Coupé-SUV und SUV-Coupé für gesellschaftlich relevant halten. Praktisch betrachtet ist er ein großes Fließheck mit weit öffnender Heckklappe und ordentlichem Gepäckraum.
Die 539 Liter reichen für Urlaubsgepäck, Kinderwagen oder einen größeren Hund. Ein Škoda Superb ist geräumiger, ein Porsche Taycan Sport Turismo aber längst nicht so praktisch, wie seine Kombiform verspricht. Der ZEEKR liegt dazwischen: mehr Lifestyle als Lastesel, aber keineswegs nur schöne Verpackung.
Und vielleicht ist gerade das sein größter gestalterischer Erfolg: Der 001 sieht nicht nach einem Auto aus, das gekauft wurde, weil es vernünftig ist. Er ist aber vernünftiger, als er aussieht.
Innenraum: Premium ist hier mehr als ein Aufkleber
Die eigentliche Überraschung wartet hinter den rahmenlosen Türen. Materialqualität und Verarbeitung gehören zu den stärksten Seiten des ZEEKR 001.
Weiche Oberflächen, sauber gesetzte Nähte, solide Schalter und eine insgesamt hochwertige Anmutung lassen viele Vorurteile über chinesische Autos ziemlich alt aussehen. Auch unabhängige Tester beschreiben den Innenraum als mindestens auf Augenhöhe mit Volkswagen und teilweise näher an Volvo oder Polestar, als es deutschen Premiumherstellern lieb sein dürfte.
Vorne sitzt man großzügig, hinten beinahe verschwenderisch. Der lange Radstand schafft reichlich Beinfreiheit, und auch große Passagiere müssen ihre Knie nicht um die Ohren tragen. Die leicht erhöhte Sitzposition passt zum Gran-Turismo-Charakter, ohne dass man sich wie auf einem Barhocker fühlt.

Das Spitzenmodell Privilege verwöhnt zusätzlich mit belüfteten und massierenden Vordersitzen, Yamaha-Soundsystem und Luftfederung. Die günstigeren Varianten kommen konventioneller daher, sind aber keineswegs karg ausgestattet.
Vor dem Fahrer sitzt ein 8,8-Zoll-Instrumentendisplay, ergänzt durch ein großes Head-up-Display. In der Mitte thront ein 14,6-Zoll-Touchscreen. Sogar die Fondpassagiere bekommen ein eigenes 7,7-Zoll-Bedienfeld.
Das klingt beeindruckend. Es bedeutet allerdings auch: Wer im Auto gerne Knöpfe drückt, statt durch Untermenüs zu wischen, wird hier nicht uneingeschränkt glücklich.
Bedienung: Wo Premium endet und das Tablet beginnt
Die Grundfunktionen lassen sich erlernen, doch intuitiv ist nicht alles. Viele Einstellungen liegen im Zentraldisplay, manche Menüs wirken unnötig verschachtelt und selbst simple Anpassungen können mehr Aufmerksamkeit verlangen, als es während der Fahrt vernünftig wäre.
Goodwood bezeichnete die Bedienung sinngemäß als haarsträubend fummelig. Das ist hart formuliert, aber nicht völlig aus der Luft gegriffen. Der 001 ist kein digitales Desaster, doch er gehört zu jener Generation moderner Autos, in denen eine hübsche Bildschirmgrafik gelegentlich wichtiger war als die Frage, ob man die gewünschte Funktion blind bedienen kann.
Hinzu kommt ein Detail, das den technischen Altersunterschied innerhalb der Modellpalette zeigt: Der 001 besitzt lediglich die ältere Bluetooth-basierte Version des digitalen Fahrzeugschlüssels. Neuere Modelle wie ZEEKR 7X und 7GT verwenden bereits Digital Key 3.0 mit präziserer UWB-Technik.
Das ist kein Kaufhindernis. Es zeigt aber, dass der 001 nicht mehr das jüngste Kind der Familie ist – eher der erfolgreiche Erstgeborene, der noch stolz sein iPhone von vor drei Generationen benutzt.
Fahren: Brutal schnell, erstaunlich bequem – aber kein Porsche
Beim Fahren muss man zunächst zwei Dinge auseinanderhalten: Geschwindigkeit und Sportlichkeit sind nicht dasselbe.
Die beiden Allradversionen leisten 400 kW beziehungsweise 544 PS und stemmen 686 Newtonmeter auf die Straße. Der Sprint von null auf 100 km/h dauert 3,8 Sekunden. Das ist schnell genug, um den Beifahrer schlagartig an seine unerledigten Angelegenheiten zu erinnern.
Das Auto wechselt bei Bedarf innerhalb von weniger als einer halben Sekunde vom Heck- in den Allradantrieb. Die Kraft kommt unmittelbar, aber nicht völlig unkontrolliert. Auf trockener Straße schiebt der 001 mit jener mühelosen Gewalt an, die früher Supersportwagen vorbehalten war und heute zum Standardprogramm gehobener Elektro-Familienautos gehört.
Doch 2,3 Tonnen verschwinden nicht, nur weil ein Elektromotor sehr kräftig daran zieht.
In Kurven bleibt der ZEEKR lange neutral und sicher. Die Lenkung arbeitet leicht und ausreichend präzise, liefert aber wenig Rückmeldung. Wer einen Taycan erwartet, wird spätestens auf der ersten anspruchsvollen Landstraße daran erinnert, dass Porsche sein Geld nicht nur für das Wappen verlangt.
Auch das Bremspedal und der Übergang zwischen Rekuperation und mechanischer Bremse wurden in mehreren Tests nicht als Klassenmaßstab beschrieben. Das Auto lässt sich schnell bewegen, animiert aber weniger zum Kurvenräubern als zum sehr zügigen Reisen.

Der Long Range RWD ist vermutlich die klügere Wahl
So verführerisch 544 PS auf dem Datenblatt wirken: Die 272 PS des Hecktrieblers reichen im Alltag vollkommen aus. Er fährt harmonischer, kommt weiter und passt besser zum eigentlichen Wesen des Autos.
Der ZEEKR 001 ist kein elektrischer 911. Er ist ein großer, komfortabler Gran Turismo. Wer ihn entsprechend konfiguriert, erhält das stimmigere Auto.
Die Allradversion lohnt sich vor allem für Käufer, die maximale Beschleunigung, höhere Traktion oder eine Anhängelast von bis zu zwei Tonnen benötigen. Wer den besten Komfort sucht, muss wiederum zum Privilege greifen, denn nur dort gehört die aktive Luftfederung zur Ausstattung.
Fahrkomfort: Der eigentliche Trumpf
Auf der Autobahn spielt der ZEEKR seine Stärken aus. Der lange Radstand, die gute Geräuschdämmung und die entspannte Leistungsentfaltung machen ihn zum überzeugenden Reisewagen.
Mit der Luftfederung gleitet der Privilege gelassen über lange Bodenwellen. Kurze, harte Unebenheiten und die großen 22-Zoll-Räder können allerdings gelegentlich durchschlagen. Frühere Tests beschrieben die Abstimmung teilweise als etwas weich oder nachschwingend. Die Urteile über die Abstimmung fallen je nach Testwagen unterschiedlich aus. Dabei dürften neben Softwareständen vor allem die gewählte Fahrwerksversion, die Felgengröße und die Bereifung eine Rolle spielen.
Auch das Standardfahrwerk wurde vom ADAC als fein abgestimmt und komfortabel beurteilt. Wer nicht unbedingt die größten Räder benötigt, dürfte mit kleineren Felgen sogar das harmonischere Gesamtpaket erhalten.
Verbrauch und Praxisreichweite: 620 Kilometer stehen nicht jeden Morgen vor der Tür
Der Long Range RWD wird mit bis zu 620 Kilometern WLTP-Reichweite angegeben. Die Allradmodelle schaffen je nach Ausstattung 585 beziehungsweise 594 Kilometer. Das sind respektable Werte, aber wie immer gilt: WLTP ist eine Vergleichsmessung, kein notariell beglaubigtes Reichweitenversprechen.
In unabhängigen Fahrberichten liegt der Praxisverbrauch je nach Antrieb und Fahrprofil ungefähr zwischen 18 und gut 22 kWh pro 100 Kilometer; bei hohem Autobahntempo, Kälte oder großen Rädern kann er darüber liegen. Zu beachten ist außerdem, dass von den nominell 100 kWh rund 94 kWh nutzbar sind. Damit sind unter normalen Bedingungen etwa 400 bis 500 Kilometer möglich – beim Hecktriebler und ruhiger Fahrt eher am oberen, bei den Allradversionen und schneller Autobahnfahrt eher am unteren Ende.
EV Database kalkuliert für den Hecktriebler bei konstanten 110 km/h ungefähr 465 Kilometer im Sommer und 365 Kilometer bei winterlicher Kälte. Wer auf einer freien deutschen Autobahn regelmäßig 150 oder 160 km/h fährt, sollte entsprechend weniger einplanen.
Für ein fast fünf Meter langes, mehr als zwei Tonnen schweres Auto ist das ordentlich. Ein Effizienzwunder ist der 001 dennoch nicht. Er löst das Reichweitenproblem in erster Linie mit einem großen Akku – durchaus erfolgreich, aber eben eher mit der Keule als mit dem Skalpell.
Laden: 22 kW sind klasse, 200 kW inzwischen nur noch Mittelmaß
An der heimischen oder öffentlichen AC-Säule kann der ZEEKR mit 22 kW laden. Das ist ein echter Vorteil, denn viele Konkurrenten beschränken sich serienmäßig weiterhin auf 11 kW. Unter optimalen Bedingungen lässt sich der große Akku damit in ungefähr fünf Stunden weitgehend füllen.
Auf Langstrecke sind bis zu 200 kW Gleichstrom möglich. ZEEKR nennt etwa 30 Minuten für den Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent. Das ist brauchbar, aber 2026 nicht mehr beeindruckend.
Und hier beginnt das eigentliche Problem des 001.
Der neue ZEEKR 7GT bietet bereits ein 800-Volt-System, je nach Batterie bis zu rund 450 kW Ladeleistung und soll zehn bis 80 Prozent in etwa 15 Minuten schaffen. Auch der ZEEKR 7X lädt mit bis zu 360 kW und benötigt unter Idealbedingungen nur rund 13 Minuten. Beide Modelle sind technisch eine Generation weiter.
Das führt zu einer einigermaßen absurden Situation: Der große, repräsentative 001 ist innerhalb der eigenen Marke nicht mehr der Ladechampion. Der jüngere und teilweise günstigere Bruder fährt ihm an der Schnellladesäule davon, bevor der 001 seinen Kaffee überhaupt abgekühlt hat.
Wer hauptsächlich zu Hause lädt und nur gelegentlich Langstrecke fährt, wird damit leben können. Vielfahrer sollten diesen Punkt aber nicht kleinreden. 15 Minuten Unterschied pro Ladestopp summieren sich auf einer langen Reise erstaunlich schnell.
Der gefährliche Zahlensalat im Internet
Beim ZEEKR 001 ist besondere Vorsicht beim Datenvergleich nötig. In China wurde das Modell bereits umfangreich modernisiert und mit deutlich schnellerer Hochvolt- und Ladetechnik vorgestellt. Diese Werte werden auf manchen internationalen Seiten mit dem europäischen Auto vermischt.
Der derzeit offiziell in Deutschland angebotene 001 bleibt bei maximal 200 kW DC-Ladeleistung. Wer irgendwo von mehr als 400 kW, 900-Volt-Technik oder vierstelligen Leistungswerten liest, schaut höchstwahrscheinlich auf die chinesische Modellversion – nicht auf das Auto, das beim deutschen Händler steht. Die deutsche Konfiguration sollte deshalb immer anhand des konkreten Angebots geprüft werden.
Assistenzsysteme: Erst übereifrig, inzwischen besser erzogen
Frühe europäische Testwagen wurden für ihre Assistenzsysteme teilweise heftig kritisiert. Empfindliche Fahrerüberwachung, zahlreiche Warntöne, ruppige Eingriffe des Abstandstempomaten und gelegentliche Fehlmeldungen sorgten für schlechte Laune. Goodwood beschrieb die elektronischen Helfer als einen der größten Schwachpunkte des Autos.
Auch Besitzer berichteten bei älteren Softwareständen von einem überreaktiven Tempomaten und verschiedenen kleineren Fehlern. Gleichzeitig zeigen dieselben Erfahrungsberichte, dass spätere Updates viele der Probleme reduziert haben. Ein Besitzer bezeichnete den Sprung von Softwareversion 1.1 auf 1.2 als deutliche Verbesserung und war nach einem Jahr insgesamt sehr zufrieden mit Qualität und Komfort seines Autos. Solche Berichte bleiben anekdotisch, passen aber zu den offiziellen Änderungsprotokollen.
ZEEKR hat unter anderem die Spurführung, die Fahrerüberwachung, das Batterievorkonditionieren, die Verkehrszeichenerkennung, die Routenplanung und das Verhalten des Abstandstempomaten per Update überarbeitet. Spätere Versionen reduzierten außerdem Fehlalarme und entfernten einige störende Warntöne.
Das ist positiv: Das Auto wird tatsächlich weiterentwickelt.
Es zeigt aber auch, dass frühe Käufer ein Stück weit als unbezahlte Softwaretester eingesetzt wurden. Ein Phänomen, das übrigens längst keine chinesische Spezialität mehr ist. Volkswagen, Tesla und andere Hersteller haben diese Form der Kundenbindung schon sehr erfolgreich europäisiert.
Navigation, App und Online-Dienste
Navigation, Ladeplanung, App-Steuerung und Updates gehören zum digitalen Gesamtpaket. Einige Onlinedienste sind allerdings nicht dauerhaft kostenlos. Für das Premiumpaket mit Online-Navigation samt Live-Ladeplanung, erweitertem Sprachassistenten sowie Entertainment- und Streamingfunktionen verlangt ZEEKR derzeit ab 99 Euro pro Jahr. Die grundlegende App-Anbindung, lokal gespeicherte Navigation und Over-the-Air-Systemupdates gehören zum enthaltenen Standardpaket.
99 Euro im Jahr bringen niemanden in die Privatinsolvenz. Dennoch sollte man bei einem 60.000-Euro-Auto zumindest erwähnen, dass selbst der digitale Komfort inzwischen mit einem kleinen Klingelbeutel vorfährt.
Sicherheit: Fünf Sterne mit einem kleinen Beobachtungsauftrag
Der ZEEKR 001 erreichte 2024 fünf Sterne im Euro-NCAP-Crashtest. Der Insassenschutz für Erwachsene wurde mit 89 Prozent, der Kinderschutz mit 88 Prozent, der Schutz gefährdeter Verkehrsteilnehmer mit 84 Prozent und die Sicherheitsassistenz mit 83 Prozent bewertet.
Die Fahrgastzelle blieb im Frontaltest stabil, und auch der Seitenaufprallschutz fiel gut aus. Kritik gab es vor allem an der Fahrerüberwachung: Sie erkannte Müdigkeit, überwachte Ablenkung aber weniger umfassend als die besten Systeme.
Unterm Strich ist der 001 ein sehr sicheres Auto. Dass er seinen Fahrer gelegentlich nervt, bedeutet also nicht, dass die Technik grundsätzlich nutzlos wäre. Sie muss nur lernen, zwischen echter Gefahr und einem Menschen zu unterscheiden, der für zwei Sekunden den Radiosender wechseln möchte.
Qualität, Garantie und Service: Viel Versprechen, noch wenig Langzeiterfahrung
ZEEKR gewährt zunächst fünf Jahre beziehungsweise 100.000 Kilometer Fahrzeuggarantie. Wer die vorgeschriebenen Wartungen bei einem zertifizierten ZEEKR-Partner durchführen lässt, kann den Schutz um weitere fünf Jahre und 100.000 Kilometer verlängern. Die oft beworbene Zehnjahresgarantie ist damit an Bedingungen geknüpft und nicht automatisch vollständig ab dem ersten Tag garantiert.
Für die Hochvoltbatterie gelten acht Jahre Garantie. Die regulären Wartungsintervalle liegen bei zwei Jahren oder 40.000 Kilometern.
Nach eigenen Angaben arbeitet ZEEKR inzwischen mit mehr als 40 zertifizierten Servicepartnern in Deutschland. Ein zentrales europäisches Teilelager befindet sich in Amsterdam; laut Hersteller sollen rund 80 Prozent der benötigten Teile innerhalb von vier bis fünf Werktagen beim Servicebetrieb eintreffen.
Das klingt ordentlich, muss sich im Alltag aber erst über Jahre beweisen. Ein Netz aus 40 Partnern ist kein flächendeckendes Händlerimperium. Wer weit außerhalb einer größeren Stadt lebt, sollte vor dem Kauf prüfen, wo der nächste Servicebetrieb liegt und ob dieser tatsächlich Karosserie-, Hochvolt- und Garantiearbeiten erledigen kann.
Auch beim Wiederverkaufswert bleibt ein Fragezeichen. ZEEKR besitzt in Deutschland noch wenig Markenbekanntheit, und der technische Fortschritt innerhalb der eigenen Modellpalette ist rasant. Ein heute gekaufter 001 mit 200-kW-Ladetechnik könnte auf dem Gebrauchtmarkt schneller alt aussehen, als es seine hochwertige Karosserie vermuten lässt.
Rückrufe: China ist nicht automatisch Europa
In China werden seit März 2026 genau 38.277 ältere ZEEKR 001 WE zurückgerufen. Betroffen sind ausschließlich Fahrzeuge mit 86-kWh-Batterie aus dem Produktionszeitraum Juli 2021 bis März 2024. Bei bestimmten Batteriekomponenten kann der Innenwiderstand langfristig ungewöhnlich ansteigen; im Extremfall besteht das Risiko eines thermischen Durchgehens.
Der aktuell in Deutschland angebotene 001 verwendet dagegen ausschließlich eine 100-kWh-Batterie und fällt nicht unter den Umfang dieser konkreten chinesischen Rückrufaktion. Die Meldung lässt sich daher nicht ohne Weiteres auf deutsche Neuwagen übertragen.
Die Konkurrenz: Ist der ZEEKR wirklich ein Schnäppchen?
ZEEKR 001 gegen Porsche Taycan Sport Turismo
Der Porsche ist deutlich teurer, fährt aber auch deutlich präziser. Lenkung, Bremsgefühl, Fahrwerkskontrolle und Ladeleistung spielen in einer anderen Liga. Der ZEEKR kontert mit mehr Serienausstattung, mehr Raum und sehr viel Leistung fürs Geld.
Ergebnis: Der ZEEKR bietet Taycan-Tempo, aber kein vollständiges Taycan-Fahrgefühl.
ZEEKR 001 gegen Audi A6 Avant e-tron
Hier wird es für den ZEEKR unangenehm – allerdings nicht ganz so eindeutig, wie der erste Blick auf die Preisliste vermuten lässt. Der Audi A6 Avant e-tron startet bei 64.450 Euro und damit nur rund 4.500 Euro über dem ZEEKR.
Das Basismodell besitzt jedoch lediglich 83 kWh brutto und lädt mit maximal 225 kW. Die technisch besser vergleichbare Performance-Version mit 100-kWh-Akku und bis zu 270 kW Ladeleistung kostet mindestens 77.250 Euro. Der Audi ist effizienter, moderner beim Laden und verfügt über das dichtere Servicenetz – der ZEEKR kontert mit deutlich mehr Serienausstattung und, je nach Variante, wesentlich mehr Leistung..
ZEEKR 001 gegen ZEEKR 7GT
Der gefährlichste Konkurrent kommt aus dem eigenen Haus. Der neue 7GT startet unterhalb des 001, lädt erheblich schneller, bietet modernere Elektronik und erreicht je nach Version bis zu 655 Kilometer WLTP-Reichweite.
Der neue ZEEKR 7GT nutzt durchgehend eine moderne 800-Volt-Architektur. Je nach Batterie nennt ZEEKR für den Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent 13 oder 16 Minuten. Bei der konkreten Spitzenladeleistung widersprechen sich die eigenen europäischen Unterlagen derzeit, doch an der grundsätzlichen Aussage ändert das wenig: Der 7GT lädt ungefähr doppelt so schnell wie der 001.
Der 001 ist größer, repräsentativer und im Fond sowie beim Langstreckenkomfort vermutlich das souveränere Auto. Technisch spricht 2026 jedoch vieles für den 7GT. Wer nicht unbedingt das Platzangebot oder die Erscheinung des 001 braucht, sollte beide unbedingt direkt vergleichen.
Was uns am ZEEKR 001 gefällt
- Hochwertiger, großzügiger Innenraum
- Eigenständiges und gelungenes Design
- Sehr gute Langstrecken- und Geräuschqualität
- Bis zu 620 Kilometer WLTP-Reichweite
- 22-kW-AC-Lader serienmäßig
- Enorme Leistung bei den Allradversionen
- Gute Sicherheitsbewertung
- Umfangreiche Serienausstattung
- Bedingte Garantieverlängerung auf bis zu zehn Jahre
- Kein SUV – allein dafür möchte man ihm beinahe einen Orden verleihen
Was uns nicht gefällt
- Nur 200 kW DC-Ladeleistung
- Neuere ZEEKR-Modelle laden erheblich schneller
- Bedienung teilweise unnötig touchscreenlastig
- Frühe Softwarestände und Assistenzsysteme waren unausgereift
- Lenkung und Bremse erreichen kein Porsche-Niveau
- Sehr großes und schweres Auto
- Service- und Händlernetz noch überschaubar
- Wiederverkaufswert schwer kalkulierbar
- Der Preisabstand zum Audi A6 e-tron ist überraschend klein
- Die europäischen Daten werden im Internet häufig mit chinesischen Modellversionen vermischt
Welche Version würden wir kaufen?
Unsere Empfehlung ist der ZEEKR 001 Long Range RWD.
272 PS reichen für einen souveränen Gran Turismo vollkommen aus. Der Hecktriebler bietet die größte Reichweite, dürfte etwas sparsamer sein und bewahrt den komfortablen Charakter des Autos besser als die 544-PS-Varianten.
Den Performance AWD braucht eigentlich niemand. Er ist das Modell für Menschen, die ihren Mitfahrern beim Auffahren auf die Autobahn zeigen möchten, was deren Halsmuskulatur noch leistet.
Der Privilege AWD ergibt mehr Sinn, wenn die Luftfederung, die besseren Sitze, das Yamaha-System oder die höhere Anhängelast wichtig sind. Er ist jedoch nicht automatisch das sportlichste, sondern vor allem das luxuriöseste Modell.

Für wen ist der ZEEKR 001 geeignet?
Der 001 passt zu Käufern, die ein großes, schnelles und komfortables Elektroauto suchen, aber weder SUV fahren noch deutlich über 100.000 Euro für einen Porsche ausgeben möchten.
Er eignet sich besonders für:
- Vielfahrer mit eigener Wallbox
- Familien mit gehobenem Platz- und Komfortanspruch
- Dienstwagenfahrer, die nicht den fünften i5 oder EQE auf dem Firmenparkplatz möchten
- Technikfreunde, die mit gelegentlichen Software-Eigenheiten leben können
- Käufer, die Ausstattung und Materialqualität höher bewerten als Markenprestige
Weniger geeignet ist er für Menschen, die:
- regelmäßig sehr lange Autobahnetappen mit mehreren Ladestopps fahren
- ein dichtes klassisches Händlernetz erwarten
- möglichst hohen Wiederverkaufswert benötigen
- kompromisslose Sportlichkeit suchen
- schon beim Gedanken an ein Touchscreen-Untermenü nervös mit dem Augenlid zucken
Fazit: Dicke Batterie, ja – Blender, nein

Ein Porsche zum halben Preis ist er trotzdem nicht.
Er beschleunigt wie ein Porsche, sieht aus bestimmten Winkeln ein wenig wie ein Porsche aus und kann auf der Autobahn ähnlich souverän wirken. Doch bei Lenkung, Bremsgefühl, Fahrwerkspräzision und Ladegeschwindigkeit endet der Vergleich. Porsche verkauft nicht nur Leistung, sondern jahrzehntelange Feinarbeit an Dingen, die sich auf keinem Datenblatt vollständig erklären lassen.
Das größere Problem kommt 2026 allerdings nicht aus Stuttgart, Ingolstadt oder München, sondern aus dem eigenen Konzern. Während der 001 noch mit maximal 200 kW lädt, fahren ZEEKR 7X und 7GT bereits mit 800-Volt-Technik und mehr als doppelt so hoher Spitzenladeleistung vor.
Damit ist der ZEEKR 001 ein faszinierendes Auto in einer etwas unglücklichen Lebensphase: zu jung, um alt zu sein – aber technisch bereits alt genug, um beim Neuwagenkauf sehr genau hinzusehen.
Wer vorwiegend zu Hause lädt, viel Platz möchte und ein gutes Angebot bekommt, kann trotzdem einen hervorragenden elektrischen Gran Turismo erwerben. Zum vollen Listenpreis würden wir jedoch nicht blind unterschreiben. Dafür stehen der modernere 7GT und der nur wenig teurere Audi A6 Avant e-tron zu dicht daneben.
Redaktionsurteil
7,8 von 10 Punkten
Ein beeindruckender, hochwertiger und charaktervoller Elektro-GT. Kein Blender – aber auch nicht mehr der technische Überflieger, als der er ursprünglich nach Europa kommen sollte.
Kauftipp: Long Range RWD
Komforttipp: Privilege AWD
Warten oder vergleichen: Vielfahrer sollten zuerst den ZEEKR 7GT testen.
Wichtige Dokumente & Quellen
Redaktioneller Hinweis: Dieser Neuwagen-Check basiert auf der aktuellen deutschen Modellkonfiguration, Herstellerangaben, unabhängigen Fahrberichten, Sicherheitstests und ausgewerteten Besitzererfahrungen. Er ersetzt keinen eigenen Probefahrt- und Angebotsvergleich.
Galerie: ZEEKR 001








Nichts mehr unter den Teppich kehren lassen
Neue Rückrufe, Schwachstellen-Checks und wichtige Auto-News direkt im Postfach.
Kommentare
0Jetzt bist du dran
Wie siehst du das – Zustimmung, Gegenargument oder eigene Erfahrung?
Zustimmung, Widerspruch oder eigene Erfahrung: Hier darf es gern konkret werden.